Landwirte mit Haltung

06.11.2013

Foto mit Preisträgern und Gratulanten des Thüringischen Tierschutzpreises

Preisträger und Gratulanten

Preisträger und Gratulanten: Sozialministerin Heike Taubert, Herdenmanagerin Sabine Möller (Agrargesellschaft Marisfeld), Meiningens Landrat Peter Heimrich, Elke Melichar, Juliane Lucas, Hans Gleitsmann, Gerd Fischer (Landestierschutzverband), Michael und Alfred Kirchner (Landwirtschaftsbetrieb Friedelshausen) und Sandra Senf (v. l.).

Im Ökozentrum Werratal in Vachdorf verlieh Sozialministerin Heike Taubert in der vorigen Woche den Thüringer Tierschutzpreis 2013. Der als Jury agierende Tierschutzbeirat des Landes wählte drei engagierte Tierschützer sowie zwei Landwirtschaftsbetriebe als Preisträger aus: die Agrargesellschaft Marisfeld (Kreis Hildburghausen) und den Familienbetrieb Alfred Kirchner aus Friedelshausen (Kreis Schmalkalden-Meiningen). Insgesamt sieben Agrarbetriebe fanden sich unter den 16 Vorschlägen des Wettbewerbs.  

Sozialministerin Taubert zeigte sich beeindruckt, wie in der Landwirtschaft mit persönlichem Einsatz und unternehmerischem Mut viel für die art- und tierschutzgerechte Haltung getan wird. Sie erinnerte an das Spannungsfeld, in dem sich Landwirte heute bewegten: Verbraucher schauen fast nur noch auf den Preis und verlangen  hohe Tierwohlstandards. Wer aber mehr Tierschutz wolle, so Taubert, müsse auch bereit sein, dafür mehr zu zahlen. Gleichwohl sei die Zeit reif für einen Paradigmenwechsel, „weg von der Anpassung des Tieres an die Haltungsbedingungen“. Die Ministerin nannte beispielhaft das Schnabelkürzen, das Enthornen oder die Ferkelkastration, drei in der (medialen) Öffentlichkeit heftig diskutierte Themen. 

Freiheit im Kuhstall

Unabhängig voneinander hatten sowohl der Landesverband Thüringer Rinderzüchter (LTR) als auch das Veterinäramt des Kreises Hildburghausen die Agrargesellschaft Marisfeld als Preisträger vorgeschlagen. Im Juni 2012 war der neue Stall mit 380 Kuhplätzen und acht Melk­robotern in Betrieb gegangen. Ziel war es, optimale Haltungsbedingungen für die Tiere zu schaffen, was den Marisfeldern auch vortrefflich gelungen ist. Aber nicht nur die Tiere, auch die Mitarbeiter sollten sich hier wohlfühlen. Dabei ließ man sich den Stall mehr kosten als notwendig gewesen wäre, ohne die Ökonomie aus den Augen zu verlieren. Die Jury hob unter anderem die sehr breiten Laufgänge, die den Kühen eine enorme Bewegungsfreiheit garantieren, hervor. Zudem habe man in Marisfeld vollständig auf ein Zwangssystem verzichtet. „Die Kühe können zu jeder Zeit fressen, saufen oder zum Melken gehen, ohne ein zwingendes Gangsystem zu passieren. Sie suchen sich die Melkbox aus, die sie wollen, und auch nach dem Melken werden sie direkt in den mit Tränken ausgestatteten Vorwartehof entlassen, den sie beliebig verlassen können“, heißt es in der Begründung. „Für diese sehr guten Bedingungen bedanken sich die Kühe mit einer sehr hohen Leistung und einer sehr guten Tiergesundheit“, weiß die Jury, die bei ihrem Besuch Freude empfand, „die Tiere zu beobachten, mit welcher Ruhe und Gelassenheit sie sich in diesem Umfeld bewegen“. Das tun die Milchkühe unter einem aufwendig isolierten Stalldach und auf teuren Gummimatten statt auf Beton, was seine Wirkung nicht verfehlt hat: „Probleme mit den Gelenken bei den Kühen kennen wir seither nicht mehr“, sagt Geschäftsführerin Elke Melichar. 

Der Landwirtschaftsbetrieb Alfred Kirchner konnte ebenso auf zwei renommierte Unterstützer setzen: die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft und nochmals den Rinderzuchtverband. Das Friedelshausener Familienunternehmen wurde ausgezeichnet für seine jahrelange art- und tierschutzgerechte Rinderhaltung: „Als wir 2003/2004 den neuen Stall bauten, haben uns manche belächelt“, sagt Seniorchef Alfred Kirchner, weil man bewusst auf einen Tiefboxen-Laufstall mit Stroheinstreu setzte. „Der Viehbestand hat es uns gedankt. Hätten wir nur mit spitzem Bleistift gerechnet, hätten wir schon aufhören können.“

34 ha Acker- und 76 ha Grünland ernähren rund 50 Holstein- und Fleckviehkühe zuzüglich der Nachzuchten. Über die gesamte Weideperiode bleiben die Kühe ganztägig auf stallnahen Weiden und kommen zum Melken in den Stall. „Auch die weibliche Nachzucht wird in dieser Zeit durchgehend geweidet, mit den entsprechenden positiven Folgen für Gesundheit, Fruchtbarkeit und Fitness“, heißt es in der Jury-Begründung. Die Strohhaltung wirkte sich sehr gut auf das Wohlbefinden der Kühe, speziell die Beine und Klauen aus. 

 

Lang leben die Rinder

„Die außergewöhnlich guten Haltungsbedingungen in Verbindung mit ausgezeichneter fachlicher Praxis schlagen sich in überdurchschnittlicher Frucht­barkeit, Langlebigkeit und Vitalität der Milchkühe sowie positiven Reproduktions- und Effektivitätskennziffern nieder“, fasst es die Tierschutzpreisjury in der Laudatio zusammen.

Neben den Agrarbetrieben wurde Hans Gleitsmann aus  Schmölln geehrt, der sich seit Jahren für einen vernünftigen Umgang mit sogenannten Gefahrenhunden („Kampfhunden“) ins Zeug legt. Für das Wohl frei lebender Katzen setzt sich Juliane Lucas aus Jena ein, die schon unzählige frei lebende Katzen einfing, kastrieren ließ und teilweise auch vermitteln konnte. Sandra Senf aus   Eckhardtshausen kümmert sich seit mehr als zwei Jahren um einen freilaufenden Hund, den sie  täglich, trotz vieler Widerstände, versorgt. 

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