Robustheit vor Leistung

10.12.2014

© Birgitt Schunk

Für weitere fünf Jahre setzt man auf Ökolandbau, auch wenn die Zeiten nicht einfacher geworden sind, sagt Vachdorfs Geschäftsführer Andreas Baumann.

Was wir bislang für die tiergerechte Haltung unternommen haben, ist eigentlich fast alles Standard für einen Biobetrieb“, sagt Andreas Baumann, Geschäftsführer Ökozentrum Werratal GmbH in Vachdorf. Das schmälert freilich nicht den Wert des Thüringer Tierschutzpreises, den der Ökobetrieb in diesem Jahr als einziger in der Kategorie Nutztierhaltung zugesprochen bekam. „Die hohen Haltungsstandards gehen im Vergleich zu konventionellen Betrieben mit höheren Kosten einher, die bei den derzeitigen Erzeugerpreisen im sogenannten Biobereich nicht ausgeglichen werden“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Insofern sei das Fortführen der ökologischen Wirtschaftsweise mit hohen Tierschutzanforderungen besonders zu würdigen.  „Ja, die Zeiten sind keinesfalls  leichter geworden, wir haben uns aber weitere fünf Jahre zum   ökologischen Landbau bekannt und entsprechende Anträge im KULAP gestellt“, sagt Baumann.

Perspektivisch fünf Laktationen

Der Betrieb hat sich Ziele gesetzt. Die Haltungsbedingungen der Milchkühe schlagen sich etwa in Nutzungsdauer nieder. Derzeit liege man bei 3,4 Laktationen. Perspektivisch werden fünf Laktationen angestrebt. Erreichen wollen das Baumann und sein Bruder Matthias, der für die Tierproduktion im Unternehmen zuständig ist, über die Einkreuzung der Rassen Fleckvieh, Schwedisch Rotbunt und Montbéliard. „Wir setzen jetzt auf mehr Robustheit.“ Die Holsteins seien aus ihrer Sicht nicht die optimale Rasse für einen Biobetrieb. „Die für die Tiere notwendige Proteinversorgung können wir nicht bieten“, sagt Baumann. „Es ist schwierig, auf Ökobasis qualitativ hochwertiges Futter zu produzieren. Auf dem Markt steht es zudem nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung – und wenn, dann ist es nicht bezahlbar.“ Werden die Tiere nicht optimal versorgt, belastet dies wiederum den Organismus. „Deshalb wollen wir über die Zucht umstellen, Erkrankungen weiter zurückfahren. Dies ist für uns praktizierter Tierschutz.“

Tierarztkosten bereits deutlich gesenkt

Baumann weiß, dass mit der Neuausrichtung der Zucht auch die Leistung der rund 250 Milchkühe zurückgehen wird. Für eine bessere Tiergesundheit und ein Mehr an Inhaltsstoffen nimmt man das gerne in Kauf. „Es kommt uns nicht auf das letzte Kilo Milch an, sondern vor allem auch auf gesunde Euter und Klauen. Schon bei der Auswahl der Bullen für die Besamung wird darauf geachtet.“ Gearbeitet wird zudem mit Akkupunktur und Homöopathie. Die Tierarztkosten hätten so bis zu 40 % gesenkt werden können. Dies spreche für einen gesunden Bestand. Die Reproduktionsrate will das Ökozentrum unter die Zwanzig-Prozent-Marke drücken.  

Die Tierschutzpreisjury würdigte auch die Kombination von Sedierung und örtlicher Betäubung sowie die Schmerznachbehandlung bei der Enthornung von Kälbern. „Aus Gründen des Arbeitsschutzes und auch wegen der Verletzungsgefahren für die Tiere selbst wollen wir nicht auf die Enthornung verzichten, setzen aber auf diese Kombination, obwohl das so nicht gefordert wird“, sagt Baumann. Das bedeutet hier natürlich höhere Tierarztkosten.

Mit mehr Platz gegen das Schwanzbeißen

Im Bereich der Schweinehaltung gehören Freiauslauf, Stroheinstreu sowie der Verzicht auf das Schwanzkupieren und die freie Abferkelung zum Pflichtprogramm. Aber auch hier leistet man mehr als notwendig. Aus ökonomischen Gründen wurde die Zahl der Mastplätze vor einem Jahr heruntergefahren. „Für die Läufer gab es mehr Erlöse als für das ausgemästete Schwein“, sagt Baumann. Waren es früher in einer Bucht 50 Tiere, so sind es heute nur noch maximal 45. Das größere Platzangebot habe sich neben den Möglichkeiten zum Wühlen und Abreagieren positiv ausgewirkt. „Wir haben kein Schwanzbeißen mehr.“ Beim freien Abferkeln wird auf gute Muttereigenschaften gesetzt, um das Erdrücken zu vermeiden. Problemtiere werden selektiert.

Hennen im Freiland sind leichte Beute

110 Sauen stehen im Betrieb, die im Durchschnitt 24 Ferkel pro Sau und Jahr absetzen. Bei der Kastration kommt Narkose zum Einsatz, zusätzlich gibt es Schmerzmittel. Ob dies allerdings stressärmer für Ferkel und Sau ist, davon ist Baumann nicht ganz überzeugt. „Die Trennung dauert drei bis vier Stunden, das belastet beide Seiten.“

Der Betrieb hält in seinem Firmenverbund zudem Legehennen. 24 000 Plätze stehen hier in der Freilandhaltung am Standort Hildburghausen zur Verfügung. Tagsüber gehen die Tiere raus, abends in den Stall. Das Leben der Hühner unter freiem Himmel hat allerdings auch seinen Preis. Zehn Prozent der Tiere nimmt sich die Natur: Marder, Greifvögel und Füchse bedienen sich hier regelmäßig.

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