Katastrophales Jahr 2018

11.09.2018

© Frank Hartmann

Die eingelagerte Sommergerste hat auch in Bösleben Brauqualität: Dr. Klaus Wagner, Birgit Keller und Ralf Gumpert (v.l.) beim Betriebsrundgang im Anschluss an die Erntepressekonferenz.

Nicht nur auf der Erntepressekonferenz in Bösleben berichteten Praktiker, dass sich alte Bauern kaum an eine so extreme Trockenheit wie in diesem Jahr hätten erinnern können. Das wundert nicht. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge war nur der Sommer (Juni, Juli, August) des Jahres 1911 trockener als der diesjährige. Hinzu kamen Hitze und starke Sonneneinstrahlung. Das nach den Worten von Agrarministerin Birgit Keller „katastrophale Jahr für die Landwirtschaft“ nahm allerdings vielerorts schon im Frühjahr seinen Anfang: Das agrarmeteorologische Messnetz der TLL weist etwa für die Station Kirchengel im Kyffhäuserkreis von April bis August ganze 92,4 mm Niederschlag aus.

 

Die Folgen der Dürre spiegeln sich in enormen Ertragsschäden (Bauernzeitung 35/2018, Seite 12) und 260 in ihrer Existenz bedrohten Agrarbetrieben wider. Beim Winterraps (29,7 dt/ha) ist das ­Minus mit 25 % am stärksten ­ausgeprägt; beim Winterweizen (64,4 dt/ha) fällt der Ertrag 18 % hinter den langjährigen Mittelwert zurück. Die Ministerin sprach von der schlechtesten Ernte seit 25 Jahren. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und damit verbundenen schwierigen Aussaatbedingungen wird beim Winterraps mit Flächenreduzierungen gerechnet. 

 

Keller informierte in Bösleben, dass Details zum Bund-Länder-Hilfsprogramm Mitte September vorliegen würden. Das Agrarministerium kalkuliert derzeit insgesamt 15 Mio. € ein, die als Zuschuss für Thüringer Betriebe, die sich in einer Notlage befinden, gewährt werden könnten. Die Ministerin bremste Erwartungen, wonach die Verfahren blitzschnell durchzuführen wären. Betriebe, die Dürrehilfen beantragen, müssten sich auf eine Tiefenprüfung ihrer Vermögenslage einstellen. Keller sicherte aber zu, dass die ­Agrarverwaltung so schnell wie möglich arbeiten werde. Bei Tierhaltungsbetrieben, deren prekäre Lage keinen Aufschub duldet, stellte sie Einzelfalllösungen in Aussicht. Unabhängig davon halte man an der Auszahlung der Direktzahlungen im Dezember fest.

 

TBV-Präsident Dr. Klaus Wagner sprach der Bundes- und der Landesregierung seinen Dank für die zugesagten Hilfen aus. Er stellte auch klar, dass mit dem Hilfsprogramm weniger als 20 % der thüringenweit geschätzten 85  Mio. € Schäden ausgeglichen würden. Zugleich verwies er darauf, dass höhere Getreidepreise diese Verluste bei Weitem nicht kompensieren könnten. Wagner verteidigte sowohl die Hilfen an die Landwirtschaft in der Not als auch grundsätzlich die Direktzahlungen: „Gäbe es die Gelder nicht, würden wir in diesem Jahr nicht nur von 260 Betrieben sprechen, die in Existenznot geraten wären.“ Er appellierte daher an Keller, sich weiterhin für den Erhalt der Direktzahlungen in der nächsten EU-Förderperiode stark zu machen. 

 

Die Ministerin und der TBV-Präsident, aber auch Ralf Gumpert, Vorstandschef der Agrar eG Bösleben, betonten auf der Erntepressekonferenz die Notwendigkeit einer steuerbegünstigten Risiko­rücklage für Agrarbetriebe. Dies sei ein geeignetes Instrument zur Selbsthilfe. 

 

Daneben würden Landwirte weiter an ackerbaulichen Methoden arbeiten, damit Kulturen besser mit Trockenstress klarkämen. Allerdings würden Extremjahre wie das aktuelle hier deutliche Grenzen aufzeigen. Zumal Landwirte nur anbauen könnten, was sich am Markt verkaufen lässt, so Ralf Gumpert. Wie eine breitere Fruchtfolge von der Marktrealität kassiert wird, mussten die Böslebener jüngst selbst erleben. Nach vielen Jahren als großer Öllein-Spezialist  stellte der Betrieb den Anbau in diesem Jahr ein. Die deutschen Verarbeiter beziehen heute preiswertere Rohware aus Osteuropa. 

 

Bei einem Betriebsrundgang konnte Gumpert zeigen, dass die Diversifizierung Teil des Risikomanagements eines Landwirtschaftsbetriebes sein kann. Mehr als die Hälfte der 170 Mitarbeiter sind heute in den Bereichen Direktvermarktung, Gastronomie, Gemeinschaftsversorgung und Tourismus beschäftigt. Ein eigenes Mischfutterwerk, Getreidelagerkapazitäten für 23.000 t, Tankstelle und Dekra-Prüfstation ergänzen die landwirtschaftliche Produktion, zu der u. a. Mutterkuh-, Schweine- und Schafhaltung zählen. 

 

Ertragsverluste musste man freilich auch in Bösleben hinnehmen, die aber nicht so stark ausfielen wie im Norden des Freistaates. Den Mais erreichten Anfang August 40 mm Niederschlag, was ihn gerettet hätte. Laut Gumpert sei man dadurch in der Lage, Futter an notleidende Südthüringer Betriebe abzugeben. Gleiches gelte für das Stroh: 5.000 Ballen sind verkauft worden. 

 

Damit die Dürre im Ackerbau nicht ins nächste Jahr ausschlägt, ist Regen notwendig. Die Agrar eG Bösleben hat ihren Raps komplett gedrillt. Angesichts von 15 mm Regen am Montag dieser Woche keimte bei Ralf Gumpert etwas Hoffnung. 

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