Ernte in kleinen Schritten

11.08.2016

Ernte © Frank Hartmann

Am Sonntag rollten die Drescher der Agrar eG Wöllmisse zwischen Schlöben und Schöngleina.

Mehr Stop als go: So lässt sich der Verlauf der diesjährigen Druschernte im Freistaat beschreiben. In einigen Regionen standen in den vergangenen drei Wochen die bis zu eine halbe Million Euro teuren Mähdrescher an 14 Tagen still. In höheren Lagen hat man die letzte Wintergerste erst Anfang voriger Woche mit Ach und Krach eingebracht. Am zurückliegenden Wochenende befanden sich vielerorts noch die Betriebe im Raps.

 

Rein und raus


„Das Druschwetter am Sonntag und Montag hat den Druck nicht überall rausnehmen können“, beschreibt Uwe Langenhan, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Qualitätsgetreide und Ölsaaten Thüringen (EZGQ), die Lage. Die Kulturen, auch in den Höhenlagen, seien reif, vermehrt trete jetzt Lagergetreide auf. „Unsere Mitglieder sind bestrebt, die Qualitäten zu halten, was ein häufiges Umsetzen der Erntetechnik notwendig gemacht hat.“ Abzuwägen gelte es zwischen Trocknungsaufwand und etwaigen Qualitätsverlusten. Trotz der vielen Regenunterbrechungen und des teilweisen Ernteverzugs sei noch keine bedenkliche Entwicklung der Fallzahlen beim Weizen zu beobachten.


Knapp über die Hälfte ihrer Ernte, schätzt Langenhan, hätten die 80 EZG-Betriebe – regional differenziert – bislang eingebracht. Das deckt sich mit der Einschätzung des Agrarministeriums. Danach sind die Landwirte in Mittel­thüringen weiter als ihre Kollegen im Osten und Süden des Landes.


Die vier Mähdrescher der Agrar GmbH Trebra im Kyffhäuserkreis hatten am Dienstag dieser Woche noch an die 650 ha Weizen und zirka 50 ha Durum vor sich. Sechs bis sieben Erntetage brauche man noch, um die Druschfruchternte auf insgesamt 1 700 ha abschließen zu können: „Vor uns liegen auch noch kleinere Schläge, was den Fortgang ein wenig bremst“, so Pflanzenbauleiter Marcus Zigahn.

 

Bis in die Nacht


Vorigen Sonnabend ging es abends um 18 Uhr in den restlichen Raps. Am Sonntag und Montag konnte bis spät in die Nacht Sommergerste und Winterweizen gedroschen werden. Die 140 ha Sommergerste sind damit komplett vom Halm. Rohproteingehalt (11,3 %) und Ertrag (63 dt/ha) passen. „Weil sich durch die Mainiederschläge Bestockungstriebe gebildet hatten, finden sich in den zuletzt geernteten Partien einige grüne Körner.“ Die Braugerste gehe komplett über die  Reinigung, u.a. um einen höheren Vollkornanteil und letztlich Topware liefern zu können. In die eigene, mit Biogaswärme betriebene Trocknung mussten im bisherigen Saisonverlauf lediglich einige wenige Tonnen Winterweizen.


Im Agrarunternehmen „Wöllmisse“ Schlöben eG leistet die Trocknung, betrieben auf Basis von Holzhackschnitzeln, ihren Dienst. Allein am vorigen Wochenende kamen an die 260 t Weizen in die Anlage nach Schlöben, berichtet Sören Planer von der Pflanzenbauleitung. 16 % Feuchte hatte man bis Sonntagnachmittag gemessen. 300 ha Winter- und 50  Sommerweizen, 105 ha Ackerbohnen und 120 ha Triticale standen am Dienstag dieser Woche noch im Feld. Damit seien die Druschfrüchte zu gut zwei Dritteln eingebracht. Mit rund 80 dt/ha bei Weizen und Wintergerste sowie 40 dt/ha beim Raps stimmten die Erträge zufrieden. Auch die bisher eingefahrenen Qualitäten, wie etwa der Rohproteingehalt des E-Weizens, entsprächen den Erwartungen, so Planer.
In den südöstlichen Höhenlagen, wo die Güterverwaltung „Nicolaus Schmidt“ AG Rothenacker wirtschaftet, zog sich die Wintergerstenmahd aufgrund vieler Regenunterbrechungen hin. „Am 28. Juli waren wir fertig, die Erträge und Qualitäten sind wirklich gut“, sagt Vorstandschef Stefan Kühne.  Auch in Rothenacker muss man dank eigener Trocknungsanlagen, die mit Bioenergie betrieben werden, nicht immer Rücksicht auf den Feuchtegehalt nehmen. Derzeit liege man mit der Ernte im Plan: Der Raps, dessen Erträge bisher nicht berauschend sind, ist zu einem Fünftel beerntet. Mit dem Weizen wurde am Montag dieser Woche begonnen. „Wir hoffen natürlich sehr, dass der Rohproteingehalt nicht vom erfreulich guten Ertrag verdünnt wird.“ Die Sommerbraugerste, so schätzt es Kühne ein, werde erst an diesem Wochenende reif sein.

 

Starke Wintergerste


Auf Grundlage der Daten, die für die Besondere Ernteermittlung herangezogen werden, ist laut Agrarministerium thüringenweit von einer starken Wintergerstenernte auszugehen. Die Erträge liegen den ersten Ergebnissen zufolge 10 % über denen des Vorjahres und 14 % über dem langjährigen Durchschnitt. Die Qualitätsergebnisse der bisher untersuchten Proben würden gute Ergebnisse anzeigen, hieß es.

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