Schaf- und Ziegenprämie

15.11.2018

© Sabine Rübensaat

In Kürze will das Umweltministerium die Förderrichtlinie für die sogenannte „Schaf- und Ziegenprämie“ (SchaZie) veröffentlichen. Geplant ist, Anfang nächsten Jahres das Antragsverfahren zu starten. Bis zum 31. März 2019 könnten Anträge gestellt werden, informierte Dienstag voriger Woche Dr. Henryk Baumbach auf der regionalen Infoveranstaltung der beiden Zuchtverbände in Walschleben. Die Förderung ist eine Antwort des Landes auf die bislang vergeblichen Versuche, wieder eine Muttertierprämie für Schafe und Ziegen in Deutschland zu etablieren. Weder Demonstrationen von Schäfern noch Initiativen im Bundesrat und Bundestag fanden die notwendige Unterstützung.

 

Gleichwohl die Schaf- und Ziegenhalter das Engagement der Landesregierung würdigen, wird sich an ihrer wirtschaftlichen Si­tuation, gerade bei den Haupterwerbsbetrieben, keine substan­zielle Verbesserung einstellen. Wie Zuchtleiter Gerhard Schuh sagte, solle mit der SchaZie-Prämie vielmehr ein Signal von Thüringen ausgehen, bundesweit wieder eine Muttertierprämie einzuführen. Die Verbände würden im kommenden Jahr ihr diesbezügliches Engagement fortführen.

 

Das Thüringer Förderprogramm sieht eine Prämie von 25 € für Tiere vor, die zum Stichtag mindestens neun Monate alt sind. Als Stichtag gilt der 3. Januar und damit die Meldung der Tierbestände an die Thüringer Tierseuchenkasse. Ohne die Meldung bei der Tierseuchenkasse ist eine Förderung ausgeschlossen. Angelegt und mit den entsprechenden Haushaltsmitteln ausgestattet ist das Programm für die Jahre 2019, 2020 und 2021. Anträge müssen in jedem Jahr neu gestellt werden; somit entscheiden Schaf- und Ziegenhalter selbst darüber, wie oft sie die SchaZie-Prämie in Anspruch nehmen wollen.

 

Minimum 20 Tiere

 

Wesentliche Fördervorausetzungen sind ein Mindestbestand von 20 Tieren. Zudem müssen zehn Prozent der Weideflächen in einer Kulisse für Biotop-Grünland liegen. Laut Baumbach geht man derzeit von 550 Schaf- und Ziegenhaltern aus, deren Flächen in einer vorgenannten Kulisse liegen und damit potenziell antragsberechtigt wären. Ein InVeKoS-Antrag oder die Teilnahme am KULAP-Programm sind hingegen keine Voraussetzungen. Eine weitere Bedingung, um im Antragsjahr am 31. Oktober die Förderung überwiesen zu bekommen, ist ein stabiler Tierbestand, der sich im Jahresverlauf nicht um mehr als zehn Prozent verringern darf. 

 

Die Symbolhaftigkeit der SchaZie-Prämie ergibt sich aus der maximal möglichen Höchstförderung. Denn diese wird begrenzt durch die De-minimis-Regelung der EU, unter die das Landesprogramm fällt. Danach können maximal 15.000 € Prämie in drei Jahren bzw. 5.000 € jährlich ausgereicht werden. Auf Tierzahlen umgerechnet deckt dies maximal 200 Schafe und Ziegen pro Betrieb und Jahr ab. Dem Vorschlag des Schafzuchtverbandes, eine einmalige Förderung in der Maximalhöhe zu gewähren, folgte man nicht. Einschränkend kommt hinzu, dass sich die Maximalprämie um die aus anderen Programmen in Anspruch genommenen Fördermittel, die ebenso der De-minimis-Regel unterliegen, reduziert.

 

Zu Letzterem zählt, und das ist für einen Teil der Schäfer nicht unwesentlich, die Förderung von Präventionsmaßnahmen zum Schutz der Herden vor Wölfen und Luchsen. Britta Krämer vom Umweltministerium stellte in Walsch­leben die überarbeitete Förderrichtlinie Wolf/Luchs vor, die rückwirkend zum 1. November in Kraft treten sollte, was aber, wie der Schafzuchtverband informierte, aus aktuellem Anlass verschoben werden musste. 

 

Damit reagiert das Umweltministerium auf die Entscheidung der EU-Kommission vom Freitag der Vorwoche, wonach Investitionen in Vorsorgemaßnahmen gegen Risse von Weidetieren durch Wölfe nun zu 100 % durch die Länder finanziert werden können. Dies gilt auch für Schäden bzw. Folgekosten. Damit ist die in Thüringen gerade anvisierte, bislang maximal zulässige Höchstförderung von 80 % für „optimale“ Schutzmaßnahmen (120 cm Zaun; Herdenschutzhunde usw.) hinfällig und wird auf 100 % aufgestockt.

 

Unberührt von der aktuellen Entwicklung bleiben weitere Neuerungen zum Wolfsschutz bzw. zur Entschädigung. Danach sind die Präventionsmaßnahmen künftig in ganz Thüringen förderfähig. Nach einer ersten Attacke wird im Wiederholungsfall nur noch Entschädigung gewährt, wenn der Halter seinen vorhandenen Grundschutz (90 cm Weidezaun) innerhalb von drei Wochen auf den „Optimalschutz“ (120 cm Weidezaun) umgestellt hat. 

 

Zehn Rissgutachter

 

Krämer informierte, dass mit den neu ausgebildeten nunmehr zehn Rissgutachter zur Verfügung stünden. Haltern könnten über die Rissgutachter nach einer Attacke ad hoc leih- und übergangsweise Weidezäune (120 cm) zur Verfügung gestellt werden. Eine weitere Neuerung betrifft die Entschädigung: Künftig werden auch Fruchtbarkeitsstörungen als Folgen einer Attacke entschädigt.

 

Angekündigt wurde, dass Thüringen dem Beispiel anderer Länder folgt und seine Wolfsrichtlinie von der EU-Kommission notifizieren lassen will. Dann entfällt für die genannten Maßnahmen die De-minimis-Regel. 

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