Dürre drückt Erträge

25.07.2018

© Wolfgang Helmbold

Weithin sind gegenwärtig die Staubwolken über den Feldern zu sehen, die die Mähdrescher  hinter sich herziehen – gegenüber den Vorjahren zwei bis drei Wochen früher. Auch im Thüringer Eichsfeld ist die Getreide- und Rapsernte im vollen Gange und viele Betriebe werden bis Ende Juli die Druscharbeiten abgeschlossen haben. 

 

Auf nass und kalt folgt heiß und trocken

Die ersten Ernteergebnisse zeigen sehr starke regionale Unterschiede. Abhängig vom örtlichen Witterungsverlauf und besonders den Niederschlägen entwickelten sich die Pflanzenbestände sehr differenziert. In allen Regionen hatte der nasse Herbst und ein zu kalter März Probleme bei der Bodenbearbeitung und der Aussaat bereitet. Dem folgte ein April mit teilweise sommerlichen Temperaturen, und das Niederschlagsdefizit ließ die Bodenfeuchte bereits im kurzen Frühjahr drastisch sinken. Bei der trocken-warmen Witterung explodierte die Pflanzenentwicklung förmlich. Nach dem wärmsten April seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen folgte ein ebenso warmer Mai. Dadurch traten auf nicht beregneten Flächen, besonders beim Sommergetreide, Trockenschäden auf. Teilweise heftige Gewitter mit örtlichem Starkregen oder Hagel führten zu zusätzlichen Schäden und konnten die Wasserbilanz nur geringfügig aufbessern. 

 

„Wir hatten da etwas Glück“, betont Mario Reinhold, Geschäftsführer der Agrar GmbH „Am Dün“ Deuna. Anfang Juni hatten Gewitter nochmal 30 mm Niederschlag gebracht, den die schweren Muschelkalkböden dringend benötigten. Seitdem habe es aber nur unwesentlich geregnet und das zeigt sich dann auch bei den Erträgen, meint Reinhold, der seit nunmehr drei Jahren die Agrar GmbH leitet. Der Betrieb im sogenannten Eichsfelder Kessel, zwischen Dün und Ohmgebirge, rechnet mit 20 - 30 % geringeren Erträgen als in den Vorjahren. Bei der Wintergerste, die bereits eingebracht ist, wurde ein mäßiger Ertrag erzielt, aber die Qualität sei zufriedenstellend. Die derzeitigen Witterungsbedingungen ermöglichen eine zügige Druschernte. Freitag vergangener Woche hatte die Agrar GmbH die letzten Rapsflächen gedroschen und wollte am Nachmittag mit dem Weizendrusch beginnen. Der Raps stand nur etwa kniehoch. Die Körner waren aber größer als erwartet, so dass sich der Landwirt mit dem Ertrag durchaus zufrieden zeigte. Anders sieht es beim Weizen aus. Ähnlich wie bei Gerste und Raps ist auch der Weizen sehr niedrig und es kommt hinzu, dass die Ähren nur kleine Körner enthalten. Ertragsergebnisse lagen noch nicht vor, aber es wird mit größeren Ernteausfällen gerechnet. 

 

Mais hat Wachstum bereits eingestellt

Hinsichtlich der Qualitäten legt man in Deuna vorrangig Wert darauf, dass das Getreide gesund ist, da es fast vollständig zur Versorgung der eigenen Tierbestände eingesetzt wird. Die betriebseigene Mischanlage verarbeitet das Getreide zu Mischfutter für die Zuchtsauen und die Mastschweine, sodass Backeigenschaften und Eiweißgehalte nur eine untergeordnete Rolle spielen.

 

Gravierend ist die Situation beim Mais, der für die 340 Milchkühe des Tochterbetriebes und für die Biogasanlage benötigt wird. Viel zu niedrig hat der Mais bereits Fahnen geschoben und damit sein Wachstum beendet. „Ich habe Angst, dass der Mais keine bzw. zu wenig Kolben bildet“, unterstreicht Mario Reinhold seine Sorgen um die Futterversorgung. Das sei das größte Problem. Auf den 250 ha Grünland hatte der erste Schnitt schon 30 % weniger gebracht, der zweite Schnitt war mit 50 % Ausfall noch schlimmer und ob es einen dritten Schnitt gebe, sei auch noch ungewiss. Damit zeichne sich sowohl für die Versorgung des Rinderbestandes als auch der Biogasanlage eine sehr kritische Situation ab. Ein Zukauf von Futtermitteln wird notwendig sein, wobei das Angebot sehr begrenzt sein dürfte. Dies wiederum werde sich auf steigende Futtermittelpreise und somit eine sinkende Rentabilität in der Tierhaltung auswirken.

 

Aber auch die kommenden Bestellarbeiten sieht Reinhold als schwierig an. Hier müsse genau überlegt werden, welche Bodenbearbeitungsmaßnahmen durchgeführt werden. Wichtig sei, dass jetzt durch die Saatbettvorbereitung dem Boden nicht noch mehr Feuchtigkeit entzogen würde. Denn diese sei nötig, damit die Rapssaat aufgeht und sich im kommenden Jahr ein guter Bestand entwickeln kann.

 

In anderen Betrieben im Eichsfeld ist die Situation ähnlich, oftmals noch angespannter. Auch im Landwirtschaftszentrum Unstruttal e.G. Dingelstädt hat die Getreideernte zwei Wochen früher als in anderen Jahren begonnen. Auch hier sind die Erträge unter dem Durchschnitt der letzten Jahre. Die Wintergerste brachte nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden Michael Hupe gegenüber dem langjährigen Mittel etwa ein Viertel weniger. Noch schlechter sieht es beim Raps aus. Hier müssen 40 % Ertragseinbußen hingenommen werden. 

 

Zumindest passt beim Weizen die Qualität

Das Problem, so Hupe, zeichnete sich schon im vergangenen Jahr bei der Aussaat ab. Die langanhaltenden Niederschläge im Juli und August 2017 und die damit verbundene hohe Bodenfeuchtigkeit führten bereits bei der Aussaat zu Strukturschäden, deren Auswirkungen jetzt zu spüren sind. Weniger Schoten und kleinere Körner bewirkten den erheblichen Minderertrag. 

 

Der Drusch der Weizenbestände lässt erwarten, dass der Ertrag etwa 20 % unter dem zehnjährigen Mittel liegen wird. Gut hingegen sind die Qualitäten. Laut Michael Hupe sind die Proteingehalte mit 13,5 % beim A-Weizen und 14,3 % beim E-Weizen zufriedenstellend. Auch der Besatz sei mit 1,5 % in einem guten Bereich. Das Hektolitergewicht sei trotz kleiner Körner mit 80 als gut einzuschätzen. Bei Hafer und Sommergerste muss mit einer schlechten Ernte gerechnet werden. Das Sommergetreide hatte sich nicht bestockt und es wurde meist nur ein Halm ausgebildet. Damit können voraussichtlich die Erwartungen für eine gute Braugerste nicht erfüllt werden.

 

Wie in allen Regionen Thüringens hat sich auch in Dingelstädt der Mais punktuell sehr unterschiedlich entwickelt. Letztmalig größere Niederschläge am 15. Mai und vereinzelt kleinere, kaum wirksame Regenmengen im Juni führten zu einer sehr heterogenen Entwicklung der Maisbestände. Auch hier stellt die Versorgung der Tierbestände und der Biogasanlage das größte Problem in den kommenden Wochen und Monaten dar.

 

Weiter südlich läuft in der AGN Agrargesellschaft mbH Neunheilingen (Unstrut-Hainich-Kreis) ebenfalls die Getreideernte auf Hochtouren. Allerdings, so sagt Feldbauleiter Holger Harnisch, sei das gesamte Getreide notreif. Kleine Körner bewirken auch hier geringere Erträge. An Gerste wurde 10 % und Raps 20 % weniger geerntet. Das Gros mache aber der Weizen aus, bei dem mit einem Ausfall von 25 % gerechnet wird. Gleichfalls, wie in den anderen Betrieben, kann auch die Agrargesellschaft Neunheilingen auf gute Qualitäten verweisen. Die große Trockenheit hat vor allem den Fusarienbefall verhindert und nur geringe Behandlung der Getreidebestände erfordert. Das Hektolitergewicht ist gut und mittlere bis teilweise hohe Fallzahlen unter 300 bieten eine gute Gewähr für die Vermarktung. 

 

Die Situation beim Mais scheint sich bei fast allen Betrieben in der Region gleichermaßen darzustellen. Nachdem dieser schon sehr ungleichmäßig und schwach aufgelaufen war, haben die fehlenden Niederschläge ein ausreichendes Wachstum verhindert. Noch relativ niedrig beginnen die Maispflanzen bereits zu blühen und somit fehlt es an Masse. Damit ist auch mit einer reduzierten Kolbenbildung in den nächsten Wochen zu rechnen. Obwohl die Agrargesellschaft keine Rinder mehr besitzt und den Mais nur in der Biogasanlage einsetzt, wird dieser aber auch dringend benötigt. „Die Tiere sind zwar kleiner, aber auch diese wollen gefüttert werden“, fügt Feldbauleiter Holger Harnisch mit Blick auf die Mikrobiologie im Fermenter verschmitzt hinzu. 

 

Bestandsabbau beim Vieh zu befürchten

Gegenwärtig zeichnet sich ab, dass die niedrigeren Erträge steigende Getreidepreise erwarten lassen. Damit können zumindest teilweise betriebswirtschaftliche Auswirkungen gemildert werden. Jedoch sind regional sehr deutliche Unterschiede zu beobachten. Vorrangig tierhaltende Betriebe sind durch die extreme Trockenheit stark betroffen. Die Futterversorgung insbesondere der Rinderbestände ist in manchen Betrieben stark gefährdet, ein ­weiterer Bestandsabbau ist zu befürchten.

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