Grünland Thema im Parlament

07.01.2014

Agrarausschuss im Sitzungsraum

Gut zugehört

Einen fast 30 Fragen umfassenden Katalog hatte der Agrarausschuss den Verbänden zur Stellungnahme übermittelt. Die Anhörung und Befragung der Verbandsvertreter ließ das Interesse und Verständnis der Abgeordneten für die Grünlandproblematik erkennen. © Frank Hartmann

Es ging am Freitag vor einer Woche im Landtag um nichts weniger als die Zukunft des Thüringer Grünlandes und damit verbunden um die Existenz etlicher seiner Nutzer. Der Agrarausschuss hatte zu einer öffentlichen Anhörung geladen, um sich ein Bild über die Grünlandstrategie des Agrarministeriums und vor allem deren Bewertung durch die Landwirte zu machen. Aus den Stellungnahmen der geladenen Grünlandnutzer, darunter die Praktiker Dr. Aribert Bach für den TBV, Erhard Markert für den LTR und TVL, Jens-Uwe Otto für den Schafzuchtverband, Astrid Hatzel für die IG Benachteiligte Gebiete (IG Bena) oder Bernd Möller für den Deutschen Grünlandverband, kristallisierte sich ein weitgehend einheitliches Urteil heraus: Für den Erhalt des Thüringer Grünlandes, immerhin gut 170.000 ha, muss in Zukunft mehr getan werden.

Mit der Grünlandstrategie, sagte Astrid Hatzel, sei eine Lanze für das Grünland und damit die flächendeckende Landbewirtschaftung im Freistaat gebrochen worden. Und, auch daran ließen die Landwirte keinen Zweifel: Stabile bzw. wachsende Tierbestände sind das Mittel der Wahl. 

Als maßgebliche Gründe für den Verlust bzw. die Aufgabe der Grünlandnutzung nannte Aribert Bach den Rückgang der Tierbestände und die bürokratischen/strengen Vorgaben im KULAP. Die Einkommen der tierhaltenden Grünlandbetriebe hinkten dem Durchschnitt hinterher. „Die Einkommensdiversifizierung auf dem Grünland ist sehr schwer“, so Bach, der für Direktvermarktung im ländlichen Raum die Demografie und die geringen Einkommen der Kunden als begrenzende Faktoren aufzählte. Die im Grünlandkonzept beschriebene Intensivierung der Nutzung sei zu begrüßen, allerdings stehe hinter der Umsetzung ein Fragezeichen. Die Ausweitung des ökologisch bewirtschafteten Grünlandes sei maßgeblich an die Wirtschaftlichkeit des Ökolandbaus geknüpft. Kritisch äußerte sich Bach zu der Idee der generellen Umwandlung von Acker- in Grünland in den Flussauen für den Hochwasserschutz. Sowohl Bach als auch später Erhard Markert lobten die anvisierte Ausweitung der Pensionsjungrinderhaltung als Einkommenserweiterung für Grünlandbetriebe, hegten aber auch Zweifel an einer breiten Nachfrage. Ähnlich bewerteten beide Praktiker eine stärkere Milchviehweide. 

Markert warnte vor der pauschalen, aus dem Grünlandkonzept abzuleitenden Vorstellung, dass sich nach einer Aufgabe der Schafhaltung das Grünland einfach so mit Rindern beweiden ließe. Die Kalkmagertrockenrasen etwa könnte man so jedenfalls nicht erhalten. 

Jens-Uwe Otto bedauerte für den Schafzuchtverband, dass das Grünlandkonzept nur begrenzt Lösungsansätze aufzeige, wie der Bestandsrückgang aufzuhalten ist. Bei den Schafen sei dieser bis in diese Tage hinein anhaltend dramatisch. Er erinnerte daran, dass die Förderung zum Erhalt des (Naturschutz-)Grünlandes im bestehenden KULAP zwar den zusätzlichen Aufwand abgelten, die wirtschaftliche Problemlage der Schäfer aber bestenfalls habe abschwächen können. „Wenn die Wertschöpfung nicht über den Markt realisiert wird, muss sie über die Gesellschaft abgegolten werden“, formulierte Otto die Sicht der Thüringer Schäfer. Neben Vorschlägen zu Förderhöhen einzelner Maßnahmen (von L4-Grünland mit 140 €/ha bis zur Weide von Trockenstandorten: 370 €/ha) konkretisierte Otto die Idee einer „Kopfprämie“ in Höhe von rund 200 € je Großvieheinheit für vom Aussterben bedrohte Schafrassen. Eine alleinige, alternative Flächenförderung sehen die Schäfer für ihren Betriebszweig skeptisch. Als wichtig erachtete Otto, dass künftig die naturschutzfachliche Verantwortung nicht allein auf den Schultern des Flächennutzers lasten dürfe. Die Programmteile gehörten für die Mitbewirtschaftung dieser Flächen durch „Dritte“, etwa Dienstleister, geöffnet.

Auch bei der Wahl der anzustrebenden Förderinstrumente herrschte bei den angehörten Praktikern im Grundsatz Übereinstimmung. Sowohl Tierprämien und/oder direkte Grünlandprämien müssten mit dem Ziel ihrer Realisierung geprüft werden. Investitionen in Technik zur Grünlandpflege/-offenhaltung sollten künftig Teil des AFP sein. Besondere Beachtung bei der Programmplanung müsse dem nicht mechanisierbaren Grünland zufallen sowie jenen Flächen, die nicht (mehr) im InVeKoS erfasst sind, sich aber zur Weide eignen. 

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