Jahresrückblick: Turbulente Monate

23.12.2014

© TBV

Helmut Gumpert

Für die Bäuerinnen und Bauern war 2014 ein turbulentes Jahr. Die neue Agrarreform der EU zeigt ihre Auswirkungen. Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, erhalten die Betriebe zum ersten Mal die InVeKos-Zahlungen nach dem neuen EU-Recht. Einige Verbraucher sind der Auffassung, dass die Bauern zu viel Geld bekommen, verlangen aber auf der anderen Seite preiswerte Lebensmittel. Diese Preisausgleichszahlungen aus Brüssel, Berlin und Erfurt sind für die Thüringer Landwirtschaftsbetriebe notwendig, um ihr Überleben zu sichern.

 

Viel zu spät für die Anbauplanung wurden im Oktober die Entscheidungen im Bundesrat getroffen, wie mit der verpflichtenden Maßnahme des Greenings umzugehen ist. Ende August mussten die heimischen Betriebe allerdings bereits wissen, welche Maßnahmen sie in der Zweiten Säule beantragen. Sie mussten also Entscheidungen ins „Blaue“ hinein fällen: Welche Fläche wird wie bestellt? Welche Leguminose lässt das Greening zu? Was ist nach dem Verständnis der EU eine Zwischenfrucht? – Alles ist mit Unsicherheiten verbunden.

 

2014 wurden sehr gute Ernten eingefahren. Notlager für Getreide mussten unter freiem Himmel angelegt werden. Eine so ertragreiche Ernte gab es schone lange nicht mehr. Allerdings können die überdurchschnittlichen Erträge im Ackerbau die schlechten Preise nicht ausgleichen. Der richtige und notwendige Ausstieg aus der Milchquote 2015 wird viele Betriebe auf den Prüfstand stellen. Die Talfahrt der Milchpreise hat erst begonnen. Den Rückgang der Preise bei Schweinefleisch und Ferkeln sowie das stabil hohe Niveau der Betriebsmittelpreise bekommen die Landwirte längst zu spüren. Diese Situation verschärft sich noch, weil die besseren Ergebnisse der letzten Jahre nun versteuert und Forderungen bzw. Vorauszahlungen fällig werden: Das hemmt die Liquidität unserer Unternehmen. 

 

 Forderungen an die Politk

Als Präsident des Thüringer Bauernverbandes sehe ich einen Weg, wie wir solche Marktschwankungen abpuffern können: Ich fordere von der Politik, Voraussetzungen zu schaffen, damit wir eine steuerliche Risikorücklage bilden können. Das würde uns in die Lage versetzen, schlechte Jahre auszugleichen. Die Bauern sind die einzige Berufsgruppe, deren wirtschaftliches Ergebnis an Umweltfaktoren hängt!

 

Die Neuordnung der Politik in Berlin und kürzlich erst am 5. Dezember in Erfurt bringt Veränderungen und Herausforderungen mit sich. Der Bauernverband stellt sich diesen und vertritt dabei eindeutige Positionen. Wir fordern: Keine Aufweichung beim Bestandsschutz für Jauche-, Gülle- und Sickersaftanlagen samt einer einheitlichen Regelung für alle Betriebe und Betriebsformen. Weiterhin ist die Debatte um Tierwohl und Tierschutz auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu führen, nicht auf ideologischen Fantastereien. Diese Forderung stellen wir auch bei der Novellierung der Düngeverordnung. Wir Bauern brauchen eine praktikable und unter Praxisbedingungen umsetzbare Verordnung. Es muss der Grundsatz gelten: Das, was die Pflanze dem Boden entzieht, muss wieder zugeführt werden können.

 

Auch gegenüber unserer Landesregierung kommunizieren wir klare Forderungen des Berufsstandes. So muss für eine sichere Kofinanzierung der EU- und Bundesmittel gesorgt werden. Die Auszahlungstermine der Beihilfen und Ausgleichszahlungen in der Ersten und in der Zweiten Säule müssen auch künftig, wie schon in der Vergangenheit, sichergestellt werden. Wir, die politischen Entscheidungsträger und die Landwirte, müssen gemeinsam Wege finden, die den Hochwasserschutz, den Ausbau erneuerbarer Energien und den Schutz landwirtschaftlicher Nutzfläche bei gegenseitiger Rücksichtnahme der Interessen möglich machen. Die Thüringer Bauernfamilien und ich als Präsident des Thüringer Bauernverbandes erwarten, dass die bisherige gute Zusammenarbeit zwischen den politischen Entscheidungsträgern und den Landwirten in Thüringen fortgesetzt wird. Wir erwarten auch in Zukunft vernünftige Rahmenbedingungen zur Sicherung einer wettbewerbsfähigen Landwirtschaft. Eine gut funktionierende Landwirtschaft ist unabdingbare Grundlage für das verarbeitende Gewerbe in Thüringen. Wir werden kritische, fordernde, aber auch zuverlässige Partner sein, die ihren Beitrag zur Wertschöpfung und damit zur Sicherung von Arbeitsplätzen im Freistaat leisten.

 

Starke Landwirte sind Gewinn für Thüringen

Ich biete der neuen Landesregierung an, sie bei ihrer Arbeit für die Landwirtschaft, die Natur und die Umwelt sowie die Entwicklung des ländlichen Raumes im Freistaat zu unterstützen. Wir sind dabei faire Partner und wir bevorzugen – das haben wir in den letzten 24 Jahren bewiesen – partnerschaftliche Verfahren der Interessenvertretung.

 

2014 war ein gutes landwirtschaftliches, ein entscheidungsreiches Jahr. Auch wenn die Zukunft Risiken birgt, Regulierung und Novellierung um sich greifen, gilt der Grundsatz: Wenn es den Landwirten gut geht, geht es auch dem Freistaat gut.

 

Für das Jahr 2015 wünsche ich allen Berufskollegen viel Gesundheit, Tatendrang und Kraft bei den Aufgaben und Herausforderungen, die vor uns liegen und weiterhin einen guten Zusammenhalt im Berufsstand.

 

 

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