Ernte 2017

06.09.2017

© Frank Hartmann

Durch das neue Getreidelager der Agrargesellschaft Pfiffelbach mbH führt Geschäftsführer Lars Fliege Agrarministerin Birgit Keller.

Als „Achterbahnfahrt“ beschrieb Ministerin Birgit Keller den diesjährigen Ernteverlauf. TBV-Vizepräsident Dr. Lars Fliege sprach auf der gemeinsamen Erntepressekonferenz am Montag dieser Woche von einem „Stoppuhrrennen nach der Wetter-App“.


Im Ergebnis zeigen sich dann auch sehr differenzierte Erträge, die laut Keller etwa bei der Wintergerste von 34 dt/ha bis 112 dt/ha oder bei der Sommergerste von 29 dt/ha bis 90 dt/ha reichen. Hohe Ertragsunterschiede traten innerhalb der Regionen und auf einzelnen Schlägen zutage. Fliege sprach von einem Ost-West-Gefälle bei Erträgen, Ernteverlauf und Qualitäten. In Südthüringen kam erschwerend hinzu, dass die Kulturen in den Regenpausen langsamer trockneten als etwa in der Ackerebene. Die früh abgereiften Weizenkulturen in Westthüringen hätten vielerorts nicht vor dem „großen“ Regen gedroschen werden können, was nicht spurlos an den Qualitäten vorüberging.


Die Wintergerste kam im landesweiten Mittel auf gute 76,2 %, was 6 % unter dem Rekordjahr 2016, aber 7 % über dem langjährigen Mittel liegt. Mit 79 dt/ha kann auch beim Weizen ein überdurchschnittlicher Ertrag verbucht werden. Es mussten allerdings Qualitätseinbußen hingenommen werden, wobei sich Thüringen im bundesweiten Durchschnitt bewege, so Ministerin Keller. Mit 8 % über dem langjährigen Mittelwert liegen zudem die Erträge der Sommergerste (61 dt/ha), die überwiegend Brauqualität erreichen konnte, zumindest dann, wenn kein Lager auftrat, wie Fliege ergänzte.


Den langjährigen Durchschnittsertrag (66,6 dt/ha) verfehlten hingegen die Roggenanbauer. Zu den mageren 62 dt/ha kamen laut Fliege auch noch extrem schwache Fallzahlen hinzu, was den ohnehin schon schlecht bezahlten Roggen lediglich als Futter qualifiziert. Auch Triticale enttäuschte die Anbauer: Die 59 dt/ha liegen gut 2 dt/ha unter dem langjährigen Mittelwert.


Beim Winterraps stehen 2017 lediglich 33 dt/ha in der Erntebilanz, womit die Ölfrucht 17 % unter den Vorjahres- und 14 % unter den Wert der Jahre 2011 bis 2016 fällt. Seine Enttäuschung darüber wollte Fliege nicht verbergen. Als Ursachen für die schlechte Rapsernte zählte der Geschäftsführer der Agrargesellschaft Pfiffelbach Defizite bei der Vorwinterentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Spätfröste auf. Zudem erinnerte er an großflächige Hagelschäden.


Kein gutes Zeugnis konnte Fliege der Strohqualität ausstellen. Auch hier machten die Niederschläge den Landwirten einen Strich durch die Rechnung. Noch sei die aufwendige Strohbergung nicht überall beendet.


Spuren hinterlässt die Druschfruchternte 2017 nicht nur auf den Betriebskonten, sondern auch auf den Feldern. Fliege wies auf Strukturschäden der Böden als Folge schlechter Befahrbarkeit mit Mähdreschern und Traktoren hin. Vielerorts sei die Bodenbearbeitung, die Düngung und die Aussaat nur eingeschränkt möglich gewesen. In etlichen Regionen seien die Böden noch immer zu feucht für termingerechte Herbstarbeiten.


Dies bot dem TBV-Vize Gelegenheit zur Generalkritik an der neuen Düngeverordnung. Die restriktiven Regeln zur Gülledüngung im Herbst nannte Fliege eine „Katas-trophe“. Das schloss das für ihn „unbegreifliche“ Verbot ein, die Strohrotte mit Gülle zu fördern oder etwa das gänzliche Verbot zur Weizendüngung. „Wir bringen jetzt die Gülle fast zu 100 Prozent zum Raps aus. In diesem Jahr machen wir uns damit auch noch die Böden kaputt“, so die Kritik.


Ob das Agrarministerium der Forderung des TBV nachkommt, die Güllesperrfrist in diesem Herbst in Thüringen zu lockern, ist noch nicht entschieden. Ministerin Keller sagte bei der Erntepressekonferenz, dass es eine pauschale Ausnahmeregelung nicht geben werde und man regionale Lösungen prüfe. Abteilungsleiter Peter Ritschel ergänzte, dass die Landwirtschaftsämter, Wasser- und Umweltbehörden vor Ort darüber beraten müssten.


Fliege mahnte zur Eile bei der Entscheidung. Jeder Tag, an dem Landwirte früher wüssten, ob eine spätere Gülledüngung möglich sein wird, würde die komplizierten Arbeiten und ihre Planung in diesem Herbst erleichtern.

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