Rekord vor dem Ende

04.03.2015

© Sabine Rübensaat

Die BVVG-Niederlassung in Thüringen wird im Dezember dieses Jahres schließen. Das Geschäft wird dann von Dresden aus betreut.

Knapp 123 000 ha land- und forstwirtschaftliche Flächen nannte die Thüringer Niederlassung der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) ihr Eigen, als sie im Jahr 1992 ihre Arbeit aufnahm. Ende vorigen Jahres waren es noch 12 000 ha. Aus Sicht des Bundesunternehmens hat dessen hiesige Niederlassung ihre Aufgaben damit weitgehend erledigt. Im Dezember dieses Jahres wird daher die Thüringer Niederlassung schließen, 29 Mitarbeiter verlassen, sozialverträglich abgesichert, die Firma. Die übrigen sieben sind ab 2016 in Dresden beschäftigt. Von dort aus werden die verbliebenen Thüringer Flächen weiterhin aktiv privatisiert und die Pächter betreut. Eine Thüringer Außenstelle, so Niederlassungsleiter Winfried Eschert, werde es nicht geben. In den vergangenen 22 Jahren erlöste die BVVG in Thüringen schätzungsweise 450 Mio. €.

Auf der Bilanzpresskonferenz für das Jahr 2014 trat Eschert zum wiederholten Mal dem Vorwurf entgegen, dass die BVVG Agrarflächen an branchenfremde Investoren abgebe: „Seit 1992 verkaufte die BVVG 38 000 ha an ortsansässige Landwirtschaftsbetriebe.“ Das entspreche 84 % aller veräußerten Agrarflächen. Auch seien die darin enthaltenen, über Ausschreibungen privatisierten 7 000 Hektar zum „weitaus überwiegenden Teil“ in ortsansässige Hände gekommen.

Aus Verkäufen und Verpachtungen erlöste die Thüringer Niederlassung im Jahr 2014 rund 69 Mio. €. Dieses „sehr gute Ergebnis“ zählt zu den besten in den letzten zwei Jahrzehnten.

6 500 ha Land wurden veräußert, davon  3 100 ha Agrarflächen. Mit durchschnittlich 15 080 €/ha stieg der von der BVVG gebildete Verkehrswert landwirtschaftlicher Flächen um 17 % gegenüber dem Vorjahr an. Waren Thüringer BVVG-Agrarflächen im Vergleich mit den anderen ostdeutschen Ländern bisher stets am „preiswertesten“, bietet nunmehr Sachsen das niedrigste Preisniveau mit 14 021 €/ha. Der BVVG-Mittelwert erreichte mit 17 269 €/ha einen neuen Höhepunkt. Spitzenreiter ist mit Abstand nach wie vor Sachsen-Anhalt (23 361 €/ha).

Eschert sagte in Erfurt, dass sich der 2014er Wert in Thüringen ohne Sondereffekte gebildet habe. Als Ausreißer bei den  öffentlichen Ausschreibungen (insgesamt 1 900 ha) bezeichnete er den Topwert im Kyffhäuserkreis, wo einem Bieter jeder der neun angebotenen Hektar eines Schlages sage und schreibe 38 000 € wert war. Im Durchschnitt aller Ausschreibungen waren die Lose fünf Hektar groß, wobei jeweils vier Interessenten Gebote abgaben. Bei besonders attraktiven Flächen beteiligten sich bis zu 19 Bieter. Für lediglich 220 ha schloss die BVVG Pacht- statt Kaufverträge ab.

Bei den Direktverkäufen spielte die Option eines vier- bzw. neunjährigen Pachtvertrages so gut wie keine Rolle. Die 750 ha wurden mit einzelnen Ausnahmen zum BVVG-Verkehrswert von den in der Regel berechtigten Pächtern gekauft. Weitere 400 ha bot die BVVG im Rahmen beschränkter Ausschreibungen an.

Während der Pachtzins bei den relativ wenigen Neuverpachtungen im vorigen Jahr mit 350 €/ha deutlich nachgab, zogen die Pachtpreise für Bestandspachten an, und zwar von 284 auf 315 €/ha. 7 800 ha Agrarland wird derzeit von der BVVG in Thüringen verpachtet.

Anhaltend groß war 2014 laut Eschert die Nachfrage nach Wald. 3 300 ha gingen weg, davon 2 900 ha an Alteigentümer. Den Verkehrswert für Forsten beziffert die BVVG mit 7 356 € je  ha, fast 1 900 € mehr als 2013.

Einen kleinen Einblick in die Windkraftbranche bot Eschert mit dem Verweis auf zwei Umwidmungsflächen für Windradstandorte mit zusammen 4,3 ha. Dafür waren Investoren bereit, insgesamt 6,3 Mio. € zu zahlen.

Im laufenden Jahr plant die BVVG, u. a. 1 900 ha Agrarland zu verkaufen. Lediglich 750 ha werden ausgeschrieben, der Großteil entfällt auf den Direktverkauf.

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