Lockerung der Aufstallpflicht

17.03.2017

© Frank Hartmann

Der Freistaat lockert die am 30. Januar erlassene landesweite Aufstallpflicht für Geflügel. Darüber informierte das Sozialministerium. Über die Details wollten die Veterinärämter in dieser Woche die Geflügelhalter im jeweiligen Landkreis in Kenntnis setzen.


Sozialministerin Heike Werner begründete den Schritt mit der aktuellen Risikoeinschätzung des Friedrich-Loeffler-Institutes. Danach beschränkt sich die Gefahr des Einschleppens des Geflügelpesterregers „nur noch“ auf Regionen mit hoher Wasservogel- und Nutzgeflügeldichte in der Nähe von Wildvogelrast- und -sammelplätzen oder an bestehenden H5N8-Fundorten. Für Thüringen bedeutet dies, dass in den 38 ornithologisch definierten Risikogebieten sowie den als besonders gefährdeten Kreisen Greiz, Gotha, Sömmerda und Unstrut-Hainich-Kreis sowie der Stadt Erfurt die Stallpflicht mindestens bis zum 31. März bestehen bleibt. Zudem gelten die Restriktionen rund um die Fundorte der bislang 113 infizierten Wildvögel, die drei betroffenen Hobbyhaltungen sowie einen Tierpark. In allen anderen Gebieten könne die Aufstallpflicht vollständig aufgehoben werden.


Ministerin Werner zeigte sich erleichtert, dass „Thüringen bisher von Ausbrüchen der Geflügelgrippe bei Hausgeflügel in größerem Umfang verschont geblieben ist“.  Damit das so bleibt, müssten Hausgeflügelbestände in den verbliebenen Risikogebieten weiterhin geschützt werden, wofür Werner bei den betroffenen Tierhaltern erneut um Verständnis warb.


Der Thüringer Geflügelwirtschaftsverband zeigt Verständnis für die Lockerung der Aufstallpflicht, gleichwohl man sich ein einheitliches und strenges Sicherheitsregime wünscht, bis die Geflügelpestgefahr vorüber ist. Verbandsgeschäftsführer Silvio Schmidt erachtet es als notwendig, im Laufe des Jahres alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, um sich auf eine im Spätherbst zu erwartende Wiederkehr der Geflügelpestlage vorzubereiten.

 

Verluste abgewendet


Die mit der Aufstallpflicht drohenden herben Verluste für Freilandeiererzeuger sind Schmidt zufolge vorerst abgewendet. Erst vor zwei Wochen appellierten die Bundesverbände der Geflügel- bzw. Eierwirtschaft (ZDG, BDE, KAT) an LEH und Discounter, eine rechtskonforme Idee zur Umetikettierung von Freilandverpackungen aufzugreifen. Silvio Schmidt lobt in der Folge den Thüringer Handel für die kurzfristige Einführung des „Solidaritäts-Labels“. Eier aus „Bodenhaltung mit Wintergartenauslauf“ würden preislich wie Freilandeier behandelt. Mit einem Kraftakt sei es der Verpackungsindustrie gelungen, kurzfristig die dafür benötigten neuen Kartons zu liefern, was den Erzeugern freilich Kosten abverlangt.


Bereits seit Ende November galt in Thüringen für Geflügelhaltungen ab 1 000 Tierplätzen die Aufstallpflicht. Neben Mastgeflügelbetrieben waren auch 13 Legehennenbetriebe und die dazugehörigen Betriebsteile mit 370 000 Hennenhaltungsplätzen für Freilandhühner betroffen. Mit dem Ende der Zwölfwochenfrist im Stall können Freilandeier nur noch als Bodeneier vermarktet werden, was Erlöseinbußen von drei bis vier Cent pro Ei bedeutet. Einige EU-Staaten und Bundesländer hoben zur Umgehung der Vermarktungsregeln die Aufstallpflicht für einen Tag auf, womit auf dem Papier Freilandeier hätten vermarktet werden können. Agrarministerin Birgit Keller hatte diesen Weg abgelehnt und eine saubere bundespolitische Lösung angemahnt.


Bekanntlich werden Ökoeier grundsätzlich im Freiland erzeugt. Laut den Vermarktungsregeln muss die Legehenne mindestens ein Drittel ihrer Lebenszeit im Freien verbringen. Aus diesem Grund trifft eine Aufstallpflicht die Ökoerzeuger weniger hart.

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