Der Maus auf der Spur

30.05.2014

© Frank Hartmann

Geduld ist gefragt: JKI-Biologin Susanne Hein auf einem Luzerneschlag in der Nähe von Teichel, wo sie weit über 100 Fallen aufstellte.

Endlich sei sie fündig geworden, freut sich Susanne Hein: Auf einem Luzerneschlag bei Teichel im Kreis Saalfeld-Rudolstadt gingen der jungen Biologin des Julius-Kühn-Institutes (JKI) Feldmäuse in die Fallen. Die Frage, wie sich Feldmauspopulationen nach einem Zusammenbruch wieder erholen, ist Gegenstand des von ihr betreuten Forschungsprojektes der JKI-Außenstelle in Münster, wo man sich u. a. mit Nagetieren beschäftigt. Die Ergebnisse der Thüringer Feldforschungen sollen mit in ihre Promotionsarbeit einfließen. Damit hätte Susanne Hein womöglich auch eine Erklärung parat, warum sie so viel Zeit brauchte, um ihren Forschungsgegenstand aufzuspüren.

Es sah mau aus

Anfang 2013 begann die Feldarbeit in der Thüringer Flur, vornehmlich im Unstrut-Hainich-Kreis. „Hier hatte ich eine Dauergrünlandfläche gewählt, die 2012 besonders stark betroffen war, auf der sich die Feldmauspopulation über den Winter 2012/2013 halten konnte.“ Anfang März des vorigen Jahres zählte sie auf der Fläche noch 35 bis 40 wieder geöffnete Löcher (WGL), ein klares Indiz für starken Feldmausbefall. „Da habe ich mich natürlich gefreut: Denn je mehr Feldmäuse ich fangen kann, umso mehr Daten kann ich gewinnen.“ Doch dann traf Susanne Hein, was viele Landwirte im Freistaat sehr froh machte: Plötzlich war die Population zusammengebrochen. „Während Kälte kein Problem für die Feldmaus darstellt, verträgt sie Nässe eher schlecht.“ Dies habe sehr wahrscheinlich mit den Ausschlag für den Zusammenbruch der Population gegeben. „Auf der neun Hektar großen Fläche habe ich letztlich im Jahr 2013 lediglich 13 Feldmäuse eingefangen, bei 240 aufgestellten Fallen. Aus Forschersicht ein enttäuschendes Ergebnis“, beschreibt es Susanne Hein diplomatisch. Um eine wirklich solide Datenbasis zu erhalten, bräuchte sie etwa 45 Tiere.

Bei den lebend und unversehrt zu fangenden Nagern werden Gewicht, Geschlecht oder etwa der Reproduktionsstatus bestimmt. Haarproben sollen nach genetischer Analyse Auskunft über die Verwandtschaftsbeziehungen geben. Dokumentiert wird, in welche Falle die Mäuse getappt sind. „Die Tiere erhalten einen Chip, damit man sie bei einem erneuten Fang identifizieren kann.“ Daraus ließen sich unter anderem Aussagen zur Agilität bzw. zum Bewegungsradius, im Idealfall ein Verbreitungsmuster ableiten. Die Wissenschaftlerin will letztlich wissen, wo die Mäuse herkommen, ob es sich um Altbestände oder neu eingewanderte Tiere handelt und mit welcher Geschwindigkeit die Ausbreitung stattfindet. „Ich gehe davon aus, dass die Feldmaus in den allermeisten Fällen in die Fläche einwandert. Tiere, die nach einem Zusammenbruch überleben, ziehen sich in die Umgebung zurück: Ob das wirklich so ist, werden wir sehen.“

Susanne Hein erklärt, dass sie die Fallen pro Durchgang an drei aufeinanderfolgenden Tagen in Betrieb hat und sie in dieser Zeit zweimal täglich kontrolliert. Als Köder dienen Erdnussflips, Haferflocken, Nager-Pellets und Apfelstücken. Zum Wohlfühlen gibt es Holzwolle. „Die Äpfel sind ein Angebot zur Regulierung des Wasserhaushaltes, denn die Tiere sollen, bis sie frei gelassen werden, keinen Durst leiden.“

Gleichwohl die Pflanzenschutzdienste der Thüringer Agrarverwaltung Anfang 2014 regional vermehrtes Auftreten von Feldmäusen meldeten, der Winter „optimale Bedingungen für die Feldmäuse geboten“ habe, lief auf Susanne Heins Flächen im Unstrut-Hainich-Kreis nichts. Zu allem Übel wurde sie auch noch beklaut: Bislang unbekannte Täter stahlen 150 Fallen, die in Kisten verpackt zum Verladen bereitstanden. Keine Mäuse und verschwundene Fallen: Da darf man weder den Mut noch die Geduld verlieren.

Von Null begonnen

Nun ist sie in die Gegend um Teichel ausgewichen, „wo ich quasi von Null anfangen muss“. Statt Grünland, das Mäusen beste Bedingungen bietet, wählte die Doktorandin als Kompromiss eine Luzernefläche. Hier kam der Tipp vom Landwirtschaftsamt in Rudolstadt und dem Agrarbetrieb, der sie, wie viele andere in Thüringen, unterstützt. Und diesmal waren die Fallen nicht leer.

Susanne Hein betont, dass das, was sie macht, Grundlagenforschung ist. Im besten Fall könne das einen kleinen Beitrag zur Beantwortung der Frage aller Fragen leisten: Was bestimmt den Rhythmus der Massenvermehrung, die alle drei bis fünf Jahre auftritt? Erste Ergebnisse aus ihrem Projekt, das bis Mai 2015 läuft, könnten Ende nächsten Jahres vorliegen.

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