Ein Warnsignal

11.08.2015

© Loose, DJV

Wildschäden sind auf ein „verträgliches Maß“ zu reduzieren.

Im Großen und Ganzen sind die Strecken des Jagdjahres 2014/2015 gegenüber der vergangenen Saison stabil. Das zeigen die Zahlen der aktuellen Jagdstatistik, die das Agrarministerium kürzlich veröffentlicht hat. Naturgegebene Schwankungen des Wildbestandes in Höhe und räumlicher Verteilung würden sich auch in der Jagdstrecke widerspiegeln, nannte das Ministerium Gründe für Abweichungen.

 

Jäger müssen auf der Lauer liegen


Während die Strecke beim Rotwild im Vergleich zum Vorjahr um etwa sechs Prozent sank, stieg sie beim Dam- und Muffelwild um etwa 20 % an. Besonders deutlich würden sich die genannten Schwankungen aber beim Schwarzwild zeigen. ­Während im Jagdjahr 2012/13 noch eine Rekordstrecke von 37 400 Sauen zu verzeichnen war, ­verringerte sich diese bereits im Folgejahr um 40 %, um nunmehr wieder um zehn Prozent anzusteigen. Zwar betonen die ministerialen Jagdfachleute, dass dieses Auf und Ab „ganz ­natürlich“ sei. Dennoch mahnen sie zur Vorsicht: „Aufgrund eines milden Winters, der starken Fruchtbildung von Buche und Eiche sowie der landwirtschaftlich angebotenen Äsung kann sich der Schwarzwildbestand binnen eines Jahres sprungartig vermehren“, heißt es in der Einschätzung.

 

Bache mit ihrem Nchwuchs. Foto: Loose, DJV

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ansteigen der Sauen-Strecke um zehn Prozent wertet die oberste Jagdbehörde daher als ein erstes Warnsignal. Und mahnt: Sollte es zu einer explosionsartigen Vermehrung kommen, sei „es Aufgabe der Jäger, entstehende Wildschäden auf ein wirtschaftlich verträgliches Maß zu senken“.


Anlass zur Sorge bereitet ein in der Öffentlichkeit eher als „putzig“ wahrgenommener „Einwanderer“. Seit seinem Auftauchen im Jahre 1993 breitet sich der Waschbär zunehmend in Thüringen aus. Mit 10 100 Tieren wurde im Jagdjahr 2014/2015 die bislang höchste Strecke registriert. Den Angaben zufolge wurden allein im Eichsfeldkreis 1 900 Waschbären erlegt. Weitere 160 wurden als Unfallwild gemeldet. Die Jagdstrecke dokumentiere ziemlich deutlich die „unaufhaltsame Ausbreitung eines Neozoen, der durch seine invasive Art eine akute Gefahr für Kleinsäuger, Vögel und Lurche darstellt“.


Anlässlich der Vorstellung der Zahlen lobte Staatssekretär Klaus Sühl die heimischen Jägerinnen und Jäger, die einen „wertvollen Beitrag für den Erhalt des Gleichgewichtes in unseren Ökosystemen leisten“. Mit der Unterzeichnung des Positionspapiers zur Schwarzwildbejagung im April dieses Jahres durch Ministerin Birgit Keller und die Präsidenten der Verbände der Jäger, Landnutzer und Grundeigentümer habe man in dem Zusammenwirken aller Beteiligten einen großen Schritt getan, um regional problematisch hoher Schwarzwildbestände Herr zu werden. Der Staatssekretär kündigte für den Herbst den Beginn der Debatte zum Thüringer Jagdgesetz an. Die Landesregierung verfolge mit ihren Änderungen das Ziel, „das Jagdwesen in Thüringen voranzubringen“.

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