Schlachtung in Nohra passé

17.12.2013

Bildautor: © Sabine Rübensaat

Fleisch- und Wurstwaren im Supermarkt

Gemunkelt wurde schon seit geraumer Zeit, dass die Geschäfte am Schlachthof Nohra bei Weimar nicht mehr ganz so rund laufen. Per Mitteilung schuf der niederländische Vion-Konzern nun Fakten: „Als relativ kleine Einheit der Business Unit Schwein erfüllt der Schlachtbetrieb am Standort nicht mehr die wirtschaftlichen Anforderungen des Unternehmens an Auslastung und Effizienz.“ Anders als die Schlachtung und Zerlegung soll die Produktion von Wurstwaren aber fortgeführt werden.

Nur noch ein großer Schlachthof

Nach der Schließung des Schlachthofes Jena in der ersten Jahreshälfte und dem angekündigten Aus für Nohra findet sich in Thüringen somit nur noch eine größere Schlachtstätte, und zwar der ebenfalls zum Vion-Konzern gehörende Schlachthof in Altenburg (Schlachtkapazität: 320 Schweine und 65 Rinder je Stunde; Zerlegung: 600 Schweinehälften je Stunde).

Lediglich ein Viertel der in Nohra geschlachteten Schweine stammte zuletzt von heimischen Mästern. Das entspricht im laufenden Jahr etwa 100 000 von 400 000 Tieren. In Spitzenzeiten wurden in Nohra 655 000 Schweine pro Jahr angeliefert.  Als Grund für die schwächelnde Auslastung der Nohrarer Schlachtstätte führt Vion die  „seit vielen Jahren“ stagnierende Schweineproduktion in Thüringen an. Die hätte sich „leider nicht so entwickelt, wie das bei der Planung und Inbetriebnahme des Schlachtbetriebes kalkuliert worden war“. In der Tat ging die Zahl der von der Agrarstatistik im Freistaat erfassten Mastschweine in den letzten zehn Jahren leicht zurück, während sich die Ferkelproduktion nahezu verdoppelte. Um die Auslastung in Nohra zu erreichen, habe man schon in den vergangenen Jahren über weite Strecken „zu hohen Kosten Tiere zur Schlachtstätte transportiert“, so Vion gegenüber unserer Zeitung. Diese zusätzlichen Kosten hätte man in der Vermarktung aber nicht ausgleichen können.  Die hohen Kosten der Produktion bezahlten zum Teil auch die Mitarbeiter. Nach Gewerkschaftsangaben ist der Betrieb seit 2009 nicht mehr tarifgebunden.

Vertrauen bei Bauern eingebüßt

Vor einigen Monaten nannte Vion-Aufsichtsratschef Hans Huijbers in einem Interview einen weiteren Grund für den Verlust von Marktanteilen des Gesamtkonzerns: „Die Verlängerung der Zahlungsziele im vergangenen Jahr war ein Fehler. Da haben wir Vertrauen bei den Bauern eingebüßt.“

Der Thüringer Bauernverband (TBV) bedauert die Schließung in Nohra außerordentlich. Der stellvertretende Landesgeschäftsführer, Walter Pfeifer, erinnerte daran, dass die Inbetriebnahme eines der modernsten Schlachthöfe Europas vor zwanzig Jahren als Signal für den Aufbruch in der Thüringer Landwirtschaft galt. Die Investitionssumme für den Schlachthof und die Wurstproduktion belief sich seinerzeit auf über 145  Mio. DM. Das Aus für Nohra sei Beleg für den harten Wettbewerb in der Branche, aber auch Folge der niedrigen Lebensmittelpreise, so Pfeifer. Er rechne damit, dass die Schließung Konsequenzen für die Erzeuger haben werde.

In Kürze Gespräche mit den Erzeugern

Gegenüber der BauernZeitung kündigte Vion an, mit Erzeugern und Viehhändlern in Kürze Gespräche über die weitere Zusammenarbeit aufnehmen zu wollen. Ziel sei die Vermeidung von höheren Kosten für die Lieferanten. Zunächst laufe die Produktion in Nohra wie gewohnt weiter. Mit dem endgültigen Termin der Schließung will man dann den Übergang zum Vion-Betrieb in Altenburg „nahtlos und ohne Zeitverzug“ gestalten. Seinen Frischfleisch-Kunden aus Lebensmitteleinzelhandel und Industrie verspricht Vion, dass sich für sie nichts ändern werde.

Betroffen von der Schließung sind laut Vion 155 Mitarbeiter, davon 95 Beschäftigte „externer Dienstleister“. Das Landratsamt Weimarer Land beschäftigt vier Veterinäre und 15 Fachassistenten im Zuge der amtlichen Kontrolle am Schlachthof Nohra.

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