Futter ist mehr als knapp

03.08.2018

© Wolfgang Helmbold

Der Mais rollt bereits die Blätter.

Die Wiesen sind so gelb wie die abgeernteten Getreidefelder. Nur in den Auen und an einigen schattigen Standorten steht noch etwas Grünes. Die Hänge der Thüringer Rhön sind verbrannt. Auf den Weiden der Pflege-Agrargenossenschaft Bettenhausen eG wird das Futter für die 200 Mutterkühe knapp. Auf diese Fleckvieh-Herdbuchherde, die erst kürzlich saniert wurde, ist Vorstandsvorsitzender Martin Berk besonders stolz. Der Betrieb hat sich mit seinen Mutterkühen und 550 Mutterschafen auf die Landschaftspflege im Biosphärenreservat spezialisiert. 

 

Bei einem Grünlandanteil von 50 % stellen Pflegearbeiten, Maßnahmen im Rahmen des KULAP und die Futterproduktion einen wesentlichen betriebswirtschaftlichen Faktor dar. Es hatte zwar im Juni und Juli Niederschläge von insgesamt 59 mm gegeben, aber in dem Gebiet, wo durchschnittlich in diesen Monaten 131 mm fallen, ist bereits im Mai die Bodenfeuchte verdunstet. Gerade das extensiv genutzte Weideland ist stark betroffen: Das Gras ist verbrannt; Unkräuter und wenig nährstoffreiche Pflanzen prägen das Bild. Und so muss bereits jetzt auf den Weiden Stroh zugefüttert werden. 

 

Der erste Schnitt fiel bereits dünner als erwartet aus. Vom zweiten Schnitt konnten nur geringe Mengen eingeholt werden und ein dritter Schnitt ist nicht zu erwarten, befürchtet Martin Berk. Sorge bereitet ihm zudem, ob die angestrebten Zielarten auf den KULAP-Grünlandflächen, die über die Förderfähigkeit entscheiden, gehalten werden können. Eine Nachsaat ist nicht gestattet. Somit sei heute schon klar, dass im kommenden Jahr Futter fehlen wird. Hier erwartet Berk von der Agrarverwaltung Unterstützung durch entsprechende flexible Regelungen. Man könne auch nicht einfach die Tiere in den Stall holen oder Futterzukäufe tätigen. Dafür sei für die Betriebe in den benachteiligten Gebieten die finanzielle Decke einfach zu dünn.

 

Im Bettenhausener Tochterbetrieb, der Landschaftspflege-Agrarhof Frankenheim GmbH, die in einer Höhe von 800 m das Dauergrünland bewirtschaftet, sieht es etwas besser aus, da das Gebiet niederschlagsreicher ist. Aber Tiere in die Höhenlage zu bringen sei wegen des unterschiedlichen Sanierungsstatus nicht möglich. Und Futter von den Höhen der Rhön nach Bettenhausen zu transportieren, sei nur sehr begrenzt realisierbar. Wie in vielen von der Dürre betroffenen Rinder haltenden Betrieben hat man in Bettenhausen bereits über eine Bestandsreduzierung nachgedacht. Das sei aber nicht unproblematisch, da einerseits ein Großteil der Kühe tragend ist und zum anderen es längere Zeit braucht, einen Rinderbestand wieder aufzubauen. „Es gilt jetzt durchzuhalten, damit auch in den nächsten Jahren die Landschaftspflege gesichert werden kann“, so Berk. Die oft geforderte steuerfreie Risiko­rücklage könnte eine echte Hilfe sein. Warum man sich dabei so schwer tut, bleibt für Berk völlig unverständlich. Auch für die Schafe, die auf den kargen Böden rund um die Hohe Geba weiden, hat die Dürre Auswirkungen. Etwa 30 % weniger Lämmer erwartet Berk, die freilich im Betriebsergebnis fehlen werden. 

 

Die Ernte von Wintergerste, Triticale und Raps war in Bettenhausen bereits abgeschlossen, die des Weizens sollte es zum vorigen Wochenende sein. Bei der Wintergerste gelang es, die Herbstfeuchtigkeit zu nutzen, sodass die Gerste gut aufgegangen und über den Winter gekommen ist. Für Südthüringer Verhältnisse freut sich Berk über einen überdurchschnittlichen Ertrag bei guten Qualitäten. Stroh brachte die Gerste allerdings wenig. Auch mit dem Rapsertrag zeigt sich Berk zufrieden. Hier und bei Triticale habe ganz einfach standortbedingt das Mikroklima gepasst. 

 

Weniger große Erwartungen setzt der Betrieb in den Mais. Dieser, als Reserve für die Winterfütterung gedacht, ist sehr niedrig geblieben und beginnt gegenwärtig bereits mit der Kolbenbildung. Auf vielen Felder sieht man, dass der Mais die Blätter rollt, was ein Zeichen für zu erwartende drastische Ertragseinbußen ist.

 

Ähnlich ist die Situation in anderen Betrieben Südthüringens. Im LVV-Ökozentrum Werratal in Vachdorf wurden Wintergerste, Winterweizen, Roggen und Triticale bereits geerntet. Bei Wintergerste und Weizen beziffert der Betrieb das Ertragsminus mit rund 15 %: „In der Kornfüllungsphase haben die Niederschläge gefehlt“, weiß Geschäftsführer Andreas Baumann. Einen guten Ertrag brachte standortbedingt die Triticale. Bei der Sommergerste schätzt Baumann über 35 dt/ha bei einem RP-Gehalt von 11 %. Das sei besser als zunächst erwartet. 

 

Der Mais zeigt sich recht verschieden. Anfang Mai gelegt, sei er besonders auf den schweren tonigen Standorten schlecht aufgelaufen. Die folgende Trockenheit habe ein normales Wachstum nicht ermöglicht. Baumann rechnet nur noch mit einem Ertrag von zirka 250 dt/ha.

 

Zum eigentlichen Problem in diesem Jahr entwickelt sich aber die Futterversorgung der Tier­bestände. Der erste Schnitt sei noch normal gewesen, der zweite brachte lediglich die Hälfte einer „normalen“ Ernte. Das bedeutet, dass die Vachdorfer Silos für den Winter auch nicht ausreichend gefüllt sind. Gerade als Öko-Betrieb sei es aber schwierig bis unmöglich, Futter zuzukaufen. Von der Ökonomie einmal ganz abgesehen. 

 

Günstig ist das Wetter in diesem Sommer allerdings für die Gülledüngung. Die Läger sind praktisch leer, sodass nicht wieder mit einer derart angespannten Situation wie im vergangenen Herbst zu rechnen ist. Die starren Regelungen der neuen Düngeverordnung stellen Ökobetriebe allerdings vor große Probleme. So weist etwa ein Fünftel der Böden des Ökozen­trums Vachdorf einen relativ hohen P-Gehalt auf und scheint gut versorgt. Dies zeigen sowohl Bodenuntersuchungen als auch die Tabellen der Thüringer Landes­anstalt für Landwirtschaft (TLL). Im Rahmen der Dünge­bilanz müssen diese Werte Berücksichtigung finden.

 

Bekannterweise liegt aber Phosphor nur in geringen Mengen in einer pflanzenverfügbaren Form vor. Dies stellt sich gerade auf den Vachdorfer Böden, die einen hohen pH-Wert besitzen, sehr drastisch dar, erläutert Baumann. Möglichkeiten, den Phosphor in der Gülle auszufällen, sind noch nicht gefunden und die Ausbringung von N-Dünger als Einzelnährstoffdünger ist im Ökobetrieb nicht möglich. Die Restriktionen im Ökolandbau haben bei einem hohen P-Gehalt eine reduzierte Gülledüngung zur Folge, „und damit im Folgejahr geringere Erträge“. Geringere Erträge sind aber gleichbedeutend mit geringerem Nährstoffentzug, der gemäß Düngeverordnung wieder eine geminderte Nährstoffausbringung zur Folge hat. Eine Endlosschleife, in die der Ökolandbau mit der neuen Düngeverordnung geraten ist, kritisiert Andreas Baumann. Hier ­erwartet er Lösungen von Seiten der Agrarverwaltung und der TLL. Eine intelligente Analyse, verbunden mit flexiblen Regelungen, könnte dieses hausgemachte Problem beseitigen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr