Es war nur eine Frage der Zeit

07.08.2017

© Grafik: TLUG; Foto: Rolfes/DJV

Im Zentrum des ausgewiesenen Wolfsgebietes riss das Raubtier nach 2015 zum zweiten Mal Schafe.

Zum zweiten Mal nach 2015 hat in Thüringen ein Wolf Schafe gerissen. Gentechnische Analysen am Senckenberg-Institut für Wildtiergenetik Gelnhausen hätten dies zweifelsfrei belegen können, teilte das Umweltministerium mit.


Mitte Juli ging das Raubtier in einer 40-köpfigen Suffolk-Herde im Jonastal in der Gemeinde Gossel auf Beutezug. Bei der Attacke auf die Herde eines Espenfelder Nebenerwerbslandwirts waren acht Tiere getötet worden; zwei weitere mussten aufgrund ihrer Verletzungen vom Tierarzt getötet werden. Zudem waren vier verletzte und zwei vermisste Suffolks zu beklagen.

 

Mittlerweile stieg die Zahl  der toten Tiere auf elf, eines werde noch vermisst.
Nach Erstbegutachtung durch einen Rissgutachter deuteten die Umstände des Übergriffs bereits auf einen Wolf als Verursacher hin. Die Tiere seien durch gezielte Kehlbisse getötet worden, was für einen Wolf oder einen sehr geübten und großen Hund gesprochen habe, hieß es im Umweltministerium.


Der Vorfall ereignete sich im Thüringer Wolfsgebiet, das 2015 in einem Radius von 30 km rund um den Truppenübungsplatz Ohrdruf ausgewiesen wurde. In der Region ist seit nunmehr drei Jahren nachweislich eine Wölfin angesiedelt, auf deren Konto vermutlich der erste Wolfsriss mit zwei getöteten Schafen im Jahre 2015 geht, ebenfalls im Gebiet der Gemeinde Gossel. Weil der Suffolk-Halter die empfohlenen Schutzmaßnahmen, insbesondere den Schutzzaun, installiert hatte, seien die Voraussetzungen für eine „schnelle und unkomplizierte“ Schadensregulierung durch das Umweltministerium erfüllt, hieß es. Nach geltender Richtlinie werden im Fall eines Wolfsübergriffs Schäden für getötete Tiere, Sachschäden, Tierarztkosten und Kosten für die Tierkörperbeseitigung vollständig ersetzt.


Unklar bleibt, ob der Angriff von der auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf beheimateten Wölfin oder einem anderen Tier ausging. Nach Abschluss der Genanalysen der Speichelproben sei keine Aussage zu Geschlecht oder Individuum des Wolfes möglich. Die durch das Senckenberg-Institut untersuchten Genproben hätten nicht genügend Sequenzen aufgewiesen, um entsprechende Aussagen treffen zu können. Insgesamt zwölf genetische Speichelproben waren durch Fachtierärzte des Landesamtes für Verbraucherschutz in Bad Langensalza an den Kadavern entnommen worden. Vier Proben ließen sich zweifelsfrei dem Wolf zuordnen.


Dass sich in Thüringen weitere Wölfe ansiedeln, dürfte lediglich eine Frage der Zeit sein. Spekulationen dazu gibt es immer wieder, nicht zuletzt ausgelöst durch den aktuellen Fall. So sollen etwa jüngste Fotos aus dem Gebiet um das südthüringische Eisfeld einen Wolf abbilden.

 

 

Prävention:
Im Thüringer Wolfsgebiet können Präventionsmaßnahmen von Tierhaltern bis zu 75 % gefördert werden. Mit der „Förderrichtlinie Wolf“ sind u. a. Netzzäune mit Weidezaungeräten, Untergrabungsschutz bestehender Zäune, Breitbandlitzen an den Zäunen sowie die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden förderfähig.



Infos zur Förderrichtlinie: Manuel Hoffmann, Tel. (03 61) 3 79 93 40; E-Mail: manuel.hoffmann@remove-this.tmuen.thueringen.de

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