Leistungsprüfung: Neu ist nur der Preis

07.01.2014

Bildautor: © Frank Hartmann

Weimar-Schöndorf ist für die Schäfer nicht nur als Prüfstation, sondern auch als Ort für die Vermarktung von Bedeutung.

Mit drei Prüfstationen für die Leistungs- und Qualitätsprüfung von Schafen, Fleischrindern und Schweinen befanden sich die Tierzüchter im Freistaat stets in einer komfortablen Lage. Der Betrieb der Stationen war von jeher Aufgabe des Thüringer Lehr- Prüf- und Versuchsgutes (TLPVG) in Buttelstedt. Mit zehn Mitarbeitern in den Stationen Weimar-Schöndorf (Schafe) und Dornburg (Schweine und Rinder) sorge das TLPVG auch nach der Privatisierung der bisher in staatlicher Regie durchgeführten Zuchtarbeit dafür, dass die Tierzuchtverbände beste Bedingungen zur Leistungsprüfung auf den Stationen vorfinden, sagt TLPVG-Geschäftsführer Hans-Dieter Zacher. Seit Jahren ist der Betrieb für das Buttelstedter Gut ein Zuschussgeschäft. Daran wird sich auch alsbald nichts ändern. Mit dem Schaf-, Schweine- und dem Rinderzuchtverband ist man sich in den letzten Wochen in teils schwierigen Verhandlungen einig geworden.


Damit die Tierzuchtverbände und ihre Mitglieder in die Lage versetzt werden, die Leistungsprüfung nach dem Rückzug des Freistaates fortführen zu können, brachte das Agrarministerium Ende Juli 2013 eine Förderrichtlinie auf den Weg. Das Gesamtvolumen ist gedeckelt; innerhalb dessen bezuschusst der Freistaat die Kosten der Prüfung mit 70 %. Im Jahr 2014 stehen für die Fleischrinder 72 000 €, für die Schweine 198 000 € und für die Schafe 192 000 € zur Verfügung. Weitere wesentliche Kosten kommen auf die Zuchtverbände zu, weil die TLL ihre Zuchtleiter bzw. Experten sukzessive von den Verbänden abziehen wird. In Zukunft sollen die Experten die Zuchtarbeit lediglich noch kontrollieren.


Alle drei Zuchtverbände werden für ihre Mitglieder das Antragsverfahren für die Förderung abwickeln. Gemeinsam mit den Züchtern wollen sie den jetzt notwendigen 30-prozentigen Eigenteil aufbringen. Das ist insbesondere für die Schäfer ein Kraftakt. Nicht zuletzt deshalb, weil die wirtschaftliche Situation in den Schafbetrieben kritisch ist und die Thüringer gleichzeitig die bundesweit höchste Prüfdichte bei Böcken aufweisen. Für 2014 plant der Verband mit 200 Böcken und 250 Lämmern, die in Weimar-Schöndorf stationär geprüft werden. Daneben wird die TLL dort Fütterungsversuche mit Lämmern durchführen.


Beim Mitteldeutschen Schweinezuchtverband (MSZV) kalkuliert man mit 400 Tieren, die in der ersten Jahreshälfte in Dornburg geprüft werden. Wie es nach dem Sommer weitergeht, ist allerdings noch ungewiss. Zum einen entscheiden die Zuchtbetriebe selbst, ob sie die LPA nutzen. Zum anderen will der MSZV bis zum Sommer seine Fusion mit dem Schweinezuchtverband in Baden-Württemberg vollzogen haben. Mit 400 Tieren ist der Schweinebereich der Leistungsprüfanstalt (LPA) in Dornburg längst nicht ausgelastet. Die moderne Einrichtung, die bekanntlich auch aufwendige Versuche etwa zum Tierwohl zulässt, nutzt unter anderem die TLL, die aktuell mit einem Forschungsprojekt das Schwanzbeißen untersucht.


Auch der LTR hat das TLPVG per Vertrag mit der Stationsprüfung beauftragt. Die ersten Bullen, die nunmehr „privat“ geprüft werden, stehen bereits in Dornburg. Darunter sind auch Tiere, die am 26. Februar zur Bullenauktion in Laasdorf aufgetrieben werden. Die künftige Belegungsstärke, so heißt es beim LTR, wird, wie schon in der Vergangenheit, vom Zuchtbullenmarkt abhängen. Personell hat der LTR auf die Änderungen des Tierzuchtgesetztes bereits reagiert. So wird die bisherige TLL-Mitarbeiterin Ulrike Niebling, die den Mutterkuhhaltern im Land bekannt ist, ab Februar beim LTR angestellt.


Ein eigenes und abschließend noch nicht ganz geklärtes Kapitel ist die Milchleistungsprüfung (MLP) und die Prüfung im Rahmen der Tätigkeit der Kontrollringe. Die finanzielle Förderung durch den Bund (GAK – Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) stand bis zuletzt auf der Kippe, was abgewendet werden konnte. Der Thüringer Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfung in der Tierzucht (TVL) erwartet, dass sich Bund und Länder im Januar auf die Details einigen können. Weil der Bund auf eine einzelbetriebliche Förderung abstellt, plant der TVL, die Verfahren zu bündeln.

 

Bürokratie wächst

Im Januar will man jeden Mitgliedsbetrieb kontaktieren, ihm das Verfahren erläutern, die zu prüfende Anzahl Tiere erfassen und den Auftrag einholen, damit der TVL im Namen des Landwirts das Förderverfahren abwickeln kann. Um in den Genuss der „Förderung zur Verbesserung der Tiergesundheit und -Robustheit“, wie das Programm künftig heißen wird, zu kommen, muss ein erweiterter Katalog an Kriterien erfüllt werden. In diesem Zuge werden auch die Daten für die MLP erfasst. Dafür erhielt der TVL einen Auftrag vom LTR. In welcher Höhe die Kosten durch die GAK-Förderung abgedeckt werden, ist laut TVL derzeit noch nicht zu beziffern.

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