Stiftung Ländliche Neugier

17.01.2013

 

 

In diesem Frühjahr soll die „Stiftung Ländliche Neugier“ ihre freistaatliche Anerkennung erhalten. Dann werden fast drei Jahre vergangen sein, in denen Dr. Reinhard Müller und Gerlinde Richter Ideen entwarfen, Netzwerke schmiedeten und Mitstreiter begeistern konnten. „Von Beginn an verfolgen wir das Ziel, junge Menschen für den ländlichen Raum zu interessieren“, sagt der pensionierte Agrarsoziologe Müller aus Blankenhain im südlichen Weimarer Land. Und er fügt an: „Leben im ländlichen Raum bedeutet für uns, hier zu wohnen und zu arbeiten, eine enge Beziehung zur Natur zu haben, das kulturelle und soziale Leben mitzugestalten, sich wohl zu fühlen.“ Dies gelinge freilich nur, wenn junge Leute für sich Perspektiven erkennen, was unmittelbar mit einer beruflichen Existenz verbunden sei.Am Anfang stand die Gründung des Vereins „Ländlicher Generationenpark der Zukunft

e. V.“. Man dachte über die Einrichtung eines Schulbauernhofes nach, was mit Sicherheit eine große Anziehung auf Kindergärten und Schulklassen ausgeübt hätte. „In Diskussionen mit Agrarbetrieben verwarfen wir das aber wieder, weil allen klar wurde, dass das auf Dauer sehr teuer werden und den Blick auf das ländliche Leben und Arbeiten einengen würde“, sagt Reinhard Müller.


Nicht nur Bauern


Schließlich gehe es um die moderne Landwirtschaft und die Erzeugung gesunder Lebensmittel. Und neben der Landwirtschaft existierten auch noch mittelständische Industrie, Handwerk und Dienstleistung im ländlichen Raum, die nicht nur eng zusammenwirkten, sondern auch wichtige Grundlagen für ein vielfältiges kulturvolles Leben in der Region mit sicherten.

Gespräche mit Landwirtschaftsbetrieben und örtlichen Industrieunternehmen ließen dann die Idee reifen, Kinder und Jugendliche mit den Betrieben bekannt zu machen, sozusagen ein „Lernen am anderen Ort“, wie auch die Initiative des Kultusministeriums heißt. „Uns war klar, dass wir den Erziehern beziehungsweise den Lehrern ein Angebot für den Unterricht unterbreiten müssen, das es ihnen so einfach wie möglich macht.“ Mit den Partnerbetrieben entwickelte man ein am Lehrplan der Altersstufen ausgerichtetes Programm. „In diesem Frühjahr werden Kindergärten und Schulen im Einzugsbereich der Betriebe einen Katalog erhalten, der die Betriebe und das Programm für die Klassenstufen vorstellt“, erläutert Müller. „Die Lehrer suchen sich ein passendes Projekt heraus und rufen bei unserem Koordinator an, der sich um alles kümmert – um den Termin, den Transport und die Versorgung, das ganze Programm inklusive der Beratung zur Finanzierung.“ Müller betont, dass es sich hierbei nicht vordergründig um ein Projekt der Berufsorientierung handelt, sondern um eines, das Jugendlichen zeigen will, dass es sich lohnt zu bleiben, und dass es auch spannend ist, in ihrer Region einen Beruf zu erlernen. „Natürlich werden die Betriebe Angebote für Praktika oder Ferienarbeit unterbreiten.“

Dabei kooperiert der Verein eng mit dem Schullandheim in Tonndorf, das zu einem Jugendorientierungszentrum ausgebaut werden soll. „Es gibt Übernachtungsmöglichkeiten, sodass die Schulklassen von hier aus nicht nur Betriebe besuchen, sondern die Region auch kulturell erleben können.“


 

Für jeden offen


Die gemeinnützige „Stiftung Ländliche Neugier“ soll maßgeblich dazu dienen, die Kofinanzierung der Förderung zu decken, erläutert Müller. 16 Betriebe aus der Landwirtschaft, der örtlichen Industrie, des Handwerks und des Handels, aber auch Privatpersonen sind derzeit in der Stiftung vereint.  Die Deutsche Kreditbank (DKB) mehrt das Stiftungskapital. „Wir wollen und müssen weitere Kapitalgeber finden. Derzeit hat das Stiftungskapital ein Volumen, das ihre Gründung und Anerkennung absichert.“

Neben den bisherigen Stiftern fanden sich etliche namhafte Sponsoren, die den Verein „Ländlicher Generationenpark der Zukunft“ unterstützen. Damit konnte etwa in Blankenhain das „Experimentier- und Lernzentrum erneuerbare Energien“ (EuLeE) aufgebaut werden. In mehreren Lernkabinetten kann an Modellen das technische Verständnis für die Energieumwandlung und Stromgewinnung von morgen anschaulich gemacht werden.

Aktiv ist das Projekt derzeit im Weimarer Land, im Ilmkreis, Saalfeld-Rudolstadt und im Kreis Sömmerda. „Wir schränken uns örtlich nicht ein. Jeder Landwirtschaftsbetrieb, jeder Handwerker, jeder örtliche Betrieb, der nicht nur die Idee der Stiftung unterstützen will, sondern an unserem Programm teilnehmen will, ist willkommen“, spricht Müller seine Einladung aus, für die Zukunft des ländlichen Raumes in Thüringen aktiv werden. BZ


www.lgpz.de


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