Ernte im Zeitplan

06.08.2015

© Birgitt Schunk

Mähdrescherfahrer Rainer Weber bringt Dagmar Heimrich eine Rapsprobe. 8,6 % Feuchtegehalt sind es am Nachmittag. Der Rapsdrusch kann beginnen. Die Agrargenossenschaft Rohr, die 600 Hektar Acker- und 500 Hektar Grünland bewirtschaftet, lässt die Ernte über einen Lohnunternehmer besorgen.

Sieben Tage lang konnte die Agrargenossenschaft Rohr nicht dreschen. Regen sorgte bei den Südthüringern für eine Pause. An diesem vorletzten Julitag geht es nun aber wieder los. Die Mähdrescher stehen bereit. Noch allerdings müssen die Fahrer Geduld aufbringen. Geschäftsführerin Dagmar Heimrich hat den Erntestart auf 15 Uhr festgelegt. Bis dahin soll der Raps noch etwas abtrocknen. Elf Prozent Feuchtegehalt waren es am Vormittag. „Zu viel, um zu dreschen“, sagt die Chefin.

 

Trockenheit und Feldmäuse


Wintergerste und Erbsen sind Ende Juli zu 100 Prozent abgeerntet. Jetzt geht es an den Raps, der Weizen ist noch nicht ganz abgereift. Die sieben Tage Pause sind kein Problem. „Wir liegen gut in der Zeit, es ist nichts verspätet“, sagt Heimrich. Die Ergebnisse bei der Wintergerste sind mehr als durchwachsen. „Von 30 bis 70 Dezitonnen ist alles dabei.“ Nicht allein die Trockenheit, vor allem auch der Mäusebefall hat für die schlechten Ergebnisse gesorgt. Der Fraß an den Wurzeln war enorm. Nach dem Getreide haben die Mäuse sich dann am Grünland zu schaffen gemacht. Hier gibt es Kahlstellen. „Doch die müssen erstmal liegen bleiben, jetzt müssen wir uns um die Ernte kümmern.“ Beim Raps hat der Betrieb Dagmar Heimrich zufolge mit 30 dt/ha im Schnitt den Wert der letzten Jahre erreicht. Beim Weizen muss noch abgewartet werden. 20 % weniger werden es wohl sein.


Den Mähdrusch besorgt für das Südthüringer Unternehmen ein Dienstleister aus Bayern. „Das ist schon seit 20 Jahren so, damit sind wir gut gefahren.“ Probleme, hier den optimalen Druschzeitpunkt gewährleisten zu können, gibt es nicht. „Wir sind der größte Betrieb, den der fränkische Lohnunternehmer bedient. Da wird sich schon auch nach unseren Anforderungen gerichtet“, weiß Dagmar Heimrich. Hinzu komme, dass die Ernte in Franken immer etwas früher beginne als in der Region um Rohr. „Das passt.“ Geht die Erntezeit los, ist ein Mähdrescher ständig im Betrieb stationiert. Werden mehr Kapazitäten gebraucht, genügt ein Anruf. „Da rücken die Maschinen auch in der Nacht an, wenn es sein muss.“ Und wenn es abends spät wird, können die Mähdrescherfahrer aus Franken in Rohr auf dem Betriebsgelände schlafen. Hier werden nämlich auch Zimmer vermietet.


Mehr Sorgen als die geringe Getreideernte macht dem Betrieb allerdings die Futtersituation. Im ersten Schnitt wurden lediglich 30 % vom „normalen“ Ertrag eingebracht. Im zweiten und dritten Schnitt war es die Hälfte. „Wir mähen immer sehr zeitig, weil wir gute Qualitäten wollen.“ Die Masse allerdings lässt in diesem Jahr sehr zu wünschen übrig. Dagmar Heimrich und ihre Leute sind schon am Rechnen. Das Grundfutter für die 180 Milchkühe ist zu 80 % abgesichert, für die 150 Mut­terkühe zur Hälfte. Bei den 1 400 Schafen sind es gerademal 30 Prozent.

 

Zukäufe sind bereits einkalkuliert


Jetzt hofft das Rohrer Unternehmen auf einen vierten Schnitt. Doch dazu muss es regnen. Das Stroh wird komplett geborgen, Futterzukäufe sind schon ausgemacht. „Die Milchproduktion wird abgesichert, darüber hinaus müssen wir weitersehen.“ Notfalls müssten die Viehbestände reduziert werden.
Jetzt aber wird erst einmal das sommerliche Wetter genutzt, um so viel wie möglich unter Dach und Fach zu bringen. Das Warten an diesem Tag hat sich gelohnt. Gegen 15 Uhr misst Dagmar Heimrich noch einmal: 8,6 % Feuchte sind es jetzt beim Raps. Nun kann es in die Vollen gehen.

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