Stark im Bündnis

09.03.2015

© Frank Hartmann

Auf 600 Metern Höhe wirtschaftet die Agrar eG Herberndorf unweit von Wurzbach. Mit den 16 Mitarbeitern gehört der Betrieb, der in einem geschlossenen System (750 Sauen-, 3 200 Flatdeck- und 6 000 Mastplätze) produziert, zu den Pionieren der Ebermast. 500 ha Fläche, Biogasanlage, einige Mutterkühe, Schafe, Legehennen und Hausschlachtung samt „Hofkonsum“ machen den Betrieb rund.

Aus fast allen Richtungen bläst den rund 280 heimischen Schweinehaltern derzeit der Wind ins Gesicht: Kampagnen von Tier- und Umweltschutzgruppen und die mediale Ächtung der Tierhaltung; schwindende Akzeptanz im ländlichen Raum; politischer Aktionismus und konkrete, verschärfende Eingriffe ins Fachrecht; ein heftiger Verfall der Preise. Das eine oder andere davon kann sich zu einem echten Sturm entwickeln. Damit der den einzelnen Berufskollegen nicht umhaut, taten sich in den letzten Wochen 18 Betriebe und Fachleute zusammen, um ein Bündnis zu gründen, die „Interessengemeinschaft der Schweinehalter Thüringen“ e. V. (IGS).

Auch wenn etliche Schweine haltende Betriebe über den Bauernverband organisiert sind,  fehle es an Kommunikation in der Branche, sagt André Telle, Vorstandschef der Agrar eG Heberndorf und einer der Initiatoren der neuen Interessengemeinschaft. „Wir möchten Ansprechpartner für die Schweinebetriebe im Land sein“, sagt Telle. Der Verein stehe allen Betrieben offen, die im Freistaat Schweine halten, unabhängig von Bestandsgröße und Rechtsform. Bereits erworben habe die IGS die Mitgliedschaft beim Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion (ZDS). Damit besäßen IGS-Mitglieder auch Zugang zur fachlichen Kompetenz der bundesweiten Interessenvertretung. In Thüringen wolle man zusammen mit dem Thüringer Bauernverband die Interessen der Schweinehalter vertreten. „Fachlich geht es etwa darum,  Gutachten einzuholen oder die Folgen geplanter fachrechtlicher Änderungen zu untersuchen und abzuschätzen.“ Forschungsvorhaben will man anschieben und Fördermaßnahmen initiieren. Fachtagungen zu organisieren und Stellungnahmen zu formulieren zählt Telle als weitere Beispiele für die Arbeit der IGS auf.

Telle selbst wirkt in der Landesarbeitsgruppe „Tiergerechte landwirtschaftliche Nutztierhaltung“ beim Thüringer Agrarministerium mit, die im Sommer 2014 für die Schwerpunkte Schweine- und Geflügelhaltung ins Leben gerufen wurde. Hier sitzen Fachbehörden, Ministerien, aber auch Umwelt- und Tierschutzorganisationen neben einer Handvoll Praktiker am Tisch. Sich in diesem Gremium Gehör zu verschaffen, etwa wenn es um die Größe von Kastenständen geht, sei äußerst schwierig. „Dabei verschließen wir uns solchen Diskussionen überhaupt nicht. Im Gegenteil: Wir sind an gemeinsamen Lösungen, am Interessenausgleich interessiert. Bei den Kastenständen heißt das für mich: Es muss dem Tierschutzrecht, dem Tier selbst, den Mitarbeitern in den Ställen und der Ökonomie Rechnung tragen“, sagt Telle.

Gerade in Runden wie der genannten, die am Ende auf die Auslegung und Anwendung des Fachrechts im Land Einfluss haben dürften, müssten die Praktiker mit stichhaltigen, fachlich belegten und rechtlich fundierten Argumenten antreten können. Dafür bilde die IGS Thüringen den geeigneten Hintergrund, indem der Berufsstand die Kompetenz von Wissenschaft, Recht und Praxis bündelt und Schweine haltende Betriebe entsprechend vertritt.

Einladung an alle Schweinehalter

Die neu gegründete „Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Thüringen“ (IGS) e. V. lädt alle Schweinehalter im Land am 18. März zu ihrer ersten Fachtagung nach Pfiffelbach ein. Hier will sich die IGS mit ihren handelnden Personen vorstellen sowie ihre Arbeitsweise und gesteckten Ziele erläutern. Im fachlichen Teil gibt es praktische Tipps rund um die „Initiative zum Tierwohl“. Außerdem wird die Frage „Auflagen nach Tierschutzkontrollen – was tun?“ aus fachlicher und rechtlicher Sicht beleuchtet.

18. März, 14 Uhr, Kultur- und Kongresshotel, Apoldaer Straße 4, 99510 Pfiffelbach; Kontakt zur IGS per E-Mail: IGS-Thüringen@remove-this.t-online.de

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