Feldmäuse sind noch aktiv

19.01.2015

© Frank Hartmann

Eine größere Population des Schadnagers ist wieder präsent.

Ende Februar bzw. Anfang März fällt die Entscheidung darüber, wie stark sich in diesem Frühjahr die Feldmäuse ausbreiten werden, schätzt TLL-Referatsleiter Reinhard Götz ein. Viel hänge von der Witterung ab. Nasskaltes Wetter ist Gift für die Schadnager; Frost und eine geschlossene Schneedecke hingegen können deren Entwicklung fördern. Die Ausbreitungsprognose des Julius-Kühn-Institutes sieht für einige Regionen Thüringens und Sachsen-Anhalts ein geringes bis mittleres Risiko von Massenvermehrungen in diesem Frühjahr. Danach sind in Thüringen mehrjährige Kulturen potenziell stärker gefährdet als Wintergetreide und Raps.

Mit der Flinte

Bei der TLL weiß man, dass betroffene Betriebe im Herbst viel gegen den Befall und seine Ausbreitung getan haben. Nach wie vor ist die verdeckte Ausbringung von Zinkphosphid-Ködern mit der Legeflinte das Mittel der Wahl. „Sachgerecht ausgebracht, wirkt es ganz gut, allerdings ist der Aufwand enorm“, so Götz. Der Test von Feldmauspflügen habe bisher gezeigt, dass man massive Feldmausprobleme damit nicht in den Griff bekommen kann. In diesen Fällen bedürfe es der breitflächigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, was bekanntlich nicht mehr gestattet ist. Daran werde sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern, ahnt der TLL-Fachmann.

Lediglich mit der Erlaubnis zur Bekämpfung von Feldmäusen auf Nichtkulturland – also Ackerrandstreifen, Straßenrändern, Böschungen oder Straßengräben – konnte man den Landwirten zusätzliche Hilfe gewähren. Allerdings lief die sogenannte „Allgemeinverfügung“ Ende Dezember ab.

Von stark bis mäßig

Blickt man in die Regionen, so   finden sich in jeder Probleme mit den Feldmäusen, freilich in unterschiedlicher Ausprägung. Im Raum Sömmerda, so berichtet das Landwirtschaftsamt, seien sowohl Acker- als auch Grünlandflächen betroffen, wobei die Mäuse auf Lößböden aktiver wären. Im Amtsbereich gebe es ein generelles Feldmausproblem, aber nicht in dem Maße wie 2012. Örtlich gebe es Befallsstärken von 20  und mehr wiedergeöffneten Löchern je 250  m². Schäden an Winterkulturen seien zum Teil schon sichtbar geworden. Man beobachte, dass Flächen befallen sind, die bisher nicht oder nur selten betroffen waren. 

Auch im Raum Bad Frankenhausen waren im Zuge einer stetig wachsenden Population die Bekämpfungsrichtwerte im Herbst häufig erreicht bzw. überschritten worden. In dieser Region ist der Befall wie in Sömmerda eher weit verbreitet. Und auch hier drangen die Feldmäuse in neue Areale vor. Verbreiteten Befall meldet der Amtsbereich Leinefelde, wobei höher gelegene Standorte tendenziell häufiger betroffen seien. Hier beobachtete man stellenweise sogar eine leichte Zunahme der Population, nachdem man mit ackerbaulichen Maßnahmen, wie etwa dem Pflügen, gegen die Feldmäuse vorgegangen war. 

In seiner örtlich starken Ausprägung stellt sich der Feldmausbefall für Landwirte im Amtsbereich Hildburghausen ungewohnt dar. Hier wie anderswo drangen die Mäuse über Feldränder oder Böschungen in die Flächen ein. Im Einzelfall massiv geschädigte Grünlandflächen oder ein komplett zerstörter 50-Hektar-Schlag mit Raps, um Beispiele zu nennen, sind den Südthüringern fremd. 

Schäden im Einzelfall verursachten Mäuse bisher auch im   Amtsbereich Bad Salzungen und in der Rudolstädter Region. Hier wie in Zeulenroda sind die Schädlinge vielerorts präsent. In Ostthüringen beobachtete man einzelne starke Befallsflächen, wobei Wintergerste, Raps und mehrjährige Futterkulturen das Ziel waren. Verhalten ist die Feldmausausbreitung im Altenburger Land, während im Raum Greiz bereits lokale Probleme auftraten.

Weiter bekämpfen

Sowohl der TLL-Experte als auch die Pflanzenschutzfachleute der Ämter ermuntern die Landwirte, in den nächsten Tagen und Wochen noch einmal mit der Legeflinte die Bekämpfung anzugehen, vorausgesetzt die Schwellenwerte von in der Regel fünf wiedergeöffneten Löchern je 250 m² sind erreicht. Ideal für das Ablegen der Köder sei trockenes Wetter. Ab März bleibt nicht mehr viel Spielraum, weil die Pflanzenbestände dann schon so üppig sein können, dass man die Löcher bzw. Burgen nicht mehr findet.

Lösung aufgeschoben

Unterm Strich sind die Landwirte bei der Bekämpfung der Schadnager auf sich gestellt. Andere Pflanzenschutzmittel und wirksame Ausbringungsmethoden als die mittelalterlich anmutenden der Gegenwart sind nicht in Sicht. Die 2012 eingerichtete Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Feldmaus diskutierte zwar das Absenken der Bekämpfungsschwelle für Zinkphosphidpräparate. Ob das in eine konkrete Änderung münden wird, darf angezweifelt werden. Auch wurden ein paar Forschungsprojekte angeschoben. Anzeichen dafür, dass die Feldmausproblematik mit dem nö­tigen Ernst angegangen wird, gibt es aber nicht.

http://feldmaus.jki.bund.de

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