Partner rücken zusammen

16.01.2015

© Birgitt Schunk

Besiegelten das Bündnis: Steffen Liebig, Peter Leicht und Helmut Gumpert (v. l.). Der Waldbesitzerverband konnte an diesem Tag nicht dabei sein, will sich aber dem neuen Bündnis anschließen.

Zum Neujahrsgespräch des Thüringer Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbezirkinhaber (TVJE) in Eisfeld unterzeichneten die Eigentümervertretung, der Jagd- und der Bauernverband eine Kooperationsvereinbarung, die die Verbände der neuen Forst- und Landwirtschaftsministerin Birgit Keller   persönlich an die Hand geben konnten. Sie war zu der Gesprächsrunde gekommen, „um erst einmal Themen aufzunehmen“.

 

Adressiert an die rot-rot-grüne Landesregierung fordert das „Bündnis der Eigentümer- und Nutzerverbände im Freistaat Thüringen“, dass das aktuelle Jagdrecht beibehalten und die Besitzerrechte nicht ausgehöhlt werden.  „Wir wollen verhindern, dass  700 Mitglieder der Grünen diktieren, was auf unseren Flächen gemacht wird“, sagte TVJE-Präsident Peter Leicht. „Immerhin vertritt allein unser Verband aktuell rund 595 000 Eigentümer mit einer bejagbaren  Fläche von rund 574 000 Hektar.“ Und deren Votum müsse schließlich Gewicht haben. Naturschutz auf hohem Level trage man mit, überzogenen Forderungen aber wolle man eine Absage erteilen.  „Wir wehren uns generell dagegen, dass Auflagen festgeklopft werden, ohne mit den Eigentümern zu reden“, so Leicht. Genau dies sei in der Vergangenheit immer wieder versucht worden. „Werden die Erträge durch Nutzungseinschränkungen gemindert, muss es eine Entschädigung geben.“

 

Zweck ist Lobbyarbeit

Das Ziel des Bündnisses wurde klar umrissen: Die Partner haben sich auf die Fahnen geschrieben, „Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen, diese zu fördern, notfalls auch zu verhindern.“

 

Mit Sorge sieht der TVJE Bestrebungen in anderen Bundesländern, den Paragrafen 6a im Bundesjagdgesetz aufzuweichen. Dieser sieht die Möglichkeit vor, dass ein Flächeneigentümer aus ethischen Gründen die Jagd auf seinem Grund und Boden untersagen kann. „Dies  ist derzeit auf natürliche Personen beschränkt, beschäftigt uns aber in Thüringen noch nicht.“  Leicht warnt die neue Landesregierung davor, ähnlich wie in Niedersachsen, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen die Befriedung von bejagbaren Flächen ausdehnen zu wollen. Denn werde dies auch auf andere Flächeneigentümer wie Verbände oder Kirchen ausgedehnt, so könne dieser Eingriff weitreichende Folgen haben. „Die Jagd wird auf einem Flickenteppich nicht mehr möglich sein. Und dies wird enorme Konflikte mit sich bringen, wenn wir nur an die Wildschäden in Wald und Flur denken“, so der   TVJE-Präsident. Diese Problematik beschäftige die Verbandsmitglieder heute ohnehin schon genug. Auch gegen den weiteren Flächenentzug tritt das Bündnis auf, das zudem eine maßvolle Energiewirtschaft ohne weitere Stromtrassen in Thüringen verlangt.

 

Forstministerin Birgit Keller    machte deutlich, dass die Rechte und Pflichten des Grundeigentums durch das Handeln der Jagdgenossenschaften vorbildlich umgesetzt würden. Daran wolle sie nichts ändern: „Ich danke dem Verband der Jagdgenossenschaften für das ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder im ländlichen Raum“, sagte sie.

 

Durch Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbezirkinhaber seien über die Pachteinnahmen schon viele Vorhaben im ländlichen Raum finanziell unterstützt worden, beispielsweise beim Wegebau. Auch für Chöre oder Sportvereine gab es manche Zuwendungen. Insofern leiste auch die Jägerschaft über diesen Weg ihren Beitrag für die Allgemeinheit und dürfe nicht weiter belastet werden, hieß es während des Neujahrsgespräches. Kritik gab es deshalb an der Jagdsteuer, die derzeit in rund 20 Thüringer Kommunen von den Jägern erhoben wird.

 

Problem Schwarzwild

Als positives Zeichen wurde die Entscheidung der Stadt Eisfeld genannt, die im letzten Herbst die Jagdsteuer wieder abgeschafft hatte. Immerhin: In den letzten zehn Jahren waren hier rund 160 000 € von den Jagdgenossenschaften für Vereine, Verbände und gesellschaftliche Initiativen innerhalb der Kommune bereitgestellt worden. Und daran hatten auch die Jäger indirekt ihren Anteil, die nun durch die Stadt mit dem Wegfall der Steuer wieder entlastet werden.

TBV-Präsident Helmut Gumpert kritisierte die Zurückhaltung der Forstämter hinsichtlich der Reduzierung der Schwarzwildbestände im Winter. Vonseiten des Forstministeriums wurde dabei in Eisfeld auf das Grundprinzip von langen Jagdruhezeiten und intensiven Bejagungsphasen verwiesen. Auf diese Weise solle der Stress für die Tiere durch eine Dauerbejagung, die wiederum zu größeren Schäl- und Verbissschäden führen könne, reduziert und die Effektivität der Jagd erhöht werden. Trotzdem blieb es bei der Forderung, bei drohenden Wildschäden umgehend reagieren zu müssen. „Die Forstämter dürfen sich hier nicht verweigern“, erklärte Steffen Liebig, Präsident des Landesjagdverbandes, während des Neujahrsgespräches. Ministerin Keller hatte zuvor klargemacht, dass ohne die Regulierung des Wildbestandes kein naturnaher Waldumbau möglich sei. Sie kündigte an, die fachliche Aus- und Fortbildung der Jäger mit Mitteln aus der Jagdabgabe unterstützen zu wollen.

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