Der kleine Sack ist zu

14.08.2015

© Frank Hartmann

Am Sonnabend voriger Woche war der letzte Weizen gedroschen. Inklusive Weidelgras haben die zwei Hochdorfer Drescher in dieser Saison Früchte auf 1 100 Hektar vom Halm geholt.

Strohbergung und Saatbettbereitung für den Raps: So lautete der Plan für die Feldarbeiten diese Woche in der Landwirtschaftlichen Erzeuger- und Liefergenossenschaft Hochdorf eG. Die inklusive der Melker 16 Köpfe zählende Mannschaft um Vorstandschef Thomas Münzel konnte am Sonnabend voriger Woche die Druschfruchternte 2015 für abgeschlossen erklären. Und somit knapp drei Wochen eher als in „normalen Jahren“, wenn es die überhaupt noch gibt.


Donnerstag voriger Woche, so schätzte es Egbert Hammernick vom Agrarministerium, war landesweit knapp die Hälfte der Ernte im Sack. Die ansehnlichen Bestände in Ostthüringen verlangten nach einer Ernte in Normalgeschwindigkeit. „Wir haben beispielsweise bei der Wintergerste Ertragsspannen von knapp 40 Dezitonnen je Hektar in Trockengebieten bis über 100 Doppelzentner im Osten“, verdeutlichte Hammernick die Situation. Es sei gut möglich, dass die Erntestatistik am Ende einen Landesdurchschnitt um den langjährigen Mittelwert ausweist.


Das ist freilich nicht das Ergebnis, das etwa die Hochdorfer eingefahren haben. Vorstandschef Thomas Münzel berichtete Ministerin Birgit Keller auf ihrer Stippvisite im südlichen Weimarer Land von 20 % geringeren Erträgen. Der Druck der Feldmauspopulation sei glücklicherweise nicht so stark wie in der Ackerebene. Wie dort konnte der Betrieb, der auf 31er Böden wirtschaftet und dessen Flächen komplett ins benachteiligte Gebiet fallen, im ersten Halbjahr lediglich ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge messen. Entsprechend präsentieren sich die Erträge. Während die Wintergerste (130 ha) noch er­staunliche 76 dt/ha auf die Waage brachte und sich Triticale (116 ha) mit 55 dt/ha als halbwegs stabil erwies, enttäuschte die Sommergerste (172 ha). Sie erreichte zwar Braugerstenqualität, erfüllte mit 45 dt/ha aber nicht die Erwartungen. Winterraps, der mit 226 ha die zweitwichtigste Druschfrucht im Betrieb stellt, kam auf nur 32 dt/ha. Und auch der Winterweizen, der die Mähdruschsaison beendete, blieb auf 314 ha mit lediglich 58 Doppelzentnern deutlich hinter seinem Potenzial zurück.


Die Erbsen (32 ha), die der erfahrene Luzerneanbauer (93 ha) zur Komplettierung der ökologischen Vorrangfläche im Anbauspektrum hatte, lagen mit ihren 26 dt/ha gleichfalls unter Durchschnitt. Der befürchtete Preiseinbruch ist wider Erwarten aber nicht so heftig ausgefallen, sodass Münzel mit dem Ergebnis leben kann. Die 83 t Erbsen vermarktet der Betrieb.


Sorgen bereitet den Hochdorfern, wie allen von Trockenheit geplagten Milchviehaltern, die Futtersituation. 430 Rinder, davon 230 Milchkühe, müssen versorgt werden. Inklusive der ersten Schnitte des Grünlandes (82 ha) konnten bisher knapp 50  % der geplanten Futtermenge geborgen werden. Hier liegt jetzt die Hoffnung auf dem Mais. Mit Blick auf die Milchpreise stellte Thomas Münzel gegenüber der Agrarministerin daher klar, dass aus der Tierproduktion zur Zeit wenig rauszuholen sei.

 

Mäuse: Ausnahme bei Mitteleinsatz
Das Agrarministerium will von Feldmäusen geplagten Landwirten helfen, die Schadnager einzudämmen. Wie das Ministerium auf Anfrage der BauernZeitung mitteilte, unterstütze man einen Antrag zu Anwendung von Ködern mit dem Wirkstoff Chlorphacinon zur Bekämpfung auf besonders befallenen Schlägen. Die Bearbeitung der von Sachsen-Anhalt koordinierend für mehrere Bundesländer, darunter eben auch Thüringen, gestellten Anträge auf Notfallgenehmigung von Pflanzenschutzmitteln mit den Wirkstoffen Zinkphosphid bzw. Chlorphacinon dauere beim BVL zur Zeit noch an. Man rechne aber kurzfristig mit einer Entscheidung. In Absprache mit dem  Thüringer Umweltministerium sollen die Mittel zum Schutz der Herbstsaaten auf zehn Prozent der befallenen Fläche eingesetzt und von einem Umwelt-Monitoring begleitet werden.

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