Rüsten gegen die Pest

17.01.2018

© Sabine Rübensaat

Vorsichtigen Schätzungen zufolge gibt es in Thüringen 100.000 Wildschweine.

Vom 1. Januar bis zum Dienstag dieser Woche meldete das Friedrich-Löffler-Institut bereits 285 auf die Afrikanischen Schweinepest (ASP) positiv getestete Tiere in Osteuropa, davon sieben in Tschechien und 99 in Polen, worunter sich auch drei Hausschweine befanden. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 4.140 Fälle, darunter 81 in polnischen Hausschweinbeständen. Litauen stellt nach wie vor die ASP-Schwerpunktregion dar.


Für Fachleute agieren die tschechischen Veterinäre und Jäger beispielhaft, weil es ihnen bis Anfang dieses Jahres gelungen ist, infizierte Wildscheine über einen sehr langen Zeitraum in einem engen Gebiet zu halten. Nunmehr hat sich gezeigt, dass dies auf Dauer nicht gelingen kann.


„Die Afrikanische Schweinepest breitet sich immer weiter nach Westen aus. Die Lage ist ernst, aber wir sind vorbereitet“, erklärte Landwirtschaftsministerin Birgit Keller nach einer Kabinettssitzung. Die Ministerin geht davon aus, dass die ASP an der Landesgrenze nicht halt machen wird. Krisen-szenarien zielten darauf ab, wie die Verbreitung der Seuche unter den Wildschweinen eingedämmt und die Übertragung auf den Hausschweinbestand möglichst verhindert werden könnte.

 

Jäger mit Mehraufwand


Keller informierte darüber, dass die zuständigen Ministerien an einem entsprechenden Maßnahmepaket arbeiten würden. „So wollen wir zur Vorbeugung vor der Afrikanischen Schweinepest 1,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Die Einordnung in den Landeshaushalt bereiten wir gerade vor.“ Keller kündigte an, Aufwendungen der Jäger – wie Trichinenuntersuchung oder Transportkosten – bei der Verringerung der Schwarzwildbestände auszugleichen. Diese Entschädigung sei, so Keller, „dringlich geboten“. Sie betonte ausdrücklich, dass es sich hierbei nicht um eine „Abschussprämie“ handeln würde.

 

Jagdruhe aufgehoben


„In den Revieren von ThüringenForst haben wir die Jagdruhe aufgehoben. Wildschweine können nun – so wie bereits in den privaten Jagden – auch im Staatswald in der bisherigen Ruhezeit von Mitte Januar bis Mitte Juli geschossen werden. Muttertiere sind hiervon ausgenommen“, so die Ministerin. Jagdreferatsleiter Achim Ramm erläuterte, dass man den Einsatz von Nachtzielgeräten noch prüfe. Dabei würden Erfahrungen aus anderen Ländern mit einbezogen. Grundsätzlich könnte ein schneereicher Winter den Jägern bei der nächtlichen Wildschweinjagd helfen. Keller sagte, dass sie die Forderung des Deutschen Bauernverbandes nach einer Reduzierung der Schwarzwildbestände um 70 % unterstütze. Dies käme in Thüringen einer Verdopplung der jährlichen Jagdstrecke gleich.


Die Ministerin kündigte zudem an, mit dem Geld die Pläne des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbezirksinhaber zum Aufbau eines Schwarzwild-Kompetenzzentrums zu unterstützen. In diesem Zentrum würden die Interessen aller Beteiligten gebündelt und koordiniert, Schulungen durchgeführt, Jagdmethoden unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt und Marketingstrategien entwickelt. „Das Zentrum kann einen starken Beitrag zur Bestandsreduzierung von Wildschweinen, zum aktiven Schwarzwildmanagement und somit zur ASP-Vorbeugung leisten“, gab sich die Ministerin überzeugt.


Keller kündigte auf der Regierungspressekonferenz eine Thüringer ASP-Verordnung an, die das Zusammenwirken von Agrar- und Gesundheitsministerium regelt. Bereits am 14. Dezember wurde ein Planentwurf zur Tilgung der Afrikanischen Schweinpest (ASP) bei Haus- und Wildschweinen in Thüringen verabschiedet. Dieser regelt das Handeln der Behörden im Seuchenfall. Die Veterinärämter sind entsprechend angewiesen und die Jagdbehörden informiert. Teile dieses Planes wurden im Dezember bei einem Workshop mit Landwirten und Jägern in Stadtroda vorgestellt (Bauernzeitung 49/2017, Seite 12).


Dieser regelt u.a., dass um den Fundort eines positiven Wildschweines ein acht Kilometer großer Radius für eine Gefährdungszone eingerichtet wird. Innerhalb dieser Zone gibt es eine Hochrisikozone, die mit Elektrozäunen ein Auswandern von potenziell infizierten Wildschweinen verhindern soll.

 

Kein pauschales Keulen


Finden sich in diesen Risikozonen Schweinehaltungen, wird geprüft, ob es zu einem Kontakt mit infizierten Wildschweinen gekommen ist. Eine pauschale amtliche Anweisung zum Keulen der Bestände in diesen Zonen gibt es nicht. Gleichwohl werden die Betriebe gesperrt, ein Verbringen von Tieren ist nicht mehr möglich. Im Einzelfall kann der Amtsveterinär das Verbringen von Tieren gestatten. Zuvor müssen diese aber serologisch untersucht werden. Wenn sich noch ein Abnehmer findet, ist in diesen Fällen die Vermarktung der Schweine nur noch in Deutschland möglich.

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