Gras und Mais satt

20.11.2014

© Frank Hartmann

Heute nur noch ein seltenes Bild: der Abtrieb der Herden, auch über öffentliche Straßen.

Sie sind zwischen 15 und 18 Monate alt und weideten seit dem späten Frühjahr auf dem Grünland der TZG ­Ernstroda. Von dem gibt es reichlich, knapp 1 800 ha. In den vergangenen Tagen trieben die Weidewarte diese beiden letzten Jungrinderherden zusammen, um die 185 Tiere, davon eine kleine 25-köpfige Herde, die die Waldwiesen abweidet, in ihre Winterquartiere zu bringen. Knapp 500 Meter Luftlinie galt es von der Sammelweide bis zum TZG-Gelände zurückzulegen. Die Straße musste gequert werden, was manch gestoppten Pkw-Fahrer wegen der fünf Minuten Wartezeit in Rage versetzte …

Die Tiere wurden sogleich gewogen, um sie zu sortieren und auf die Standorte in Tabarz und Ernstroda zu verteilen. Barbara Dierchen, die die Tierproduktion der TZG managt, erklärt, dass die Jungrinder ab einem Gewicht von 380 kg reif für die Besamung sind. Die ersten von ihnen werden im Mai als tragende Färsen die TZG in Richtung ihrer Partnerbetriebe verlassen. In dieser Woche sollten noch 40 Fresser aus einer Mutterkuhherde nach Ernstroda getrieben werden. Sie sind für die Direktvermarktung bestimmt.

Drei ansehnliche Schnitte

Knapp 2 800 Jungrinder, vom Kalb bis zur tragenden Färse, versorgt die TZG Ernstroda neben den Milchrindern und den Mutterkühen in diesem Winter. Futter ist reichlich vorhanden: Mit 18 000 t Anwelksilage und knapp 10 000 t Maissilage sind die Lager nach dem mageren Futtererntejahr 2013 sehr gut gefüllt.

Vom Grünland konnten beim ersten Schnitt (1 000 ha) über 100 dt/ha Originalsubstanz geerntet werden, berichtet Pflanzenbauchef Dirk Grigutsch. 62  dt/ha waren es beim zweiten. Und selbst der dritte Schnitt, der noch auf 350 ha erfolgte, konnte in diesem Jahr mit guter Qualität eingebracht werden. Auf 180 ha war eine vierte Ernte möglich, die man bei der TZG zum großen Teil als Pflegeschnitt abrechnet. „Dort, wo die Bestände noch sehr üppig stehen, weil auch keine Weide mehr stattfand, fassen wir einen Pflegeschnitt ins Auge. Das hängt natürlich mit von der Witterung und der Befahrbarkeit der Flächen ab“, sagt Grigutsch. Zwischen 150 und 200 ha könnten da zusammenkommen, wobei das Mähgut mit einem Schlegelmulcher bearbeitet und breit gemacht wird.

Während die Jungrinder der TZG ausschließlich Grassilage in ihrer Grundfutterration finden, liegt der Anteil bei den Milchrindern bei 50 %. Die andere Hälfte liefert die Maissilage. Schädigten 2013 frühe Fröste die Kolbenfrucht, waren in diesem Jahr die Bedingungen zur Ernte fast ideal. 50 t/ha Mais sind für die TZG ein „Superergebnis“, sagt Grigutsch. Der Maiszünsler war zwar aktiv gewesen, seine Schäden hielten sich zum Glück in Grenzen. Allerdings ist der Energiegehalt aufgrund des starken Massewachstums nicht ganz optimal, was Einfluss auf die Milchleistung haben könnte, meint TZG-Geschäftsführer Dr. Eberhard Dierchen.

Improvisieren beim Kraftfutter

Lief die Raufutterernte in dieser Saison wie am Schnürchen, muss die TZG beim Kraftfuttermix in diesem Jahr improvisieren. Über die herausragenden Getreideerträge kann man sich freuen, allerdings bot die Ernte ein Ende mit Schrecken: 200 ha Weizen und 80 ha Roggen konnten erst in der zweiten Septemberhälfte, begleitet von hoher Beanspruchung der Nerven und der Technik, geborgen werden. Davon landeten knapp 1  000 t zur Konservierung in Schläuchen, weil sie als Konsumgetreide nicht mehr zu vermarkten waren. Der Versuch, die Körner vor ihrer Konservierung zu quetschen, gelang nicht bei allen Partien. Hier war der Feuchtegehalt zu hoch, mutmaßt TZG-Geschäftsführer Dr. Dierchen. Bis Ende Februar erhalten die Milchrinder statt Gerstenschrot nun das Weizen-Roggen-Gemisch. Bevor es auf dem Futtertisch landet, wird es, wenn notwendig, nochmals mit einer mobilen Anlage gequetscht. Die Tiere, sagt Dierchen, würden das Futter gut annehmen: Milchrinder erhalten davon rund 4 kg pro Tag, die Jungrinder 1,0 bis 1,5 kg. Die damit substituierte Gerste, die die TZG üblicherweise verfüttert, ist eingelagert und wird verkauft. Pflanzenbauchef Grigutsch schätzt die Mindereinnahmen aus verlorenem Weizen- und Roggenverkauf samt extra Konservierungskosten auf mindestens 150  000 €.

Zwar will TZG-Geschäftsführer Dierchen nicht schwarzmalen. Der erwartete Sinkflug des Milchpreises trübt allerdings die Stimmung. Nach einem mittleren Grundpreis von 37 Cent im Jahr 2013 und geschätzten 35 Cent im laufenden, zeige die Kurve für 2015 nach unten.
    

Die TZG Ernstroda ist seit Frühjahr 2012 Praxispartner der BauernZeitung. Seither berichten wir im Internet regelmäßig über den Betriebsalltag in Ernstroda: www.bauernzeitung.de/praxispartner.

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