Landwirte mit Ideen: nur Mut

04.05.2018

© Frank Hartmann

Im futuristischen Comcenter Brühl wurde getagt.

Dem noch jungen EU-Förderinstrument der „Europäischen Innovationspartnerschaft“ für die Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (EIP-Agri) widmeten Ende April das Agrarministerium und die Aufbaubank (TAB) das 1. Thüringer Innovationsforum der grünen Branche.


Im globalen wie im regionalen Maßstab stehen Praktiker in den nächsten Jahrzehnten vor großen Herausforderungen, die nach innovativen Lösungen verlangen. Allerdings, so Fachministerin Birgit Keller, finden Praxis und Forschung/Wissenschaft viel zu selten zueinander. Das Instrument der Europäischen Innovationspartnerschaft kann Abhilfe schaffen, weil sie Land- und Forstwirte sowie Gartenbauer mit wissenschaftlichen Institutionen, Firmen aus dem vor- und nachgelagerten Bereich, Fachverbänden usw. zusammenbringt. Thüringen fördert die Projektkosten mit bis zu 80 %. Elf Millionen Euro stehen im Freistaat in dieser ELER-Periode für EIP-Projekte bereit, was bei Bedarf aufgestockt würde, so Keller. Die Ministerin gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die EU-Kommission die EIP-Förderung auch in der nächsten Förderperiode im Programm hat.

 

Agrarforschung erhält mehr Aufmerksamkeit


Konkrete Aussagen dazu wollte Dr. Martin Scheele von der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission in Erfurt nicht machen, deutete aber an, dass der Agrarforschung und hier speziell der praxisnahen im Zuge der GAP-Reform Priorität eingeräumt werden dürfte. Scheele, der die EIP-Agri einst mit auf den Weg gebracht hatte, berichtete, dass eine Evaluation der EIP ein gutes Zeugnis ausgestellt hat, was bei Brüsseler Programmen nicht immer der Fall ist. Mit der Praxisnähe, hoher Flexibilität und an die regionalen Gegebenheiten angepasst, könne in der Tat die Lücke zwischen Praxis und Wissenschaft optimal geschlossen werden. Seine Einzigartigkeit stellt die EIP auch damit unter Beweis, dass vermeintliche Lösungen ein Irrweg sein können, ohne das Rückzahlungen von Fördermitteln drohen. Empfohlen worden sei, die Vorfinanzierung der Projekte und Dienstleistungen wie einen „Innovationsbroker“, der Ansprechpartner und Vermittler ist, als wichtige Voraussetzungen für den Erfolg von EIP-Projekten beizubehalten.


Scheele präsentierte eine Übersicht, die aus mehreren hundert europaweiten EIP-Projekten die Top-Five-Themenfelder abbildete: Pflanzenschutz; Präzisionslandwirtschaft; Agrar-Umwelt-Klima; Neue Vermarktungswege; Biolandbau. Knapp ein Viertel aller Projekte (Tiernahrung, Rinder- und Schweineproduktion, Tierwohl) zielen auf die Nutztierhaltung ab.


Diese und andere Themenfelder decken sich mit jenen Herausforderungen, die die DLG Anfang vorigen Jahres unter dem Titel „Signale erkennen. Weichen stellen. Vertrauen gewinnen – Landwirtschaft 2030“ in Form von zehn Thesen in die Diskussion einbrachte. Dr. Achim Schaffner, Fachgebietsleiter Ökonomie im DLG-Fachzentrum Landwirtschaft, präzisierte zur Erfurter Tagung einige dieser Thesen, die auf innovative Antworten warten. So gebe es etwa zahlreiche Stellschrauben in der Produktion, mit denen auf gesellschaftliche Erwartungen eingegangen werden könne.

 

Instrument hierzulande frühzeitig genutzt


In zwei Workshops wurden am Nachmittag mehrere EIP-Projekte, die meisten aus Thüringen, vorgestellt. Dazu zählte etwa die Etablierung des Automatischen Melkkarussells der Laproma AG in Schloßvippach, was u.a. von einer Forschungsgruppe des Professor Hellriegel Instituts an der Hochschule Anhalt begleitet wurde. Dieses Projekt (2011 bis 2013/2014) stammte aus der vorangegangenen Förderperiode. Thüringen war neben Mecklenburg-Vorpommern Vorreiter bei EIP-Projekten.


TLL-Präsident Dr. Frank Augsten ermunterte zum Abschluss alle Landwirte, die Ideen in ihrem Kopf mit sich herumtragen, diese nicht für sich zu behalten. Die TLL berät zu EIP-Projekten und gibt Unterstützung, wenn es darum geht, die richtigen Partner zu finden.


TLL-Kontakt: (361) 57 40 41-403

 

 

 

Innovationspreis Imagefilm, Vorträge
Auf der von der Thüringer Aufbaubank (TAB) eigens eingerichteten Homepage www.agranova2018.de  finden sich die Ausschreibungsunterlagen für den erstmals ausgelobten Thüringer Innovationspreis der grünen Branche (Frist:
31. Juli 2018). Daneben gibt es einen Imagefilm mit Beteiligten an Thüringer EIP-Projekten. Zudem finden sich unter den Kurzporträts der Referenten des Innovationsforums die Präsentationen der Vorträge samt der vorgestellten EIP-Projekte.

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