Geflügeltag in Jena

17.11.2014

© Frank Hartmann

Einige praktische Hinweise gab Fachtierarzt Dr. Heiko Bonsack den Besuchern des Geflügeltages am lebenden Objekt.

Legehennenhalter bleiben, wie all ihre Nutztiere haltenden Kollegen, von den Markttrends der Zeit nicht verschont: Die Erzeuger- und Verbraucherpreise für Eier sinken, die Kosten für das Futter steigen. Aber nicht nur die allein: Gestiegen sind die gesetzlichen Tierhaltungsstandards bei den Eierproduzenten wie in keinem anderen Nutztierbereich – Stichwort Käfighaltung. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Das kündigte auf dem Thüringer Geflügeltag in Jena Dr. Hubertus Even vom Sozialministerium an. Wie im Schweinebereich werden auch beim Geflügel niedersächsische Regelungen zunehmend zur Richtschnur des Handelns in anderen Bundesländern. In Thüringen, so Even, wolle man zwar nicht ganz so „ambitioniert“ wie in Niedersachsen vorangehen, allerdings sei dies die Richtung für kommende bundeseinheitliche Standards. Im viehstärksten Bundesland regelt das die rot-grüne Landesregierung auf der Grundlage von Erlässen. So hat man mit dem Ausstieg aus dem Schnabelkürzen begonnen und will dies bis Ende 2015/2016 abschließen. Parallel gibt es Änderungen bei der Besatzdichte. Dieser Themenkomplex komme früher oder später auch auf die Thüringer Halter zu, erklärte der Veterinärreferent des Sozialministeriums.  

Brücken zum Ausstieg

Mit dem hiesigen Geflügelwirtschafts- und dem Bauernverband habe man sich in einer Arbeitsgruppe auf das Ziel verständigt, ein möglichst „schonendes“ Verfahren beim Schnabelkürzen anzuwenden. Die Infrarottechnik sei momentan das Mittel der Wahl. Gleichwohl wies Even darauf hin, dass es sich um einen erheblichen Eingriff handle, der dem Tier Schaden zufüge. Er erinnerte daran, dass das Schnabelkürzen keinen medizinischen oder therapeutischen Eingriff darstelle. Insofern bleibe die Infrarotbehandlung, die den Betrieben behördlicherseits als zeitlich begrenzte Ausnahme zugestanden wird, eine „Brückentechnologie bis zum Ausstieg“.

Wie schon auf dem Schweineinformationstag vor knapp sechs Wochen in Bösleben kündigte Even in Jena an, dass das Ministerium hinsichtlich der technischen Anlagensicherheit in Thüringen aktiv werden wolle. In den vergangenen zwei Jahren hätten sich im Freistaat Vorfälle gehäuft, wo etwa Lüftungsanlagen samt Notstromsystemen total versagten und in der Folge Tiere verendeten. Dies sei aus Sicht der obersten Veterinärbehörde ein tierschutzrelevantes Problem.

Einer bereits im Tierschutzgesetz verankerten Neuregelung nahm sich Dr. Peter-Christian Ulrich in Jena an. Der ehemalige Geschäftsführer des Hottelstedter Legehennenbetriebes und Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes berichtete seinen Berufskollegen über Erfahrungen beim Erfassen von Tierschutzindikatoren. Seit Februar dieses Jahres müssen alle, die Nutztiere zu Erwerbszwecken halten, durch betriebliche Eigenkontrollen tierschutzbezogene Merkmale ihrer Bestände erfassen und bewerten. Wie man das macht, ist nicht vorgeschrieben, auch nicht, wie man seine Eigenkontrolle gegenüber einer Veterinärkontrolle dokumentiert.

Fünf Indikatoren

Derzeit gibt es mehrere Modelle für Geflügelhalter, etwa eines von Bioverbänden, die zehn Indikatoren erfassen („Leitfaden Tierwohl“ von Bioland, Demeter und Naturland). Ulrich berichtete von einem KTBL-Fachgespräch, bei dem elf Indikatoren vorgeschlagen wurden. Mit den amtlichen Veterinären im Freistaat arbeitet der Verband an einer Empfehlung für fünf Indikatoren, die man den Geflügelhaltern an die Hand geben will. Ulrich betonte, dass die zu erhebenden Faktoren Aussagekraft besitzen sollten, damit man sie auch für das Betriebsmanagement nutzbar machen kann: In Hottelstedt erfasst man an einem festen Tag in der Woche den Zustand der Fußballen, des Brustbeins und des Gefieders sowie den Grad möglicher Verletzungen und das Gewicht. Dazu werden pro Stall jeweils zehn Tiere aus dem Scharraumbereich, der mittleren und der oberen Voliere begutachtet. Für die insgesamt 30 Tiere rechnet Ulrich mit 45 bis 60 Minuten. Das Prozedere nehme in Hottelstedt insgesamt drei Stunden die Woche in Anspruch. Die Daten werden auf einem tabellarischen Vordruck vermerkt, was eine schnelle Bewertung zulässt.Dr. Peter-Christian Ulrich  wies auf eine neue Praxis in Mecklenburg-Vorpommern hin, die für Junghennen ein Übergabeprotokoll fordert. Nicht der verpflichtende Charakter, aber ein auf wichtige Informationen wie dem Betreuungsregime ausgerichtetes Übergabeprotokoll könnte dem Legehennenhalter wertvolle Informationen liefern. Neben dem Tierschutz bot der Geflügeltag Fachinformationen für die Produktion. Mit Prof. Heinz Jeroch referierte ein ausgewiesener Spezialist zur Geflügelfütterung. Der Cobstädter Fachtierarzt Dr. Heiko Bonsack gab Hinweise zur Bekämpfung von Endo- und Ektoparasiten. Dr. Manfred Golze (LfULG, Sachsen) hatte die praktische Geflügelhaltung in Kleinbeständen im Blick.

Legehennen in Zahlen

Bei der Thüringer Tierseuchenkasse sind 17 500 Legehennenhalter mit 2,1 Millionen Tieren registriert. Gut 180 Halter bewirtschaften Bestände mit einer Größe über 100 Tieren, davon 28 Betriebe mit jeweils mehr als 3 000 Legehennen. Letztere halten 1,8 Millionen Tiere. In der Junghennenaufzucht sind 1 700 Betriebe, davon sieben Spezialisierte, mit fast einer Millionen Tiere erfasst. 129 Halter/Betriebe werden in Thüringen als Eiererzeuger im TLL-Register geführt.

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