Hygiene hat noch keinem geschadet

19.02.2015

© Sabine Rübensaat

Tiere mit hohem Risiko herauszufiltern, steht mit am Anfang der gezielten Bekämpfung.

Sie ist eine unheilbare chronische Darmentzündung und äußerst tückisch: Klinisch kranke Tiere leiden an Durchfall und Abmagerung, ohne ihre Fresslust zu verlieren. Jedoch schon Monate oder Jahre vorher, im subklinischen Krankheitsstadium – die Kuh zeigt hier noch nicht die typischen Symptome – kann die Milchleistung zurückgehen. Paratuberkulose (Para-TB) ist ein wirtschaftliches Problem, besitzt Tierschutzrelevanz und hat das Potenzial für öffentlich-mediales Interesse. Denn einiges deutet auf Verbindungen zu Morbus Crohn hin, eine unangenehme chronisch-entzündliche Darmerkrankung beim Menschen.

Klar: Nur schweren  Herzens merzen

Das Bewusstsein für Para-TB ist bei Rinderhaltern bislang, wohl auch wegen ihrer Tücke, noch nicht besonders stark ausgeprägt. Eine Bestandssanierung ist langwierig und unter Umständen sehr schmerzlich: Wer eine gute, leistungsstarke Kuh in der Herde hat, die gesund ist, aber als Träger des Para-TB-Erregers identifiziert wurde, tut sich natürlich schwer, das Tier zu merzen. Das zeigten die Diskussionen auf einer Para-TB-Tagung der Thüringer Tierseuchenkasse (TSK) und des Sozialministeriums Ende Januar in Jena. Gut 130 Landwirte und Herdenmanager sowie praktizierende und amtliche Veterinäre waren gekommen.

Die Zwei-Drittel-Mehrheit der landwirtschaftlichen Tagungsteilnehmer förderte aber die Hoffnung von TSK-Geschäftsführer Dr. Karsten Donat, dass das Thema in der Praxis an Resonanz gewinnt und die im Laufe der Tagung vorgestellten neuen Aspekte breiten Zuspruch bei den Rinderhaltern finden. Ein auf der Tagung mehrfach vorgetragens Argument für die Beschäftigung mit der Problematik  ist die Hygiene. Gute Hygiene ist der Schlüssel zum Erfolg, will man Paratuberkulose erfolgreich bekämpfen, so Wolfram Siebert vom Rindergesundheitsdienst (RGD). Und: „Wenn man die Paratuberkulose in den Griff bekommt, hat man insgesamt einen robusten Bestand.“

Gesunde Bestände und  wirtschaftlicher Erfolg

Tiergesundheit, das ist kein Geheimnis, rückt heute nicht nur wegen der öffentlichen Beobachtung und des politischen „Tatendranges“ stärker denn je in den Fokus. Vielmehr entscheiden stabile Leistungen und günstige Kosten, beide eng verwoben mit Tiergesundheit und Fruchtbarkeit, über den wirtschaftlichen Erfolg der Tierhaltung.

Vor über 15 Jahren registrierte man erste klinische Para-TB-Fälle in Thüringen. 2003 startete das Landesprogramm zur Bekämpfung der Paratuberkulose, das fünf Jahre später aktualisiert wurde und bis heute besteht. Ein auf den Betrieb abgestimmtes Hygienemanagement und kulturelle Herdenuntersuchungen zum Identifizieren und Merzen der Erregerausscheider sind seine wichtigsten Säulen. Seither gilt eine Herde als „Para-TB-unverdächtig“, wenn drei Jahre lang keine kotpositiven Tiere zu finden sind. Betreut vom Rindergesundheitsdienst der TSK beteiligen sich heute 104 Betriebe an Sanierungsverfahren (69 Milchviehherden mit ca. 34 000 Kühen und 35 Fleischrinderherden mit 2 600 Mutterkühen). Ende 2014 waren 37 Betriebe als „Para-TB-unverdächtig“ anerkannt, elf davon nach erfolgreicher Sanierung.

Kot ist die häufigste Infektionsquelle

Als A und O gilt, die Infektion von Jungtieren mit dem Erreger (Mycobacterium avium paratuberculosis – MAP) zu verhindern. Weil sich nach den Worten von Rinderfachtierarzt Wolfgang Siebert Kälber am häufigsten über „Kuhscheiße“ infizieren, heißt das, beispielsweise separate Abkalbeboxen für MAP-positive Kühe einzurichten. Diese Boxen müssen freilich nach jeder Belegung desinfiziert und gereinigt werden. Kolostrum darf nur von MAP-negativen Kühen stammen. Das Aufstallen der Kälber sollte in Einzelboxen und getrennt von den Kühen erfolgen. Risikotiere empfiehlt Siebert für jeden Mitarbeiter sichtbar zu kennzeichnen. Weitere, zum Teil einfache und selbstverständliche Hygienemaßnahmen wie saubere Schaufeln oder Stiefel verhindern das Breittragen von Kot. „Die Hygiene“, appellierte Siebert in Jena, „hat man selbst in der Hand.“

Bei positiven Tieren schnell handeln

Donat nannte die schnellstmögliche Merzung positiver Tiere einen „wichtigen Baustein zur Senkung des Infektionsdruckes“. Die Merzung müsse bereits bei MAP-Ausscheidern ansetzen, nicht erst bei klinisch kranken Tieren. „Betriebe mit guter Merzungsmoral“, so der TSK-Geschäftsführer, „haben Erfolg“.

Vorgestellt wurden in Jena Ansätze für das neue, noch zu genehmigende Thüringer Bekämpfungsprogramm, das auf dem bisherigen aufbaut und Empfehlungen des Bundes integriert. Neu darin ist die Möglichkeit, auf verschiedenen Stufen in die Kontrollphase einzusteigen. In der Stufe 1 finden halbjährlich bakteriologische Untersuchungen von Umgebungskotproben – im Vorwartehof, Triebweg und Frischmelkerbereich entnommen – statt. Gemeinsam mit den Hessen und Sachsen erprobt, haben sich auch Sockentupferproben als gute Alternative dazu bewährt. In der nächsten Programmstufe lassen sich durch jährliche serologische Untersuchungen zunächst nur die Hochrisikotiere herausfiltern und merzen.

Beihilfen mildern den Aufwand etwas ab

In Stufe 3 steht das Auffinden von subklinisch infizierten Tieren auf dem Plan (jährliche bakteriologische Kotuntersuchung der über 24 Monate alten Rinder). Werden nur noch wenige Ausscheider gefunden, kann man im letzten Abschnitt die Tilgung der Infektion im Bestand angehen. Mittels Kotuntersuchung identifizierte MAP-positive Rinder werden spätestens einen Monat nach Befund bzw. Kalbung gemerzt. In dieser Stufe 4 ist die Gewährung einer Merzungsbeihilfe in Höhe von 200 € je Tier vorgesehen. Für die verschiedenen Untersuchungen gibt es ebenso Beihilfen.

Verpflichtung fördert das Durchhalten

Wer am Programm teilnimmt, muss sich allerdings verpflichten, innerhalb von drei Monaten die allerwichtigsten Hygienemaßnahmen zu etablieren, welche die Geburtshygiene, die schnelle Trennung von Kuh und Kalb, die Erstkolostrumgabe und die Hygiene bei der Verfütterung von Mischkolostrum oder anderer Milch an Kälber betreffen. Weiterhin darf Tierzukauf nur aus Beständen aus gleicher oder höherer Programmphase bzw. -stufe erfolgen. Separate Abkalbeboxen für MAP-positive Kühe werden dringend angeraten. Gesonderte Hygieneempfehlungen gelten im Programm für Mutterkuhhaltungen, u. a. die getrennte Haltung der Ausscheider oder die Merzung zum Weideabtrieb.

Für den 8. April plant die TSK eine Nachauflage der Informationsveranstaltung zur Paratuberkulose für all jene, die bei der ersten, komplett ausgebuchten, keinen Platz mehr fanden: www.thueringertierseuchenkasse.de.

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