Eine Insel der Freiheit

23.10.2014

© Fritz Fleege

Geld, Kraft und Nerven hat es bis zur BHV1-Freiheit gekostet.

Thüringen gilt ab jetzt, nach Bayern, als „BHV1-freie Region“ in Deutschland. Die EU-Kommission erkannte den Status nun offiziell an, teilte das zuständige Sozialministerium in der vorigen Woche mit. Neben Thüringen und Bayern gelten Österreich, Dänemark, Finnland, Schweden sowie die Region Bozen in Italien als „BHV1-freie Regionen“. Außerhalb der EU besitzt die Schweiz diesen Status.


Die Tilgung dieser Tierseuche im gesamten Freistaat bezeichnete die Oberste Veterinärbehörde als großen Erfolg. Rinderhalter und -züchter, Tierärzte in Praxis und Verwaltung, die Tierseuchenkasse sowie Vertreter des Berufsstandes hätten über Jahre gemeinsam daran gearbeitet. Dieser hohe Tiergesundheitsstatus sichere den Tierhaltern langfristig Handels- und Exportmöglichkeiten. Nun gelte es, die BHV1-Freiheit zu schützen, also eine Wiedereinschleppung des Virus und Neuinfektion der Bestände zu vermeiden. Das Sozialministerium appellierte an die Tierhalter und Viehhändler, zum Schutz der Tierbestände verantwortungsbewusst zu handeln. In diesem Zusammenhang gelten folgende Vorschriften, die auf entsprechenden Merkblättern (*) zu finden sind.


So dürfen Zucht- und Nutzrinder, die nicht aus BHV1-freien Regionen stammen und nach Thüringen eingeführt werden, nicht gegen BHV1 geimpft sein. Im Herkunftsbetrieb dürfen in den letzten zwölf Monaten keine klinischen oder pathologischen Anzeichen einer BHV1-Infektion aufgetreten sein. Bevor die Tiere nach Thüringen kommen, müssen sie 30 Tage in einer behördlich genehmigten Isoliereinrichtung gehalten werden, sprich in Quarantäne. In dieser Zeit darf bei den Tieren freilich kein klinisches Anzeichen einer BHV1-Infektion auftreten. Hinzu kommen serologische Tests ab dem 21. Tag und entsprechende Bescheinigungen. Empfohlen wird eine freiwillige Blutuntersuchung bereits am Tag der Einstellung in die Quarantäneeinrichtung. Denn bei einem positiven Ergebnis eines einzelnen Tieres darf die gesamte Tiergruppe nicht verbracht werden. Werden Mastrinder aus nicht BHV1-freien Regionen zur Endmast nach Thüringen gebracht, dürfen die Tiere ebenfalls nicht gegen BHV1 geimpft sein. Sie müssen aus einem amtlich anerkannten BHV1-freien Betrieb stammen und haben diesen seit der Geburt nicht verlassen. Anderenfalls müssen die Tiere wie beschrieben zunächst in Quarantäne. Sowohl im Herkunftsbetrieb und der Isoliereinrichtung als auch in einem Umkreis von 5 km um beide herum darf es in den vorausgegangenen 30 Tagen kein Anzeichen einer BHV1-Infektion gegeben haben. Sieben Tage vor der Versendung aus dem Herkunftsbetrieb oder der Isoliereinrichtung nach Thüringen hat eine serologische Blutuntersuchung zu erfolgen. Der spätere Transport darf nur mit Tieren mit gleichem Gesundheitsstatus erfolgen. 21 bis 28 Tage nach der Ankunft in Thüringen muss eine Blutuntersuchung erfolgen.


Mit dem BHV1-Status Thüringens ergeben sich natürlich Einschränkungen für all jene Züchter, die mit ihren Tieren regelmäßig an Tierschauen außerhalb Thüringens teilnehmen. Mit Ausnahme von Auftritten in Bayern und dem BHV1-freien Ausland müssen die Tiere vor ihrer Rückkehr nach Thüringen die beschriebenen Quarantänemaßnahmen durchlaufen.


Das Sozialministerium hat neben den Hinweisen zum Tierhandel ein weiteres Merkblatt zur Biosicherheit der Rinder haltenden Betriebe im Freistaat erarbeitet. Hier gibt es Tipps und Empfehlungen zur Abschirmung der Stalleinheiten bzw. des Betriebsgeländes (Tore, Schilder, bauliche Maßnahmen), für Zutrittsbeschränkungen und Zugangsregeln für betriebsfremde Per­sonen sowie Hinweise zur ­Hygiene, Reinigung und Desinfektion.

(*) Merkblätter zum Verbringen von Rindern nach Thüringen und zur Biosicherheit im Internet unter http://www.thueringer-sozialministerium.de (Veterinärwesen); Auskunft geben die Veterinärämter und das Landesamt für Verbraucherschutz in Bad Langensalza, Tel. (03 61) 37 74 32 20.

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