Ernteerträge: Ein verrücktes Jahr

16.09.2014

© Frank Hartmann

Rundgang durch das Getreidelager in Schwabhausen (v. l.): Egbert Hammernick (TMLFUN), Helmut Gumpert, Jürgen Reinholz und Thomas Spittel.

Das gab es noch nicht oft: Zur Präsentation der Erntebilanz in der ersten Septemberwoche standen noch schätzungsweise 40 000 bis 50  000 ha Getreide auf dem Halm, wenn es sich bis dahin nicht schon gelegt hatte. Von der Verzögerung betroffen ist auch die Agrarprodukte Schwabhausen eG, wo TBV-Präsident Helmut Gumpert und Agrarminister Jürgen Reinholz die vorläufigen Daten der Presse vorstellten. Knapp 400 ha, vornehmlich Weizen, hatten am Mittwoch der Vorwoche die Schwabhausener noch zu dreschen, wie Vorstandschef Thomas Spittel berichtete. Bis zum Dienstag dieser Woche änderte sich daran leider nur unwesentlich etwas. Die Fallzahlen seien noch im akzeptablen Bereich; eine Vermarktung als Futterweizen sei dennoch unausweichlich.

Dabei sah es Ende Juni noch nach einem zügigen Abschluss der Druschernte aus, erinnerte sich TBV-Präsident Helmut Gumpert in Schwabhausen. Überrascht worden sei man von den Erträgen, deren Höhe niemand so vorhergesehen hatte.

Über alle Getreidearten hinweg rechne man mit einem Durchschnittsertrag in Höhe von 78,3 dt/ha, so Agrarminister Jürgen Reinholz. Das seien 10 % mehr als 2013 und 16 % über dem langjährigen Durchschnitt. Dieser für Thüringer Verhältnisse überdurchschnittliche Ertrag spiegle sich auch in einer Gesamterntemenge von 2,8 Mio. t wider. Einen Spitzenertrag bilanzierte Reinholz auch beim Winterraps: 44 dt/ha bedeuteten knapp 20 % über dem langjährigen Mittel.

Sowohl der Agrarminister als auch der TBV-Präsident wiesen auf die niedrigen Getreide- und Rapspreise hin, die der europaweit großen Ernte gefolgt seien. Die bereits zum Erntestart niedrigen Preise sanken im Verlauf der Mahd noch einmal drastisch ab. Helmut Gumpert schätzte ein, dass im Ackerbau unterm Strich ein durchschnittliches betriebswirtschaftliches Ergebnis stehen werde. Anders als auf dem Markt für konventionelles Getreide würden sich die Preise für Öko-Winterweizen und Öko-Wintergerste auf einem stabilen, guten Niveau halten, sagte Helmut Deckert von der Marktgemeinschaft Ökoflur auf Anfrage. Die Erträge bewegten sich um 55 bis 60 dt/ha. Wie ihre konventionellen Kollegen hätten Ökolandwirte teilweise Abstriche bei der Qualität machen müssen, erklärte Deckert.

Wie die TLL auf Anfrage mitteilte, hat der Großteil der beprobten 2014er Qualitätsweizenpartien Backqualitäten erreicht, gleichwohl die Rohproteingehalte (RP) aufgrund des hohen Ertragsniveaus insgesamt niedriger ausfallen würden. Zudem setzte sich der Trend weg von Elite- hin zu A-Weizensorten fort. Etwas geringere RP-Gehalte wies auch die Wintergerste auf, bei der das überdurchschnittlich hohe Hektolitergewicht herausstach. Der RP-Gehalt bei der Sommergerste habe über den Werten von 2013 gelegen. Ein Vorgerstenanteil von über 90 % unterstreiche die gute Brauqualität dieser Rekordernte. Sehr gute Ölgehalte und ein Tausendkorngewicht auf Vorjahresniveau zeichneten die Rapsernte aus. Mutterkorn oder Fusarien hätten dieses Jahr im Getreide keine Rolle gespielt, urteilten die TLL-Fachleute.

Die aktuelle Rapsaussaat vor Augen, die von schwierigen Bodenverhältnissen begleitet wird, warnte TBV-Präsident Gumpert vor einer weiteren, ohnehin schon „dramatischen Einengung“ zugelassener Pflanzenschutzmittel. Damit wachse die Gefahr von Resistenzen. Wie sich das Verbot neonikotinoider Rapsbeizen auswirke, werde dieser Herbst zeigen.

Er gehe davon aus, so Gumpert weiter, dass das neue KULAP und der Greening-Kompromiss im Jahr 2015 etwas mehr Vielfalt in die hiesige Fruchtfolge bringen werden. Die Agrarprodukte Schwabhausen etwa plant laut ihrem Vorstandschef, den Erbsenanbau nahezu zu verdoppeln. Das sei mehr, als man in der eigenen Bullenmast mit ihren 550 Tieren verbrauchen könnte.


Tabelle: Getreide- und Rapserträge 2014

Fruchtart                    Ertrag 2014      Ertrag 2013      Ertrag 2008 bis
                                        (dt/ha)            (dt/ha)             2013 (dt/ha)

Getreide gesamt              78,3                  71,4                   67,1
Wintergerste                    81,3                  70,4                   67,5
Winterweizen                   81,0                  76,0                   71,3
Winterroggen                   77,0                  68,3                   63,6
Triticale                            72,5                  59,9                   56,5
Sommergerste                 63,0                  53,7                   53,4
Winterraps                       44,0                  36,9                   37,3


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