Rückschau und Ausblick für Braugerste

14.07.2016

© Birgitt Schunk

Station in Buttelstedt: In der Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgut GmbH stellte Dr. Uwe Jentsch (r.) von der TLL zehn aussichtsreiche Braugerstezüchtungen vor.

Zum Auftakt der diesjährigen Braugerstenfahrt gab es am Feldrand bei Buttelstedt erst einmal einen Schluck heimischen Gerstensaft aus der Brauerei in Weimar-Ehringsdorf. Nur wenige Kilometer entfernt, wird dort seit 175 Jahren Bier gebraut. Die Kostprobe zum Auftakt der Tour im 500. Jahr des Reinheitsgebotes in Deutschland war symbolischer Natur: „Wer gutes Bier trinken will, braucht auch gute Gerste“, sagte Dr. Martin Farack, Geschäftsführer des Thüringer Braugerstenvereins. Genau darum ging es auch zur Braugerstenfahrt, zu der der Verein und die Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) ins Weimarer Land eingeladen hatten. An die einhundert Teilnehmer aus der Land- und Brauwirtschaft sowie dem Getreidehandel kamen; zwei Drittel davon waren aus Thüringen, der Rest aus ganz Deutschland. Ausgangs- und Endpunkt der Fahrt war die IRUSO GmbH Kulmbach, die in Buttstädt bei Weimar einen Standort hat. Sie hatte im vorigen Jahr den Thüringer Braugerstenwettbewerb gewonnen und war deshalb nun Gastgeber.

 

 

Gute Resonanz:
Rund 100 Teilnehmer vereinte
die Braugerstenfahrt 2016 in Thüringen (Bild unten).
Fotos: Birgitt Schunk

 

 

 

 


In der Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgut GmbH in Buttelstedt stellte Dr. Uwe Jentsch von der TLL zehn aussichtsreiche Braugerstezüchtungen vor. Im Praxistest zeigten sich allerdings vor Ort große Differenzen. Trotz guter Bedingungen kam es zu Lagergetreide. „Bei zwei Sorten war dies besonders auffällig“, bilanzierte Dr. Martin Farack. Bereits zum Start der Tour hatte er angekündigt, dass die Sortendemonstration deutliche Unterschiede zeigen werde. „Zum Leidwesen mancher Züchter, aber zum Vorteil der Landwirte“, sagte er und unterstrich einmal mehr, wie wichtig unabhängige Sortenversuche unter gleichen Standortbedingungen sind, um aussagekräftig vergleichen zu können.


Mit Interesse wurde die Sorte RGT Planet verfolgt, in die die Anbauer hohe Ertragserwartungen gesetzt hatten. Die 2014 zugelassene Neuzüchtung erhielt allerdings aufgrund von Problemen im Brauprozess keine Verarbeitungsempfehlung. Eine ganze Reihe von Betrieben hatte das Saatgut aber bereits bestellt und Planet teilweise dennoch in den Boden gebracht. „Wir werden sehen, ob die Sorte ihren Weg findet oder in der Versenkung verschwindet“, so Farack.


Mit rund 350 000 ha Anbaufläche (Vorjahr 370 000 ha) fällt der Sommergerstenanbau in Deutschland wieder auf das historisch niedrigste Niveau von 2014 zurück. Auch die Thüringer Landwirte verringerten nach Angaben der TLL ihre Anbauflächen um 4 400 ha auf 24 800 ha. „Damit kann die deutsche Brauwirtschaft ihren Braugerstebedarf nicht mehr aus eigenem Aufkommen decken“, so die Braugersten-Gemeinschaft e. V. Nach Aussage von Dr. Farack ist nach wie vor die mangelnde Wirtschaftlichkeit entscheidend für den Rückgang des Braugerstenanbaus.


„Wir brauchen kontinuierliche Abnahmeverträge und solide Preise – und das mit einer Zwei davor.  Für 120 oder 130 Euro pro Tonne kann man keine Braugerste produzieren“, sagte Steffen Steinbrück, Vorstandsvorsitzender der Erzeugergenossenschaft Neumark eG. Die Marktschwankungen machten den Betrieben zu schaffen. Das Unternehmen war eine weitere Station der Braugerstenfahrt. Auf 600 ha dominiert hier die Sorte Marthe. Zufrieden ist Steinbrück in diesem Jahr nicht wirklich. Die Qualitäten sähen gut aus, aber ein Teil des Bestandes lagert. „Anfangs hatten wir uns noch nicht getraut, Wachstumsregulatoren einzusetzen. Dann aber kam der Regen, und es gab kein Zeitfenster mehr zum Spritzen.“  Im letzten Jahr war man hingegen zum Zuge gekommen. „Doch da war alles so kurz geraten, dass der Mähdrescher sich zum Dreschen knien musste“, so Steinbrück. Jetzt hofft er auf schönes Wetter und gute Preise, um mit den Erlösen die Milchkühe querfinanzieren zu können.


Auf bessere Preise setzt auch die Agrargesellschaft Pfiffelbach mbH. Sie gehört zu den Betrieben, die ihren Sommergerstenanbau reduziert haben. Noch vor drei Jahren waren es 1 000 ha. In diesem Jahr sind es 764 ha. „Wenn die Preise nicht steigen, werden wir die Fläche weiter verringern“, sagte Pflanzenbauchef Dietmar Ley­dolph. Mit Durum habe man eine Alternative gefunden. Der Anbau erfolgt hier bereits auf knapp 200 ha. Dass für den guten Kasten Bier zehn bis zwölf Euro auf den Tisch gelegt werden müssen und der Braugerstenpreis niedrig bleibt, kann Leydolph nicht nachvollziehen. „Das passt einfach nicht zusammen.“


Mit Blick auf die Ernte 2016 prognostizierte Dr. Martin Farack durchschnittliche Erträge um die 55 dt/ha. „Derzeit stehen optisch gute, dichte und hohe Bestände in Thüringen“, sagte er. Zwischen den Regionen hatte es insgesamt eine ausgeglichene Niederschlagsverteilung gegeben, obgleich die Unterschiede zwischen den einzelnen Orten dennoch groß waren. „Aufgrund des vergleichsweise kühlen Aprils und der ausgeprägten Trockenheit in den ersten beiden Maidekaden entwickelte sich die Sommerbraugerste nur langsam und bestockte wenig“, so die Einschätzung der TLL. Vielerorts sei die Bestandsdichte deshalb zumeist unter den üblichen Werten geblieben. Erst mit den zu Beginn der dritten Maidekade einsetzenden Niederschlägen verbesserten sich die Wachstumsbedingungen. Bei den Krankheiten fielen bis Ende Juni nur anfällige Sorten durch einen stärkeren Befall mit Mehltau auf, hieß es.

 

 

Aufruf an Mitglieder zum Wettbewerb: Der Thüringer Braugerstenverein führt auch 2016 wieder seinen traditionellen Braugerstenwettbewerb durch. Alle Mitglieder sind aufgerufen, von ihren Braugerstenpartien Proben einzusenden. Dies sollten maximal zwei Proben je Betrieb mit einem Umfang von 1,5 kg sein. Einsendung bitte bis 1. September 2016 an die Geschäftsstelle des Thüringer Braugerstenvereins e. V., Hauptstraße 135, 07957 Langenwetzendorf.

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