Einigung zur Waldstilllegung am Possen

11.12.2017

Sabine Rübensaat

Das Agrar- und das Umweltministerium haben sich über die umstrittene Stilllegung hochproduktiver Buchenwälder am Possen geeinigt. Angezweifelt werden darf, ob die Entscheidung über das im Eigentum des ThüringenForstes liegende Areal sachlich zu begründen bzw. notwendig ist. Anja Siegesmund  jedenfalls „freute sich sehr“. Die Erbauung der Grünen-Ministerin kostet den Thüringer Steuerzahler für eine sehr lange Zeit mindestens 300  000 € pro Jahr.


Statt der von Siegesmund geforderten 2 500 ha Waldstilllegung am Possen sollen „nur noch“ 1  000 ha aus der Nutzung genommen werden. Hinzu kommen weitere 500 ha, die als „Erholungswald“ eine „naturnahe und naturschutzgerechte Bewirtschaftung“ erfahren.

 

Großes Theater


Letzteres, so heißt es in der ministeriellen Vereinbarung, „in Abstimmung zwischen dem Agrarministerium, dem ThüringenForst, angrenzenden Waldbesitzern und der Bürgerinitiative ‚Kulturwald statt Urwald‘ sowie dem Umweltministerium, der Bürgerinitiative ‚Pro Kyffhäuserwald‘ und den Naturschutzverbänden“.


Zudem erhält das Umweltministerium die Option, „weitere 350 Hektar im Schweinaer Grund sowie 200 Hektar im Wartburgbereich“ zur Waldstilllegung heranzuziehen. In diesem Fall soll aber ein Flächentausch aus dem Portfolio der unstrittigen 18 000 ha Stilllegungsflächen erfolgen.

 

Strategie geht auf


Erwartet werden konnte, dass das Umweltministerium die knapp 7 000 ha Waldflächen aus dem Bundesfonds des Nationalen Naturerbes erst für die Stilllegungsbilanz akzeptiert, wenn, wie die Vereinbarung zeigt, Flächen am Possen aus der Nutzung fallen.


Für die Umsetzung der Stilllegungsziele vereinbarten beide Ministerien eine Frist bis zum Jahr 2029, was exakt dem Zeitplan entspricht, den die CDU-SPD-Vorgängerregierung bei ihrem Stilllegungsbeschluss für fünf Prozent der Thüringer Waldfläche festgelegt hatte. Ursprünglich visierte Siegesmund das Jahr 2020 an.


Für die 1 000 ha Buchenwald am Possen will das Umweltministerium aus seinem Etat jährlich 295 €/ha zum Ausgleichen der Erlösminderung an den ThüringenForst überweisen. Zudem erhält der Staatsbetrieb für alle stillgelegten Waldflächen, mit Ausnahme jener des Nationalparkes Hainich, einen jährlichen Pauschalbetrag, damit Kosten für Verkehrssicherung, Wegeunterhaltung, Jagdaufwand, Beiträge oder Zertifizierung ausgeglichen werden. Darüber, so heißt es in der Vereinbarung, verhandelt das Umweltministerium direkt mit dem ThüringenForst. Woher dieses Geld kommt, ist noch unklar. Die Etats des Agrar- als auch des Umweltministeriums will man nicht damit belasten.


Auf seine Kosten und in seiner Verantwortung richtet das Umweltministerium bis Januar 2019 am Possen überdies eine zusätzliche Natura-2000-Station ein. Hier „werden neue Arbeitsplätze entstehen, die sozialverträglich den Bediensteten der Forstanstalt zugutekommen sollen“, erklärte Agrarministerin Birgit Keller, die befand, einen „tragfähigen Kompromiss“ gefunden zu haben, der „sowohl naturschutzfachliche als auch forstwirtschaftliche Aspekte“ berücksichtige.

 

Vorfreude auf Wildnis


Anja Siegesmund erklärte, dass sich die Thüringer „auf mehr Waldwildnis“ freuen dürften. Wo sich die Wälder natürlich entwickeln würden, entstünden neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen, was, so ihre Prophezeihung, „auch den Tourismus und die Wertschöpfung in der Region“ stärke.

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