Schafhaltung: Von Aufbruch keine Spur

04.04.2014

© Sabine Rübensaat

Wanderschäfer auf ihrem Hirtenzug mit Merinolandschafen

Nach fast sieben Stunden, die sich die Mitglieder des Schafzuchtverbandes für ihre Jahresversammlung genommen hatten, appellierte Jens-Uwe Otto an die agrarministeriellen Gäste: „Wir müssen etwas tun! Wir Schäfer wollen nicht ständig mit leeren Taschen dastehen.“ In der Stimme des Vorsitzenden schwang leichte Verzweifelung mit. „Wir wollen nicht an erster Stelle stehen, wir wollen ein normales Einkommen und die Betriebe weitergeben.“

Der Staat kann nicht alles richten

Karen Reinhold, die zuständige Referatsleiterin, versicherte in Bösleben, dass dem Ministerium die schwierige Lage der Schäfer im Land bekannt sei. Noch befänden sich die geplanten Fördermaßnahmen im ELER-Programm in der Abstimmung. Zudem arbeite man  an einem Konzept, das die Schafhaltung im Lande sicherstellen soll. Zur Debatte um das Tierzuchtgesetz und die von der TLL gestellten Zuchtleiter sicherte Reinhold die im Jahr 2013 versprochene Unterstützung bis zum Jahr 2018 zu.

Gleichzeitig erklärte sie, dass die Schäfer auch Unternehmer seien, die versuchen müssten, neue Wege zu gehen. „Der Staat“, so Reinhold, „kann nicht alles leisten.“ Den jüngsten Zahlen nach ist der Mutterschafbestand im Jahr 2013 auf 108 000 Tiere gefallen. Ein Jahr zuvor waren es noch 7 000 mehr (siehe Seite 53).

Aufbruchstimmung wollte Jens-Uwe Otto nicht verspüren, nachdem Thomas Lettau und Martina Woitas detailliert die Pläne zum Grünlandteil des neuen KULAP vorgestellt hatten. Dabei hält das neue Programm Vereinfachungen bereit und ist dem Anschein nach finanziell gut ausgestattet.

Lockt das KULAP Rinder statt Schafe an?

Auf 90  000 ha Grünland, Biotop- und Naturschutzflächen werden klar strukturierte Maßnahmen angeboten. Die Honorare für die zu erbringenden Leistungen bewegen sich zwischen 180 €/ha (G1.2: artenreiches Grünland,  vier Kennarten) und 445 €/ha (G6: Offenhaltung nicht beihilfefähiger Flächen in Schutzgebieten). Weil die meisten Maßnahmen wahlweise für die Bewirtschaftung mit Tieren (Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen) als auch für die Mahd offenstehen, geben sich die Schäfer skeptisch, ob die Angebote ausreichend attraktiv sind. Es stelle sich für den Schäfer die Frage, so Jens-Uwe Otto, ob die Bewirtschaftung dieser Flächen mit Mutterkühen nicht einfacher und einträglicher sein könne. Ein weiterer Rückgang der Schafbestände sei dann zu befürchten. Mit Spannung erwarten die Schäfer noch die Karten für die KULAP-Kulissen, an denen momentan gearbeitet wird. Welche Unterstützung den schafhaltenden Betrieben zufallen sollte, damit sich ihre Situation  verbessert, formulierte die Mitgliederversammlung in einem Forderungskatalog (Kasten sieh unten). Diesen richtet der Schafzuchtverband an den Agrarminister. Sich als kleine Interessenvertretung in Thüringen mehr Gehör zu verschaffen, ist eine Aufgabe, die der Schafzuchtverband, wenn auch zögerlich, angenommen hat. Noch auf der Mitgliederversammlung lud Astrid Hatzel von der IG Bena (Interessengemeinschaft Benachteiligte Gebiete) den Schafzuchtverband auf dessen Bitte zur Mitarbeit in der IG ein.

Forderungskatalog: Gezielte Förderung
Auf ihrer Jahresversammlung verabschiedeten die Mitglieder des Schafzuchtverbandes einen Katalog mit Forderungen. Adressat ist das Agrarministerium. Unter anderem sollen die 4,5 % Umschichtung aus der Ersten Säule für Grünland­standorte und Raufutterfresser eingesetzt werden. Die Mutterschafprämie soll wieder eingeführt werden. Pflegeverträge im Vertragsnaturschutz müssen auf fünf Jahre angelegt sein. Pflegeverträge für nichtmechanisierbare, von Verbuschung bedrohte Grünlandflächen fordern die Schäfer ohne Anlastungsrisiko auszugestalten. Starke Grünlandbetriebe sollen aufgrund von Greening-Auflagen beim KULAP nicht benachteiligt werden. Für die KULAP-Honorare des Jahres 2015 sind Abschlagzahlungen notwendig. Kreditbürgschaften des Landes würden Investitionen und die Sicherung von Betriebsnachfolgern unterstützen. Eine betriebswirtschaftliche Beratungsförderung fordern die Schäfer ebenso wie die staatliche Förderung der stationären Leistungsprüfung. Solidarische Beiträge der LSV müssten an der Wirtschaftskraft der Betriebe bemessen werden.

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