Schwarzwild bestimmt die Diskussionen

07.02.2018

© Sabine Rübensaat

Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) fokussieren sich in der öffentlichen Debatte derzeit auf die Bejagung des Schwarzwildes. Unstrittig ist, dass die eigentliche ASP-Quelle der Mensch ist, der etwa Reste von Wurst- und Fleischwaren, die von infizierten Hausschweinen stammen, unachtsam entsorgt, etwa an Parkplätzen entlang der Autobahnen. Wildschweine können hier das ASP-Virus, das sich in Osteuropa bis nach Tschechien fest etabliert zu haben scheint, aufnehmen und mit verbreiten. Fundorte mit infizierten Wildschweinen bergen das hohe Risiko, dass schweinehaltende Betriebe innerhalb dieser Gefährdungszonen gesperrt werden. Gleichwohl in Schweinehaltungen strikte Biosicherheitsmaßnahmen zum Alltag gehören, kann ein Eintrag der ASP niemals zu 100 % ausgeschlossen werden. Die Folgen eines solchen Seuchenfalles wären für die Branche verheerend.


Dies alles war Konsens einer Erfurter Diskussionsrunde im MDR-Fernsehen, zu der das Vorstandsmitglied des Thüringer Landesjagdverbandes, Lothar Hoffmann, der Wildökologe Prof. Sven Herzog von der TU Dresden und Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel geladen waren. Hoffmann bezweifelte, dass eine schärfere Bejagung die ASP aufhalten könne. Gleichwohl wünsche er sich – wie die Landwirte auch –, das Schwarzwild in Thüringen stärker zu bejagen. Eine Reduzierung des Bestandes um 70 % liege für Hoffmann allerdings außerhalb dessen, was die Jäger leisten könnten. Zudem hält er ein solches Vorgehen aus jagdethischen Gründen für nicht vertretbar. Hoffmann verteidigte die Landwirte gegen Vorwürfe, mit ihren Fruchtfolgen das Anwachsen der Schwarzwildbestände zu forcieren. Diese Kritik an der Landwirtschaft hatte zuvor der Dres­dener Wildökologe Sven Herzog erhoben, der ein Gegensteuern durch die EU-Agrarpolitik forderte. Dies wies SLB-Präsident Vogel zurück, der fragte, wo Wildschweine ihre Deckung finden würden, wenn Raps und Mais abgeerntet sind. Vogel forderte, die Schwarzwildjagd auch in Schutzgebieten zuzulassen und die großzügigen Jagdruhezeiten im Staatsforst zu beenden. Aus dem Publikum meldete sich mit Rainer Ackermann ein Schweinehalter zu Wort (Agrargesellschaft Griesheim mbH), der das mittlerweile ganzjährige Frischen der Wildschweine aufgrund des Klimawandels als weitere Ursache für die große Population aufgezählt wissen wollte.


Hoffmann, der in den meisten Fällen ein gutes Miteinander von Jägern und Landwirten an der Basis beobachten kann, sprach sich angesichts der kleinen Reviergrößen klar für ein Ausweiten revierübergreifender Jagden aus. Er erinnerte daran, dass in den letzten Jahren bis zu 80 % der jährlichen Schwarzwildstrecke in Thüringen bei eben diesen Jagden abgerechnet werden konnte.


Mit Blick auf die ASP-Prävention forderten Vogel und Herzog in ihrem Fazit ein strenges Hygienemanagement entlang der Autobahnen inklusive einer Einzäunung von Raststätten bzw. Parkplätzen. Zudem, so Herzog, müssten ein ASP-Wildschweinmonitoring mit systematischer Beprobung sowie ein zuverlässiges Meldesystem etabliert werden.

 

 

 

ASP: Jagdpolitik
Über das Verfahren zum Ausreichen einer Aufwandsentschädigung für Jäger im Zuge einer verschärften Schwarzwildbejagung wird in Kürze der Jagdbeirat beraten. Das kündigte Agrarministerin Birgit Keller beim Jahresempfang des Landesjagdverbandes an. Für die Haushaltsjahre 2018 und 2019 stehen dafür jeweils 1,5 Mio. € bereit.

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