Farbe im Feld

25.08.2015

© Katja Förster, TBV

Versuchsstation Friemar: Vertreter der TLL, des Fachverbandes Biogas, der Stiftung Lebensraum Thüringen, des Imkerverbandes sowie des TBV informierten Medienvertreter über Blühstreifeninitiativen.

Farbe ins Feld ­– oder kurz FiF: So heißt ein Projekt, das der Fachverband Biogas im Frühjahr 2010 ins Leben rief. Ziel war und ist es, eine Vielzahl von Landwirten, die Biogasanlagen betreiben, zu motivieren, ökologisch sinnvolle, gut sichtbare Blühstreifen im gesamten Bundesgebiet in und an möglichst vielen Energiepflanzenfeldern anzulegen. Ähnliche Projekte sind von Jagd-, Imker- und Naturschutzverbänden sowie Vertretern der Energie- und Landwirtschaft bekannt.


In der vorigen Woche lud der Fachverband Biogas Medienvertreter in die Versuchsstation Friemar ein, um auf einem blühenden Demonstrationsfeld über das vielfältige Engagement in Sachen Blühstreifen zu informieren. Der Nutzen der Blühstreifen liegt aus Sicht des Fachverbandes auf der Hand: „Einerseits verschönern Blühstreifen die Landschaft und erhöhen die Akzeptanz der landwirtschaftlichen Produktion in der Gesellschaft im Allgemeinen und der Energiepflanzenproduktion im Besonderen“, so Volker Schulze, Regionalreferent Ost des Fachverbandes. In erster Linie dienten die Blühstreifen jedoch als Nahrungsquelle, Lebensraum und Rückzugsgebiete für Blüten suchende Insekten wie Schmetterlinge und Bienen. Aber auch Niederwildarten, wie Projekte der Jägerschaft zeigen, profitieren von Blühstreifen. Mehrjährige Blühstreifen erhalten die Vegetationsstruktur im Winter und bieten Wildtieren Deckung und Schutz. „Andererseits können mehrjährige Blühstreifen auf abschüssigen Flächen den Bodenabtrag verhindern und dienen somit als Erosionsschutz“, so Schulze.


Vertreter der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) berichteten in Friemar von den gemeinsam mit Interessenvertretern aus Naturschutz (Stiftung Lebensraum Thüringen), Landwirtschaft, Jagd und Bienenhaltung entwickelten speziellen Saatgutmischungen. Sie eignen sich für eine gezielte, standortangepasste Etablierung von Blühstreifen und gelten als relativ anwendungssicher. Beispielsweise enthält die Blühmischung „B1-Bienenweide“ zwölf verschiedene einjährige Kulturpflanzen, die eine hohe Blütendichte und lange Blühdauer ermöglichen, was besonders den Insekten zugutekommt. Dar-über hinaus wird von der TLL die Eignung verschiedener Saatgutmischungen für Blühstreifen unter Thüringer Standortbedingungen für die Biogaserzeugung geprüft. Dabei muss mit deutlich niedrigeren Biomasseerträgen und Methanausbeuten als beim Silomais gerechnet werden. Das würden erste Untersuchungsergebnisse am Standort Dornburg belegen. Es deute sich an, dass eine begrenzte Zumischung von Biomasse aus Blühmischungen zum Mais vertretbar sein kann. Die in diesem Jahr angestiegene Zahl von Blühstreifen in der Thüringer Agrarlandschaft ist aus Sicht der TLL als Ausdruck zu werten, dass Blühstreifen ein praktikabler Weg sind, um die biologische Vielfalt zu verbessern und unterschiedliche Nutzungsinteressen von Landwirten, Imkern, Jägern und Naturschützern in Einklang zu bringen.


Für den Landwirt sind Blühstreifen jedoch auch mit zusätzlichen Aufwendungen, Ertragsausfällen und mit direkten Einkommensverlusten verbunden. Freistaatliche Unterstützung bei speziellen Blühstreifenprogrammen oder dem Greening, aber auch die zunehmende Erkenntnis der zahlreichen ökologischen Vorteile, haben Anreize geschaffen, die maßgeblich zu einer Verdreifachung der Blühstreifenfläche beigetragen haben. In Thüringen federt das KULAP zwar Erlösausfälle ab. Aufwand und Nutzen von Blühstreifen stehen jedoch immer noch nicht im ausgewogenen Verhältnis  zu-einander, geschweige denn überwiegt der Nutzen für alle Akteure gleichermaßen, heißt es beim Thüringer Bauernverband. Vielmals seien es ideelle Motive oder administrative Vorgaben (Greening), die Landwirte zum Anlegen von Blühstreifen bewogen hätten. Es fehle derzeit an innovativen und nachhaltigen Programmen, da die finanzielle Last durch Blühstreifen ausschließlich den Landwirt trifft, kritisierte der TBV. Zudem stünden einer größeren Akzeptanz auch bürokratische Hürden in der Nutzung, bei Kontrollen samt Anlastungsrisiken sowie zu starre Vorgaben bei der Handhabung entgegen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr