Demo gegen „Massentierhaltung“ und „Agrarindustrie“

11.09.2014

© Frank Hartmann

Der Demonstrationszug startete am Erfurter Anger, zog über die Regierungsstraße und endete auf dem Domplatz.

Rund 300 Menschen folgten in Erfurt dem Aufruf zu einer Demonstration unter dem Motto: „Wir haben es satt! Agrarindustrie abwählen!“ 20 Ökolandbau-, Umwelt- und Tierschutzverbände sowie die Thüringer Grünen hatten die Demonstration unterstützt, die von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Thüringen und der bundesweiten Kampagne „Meine Landwirtschaft“ organisiert worden war.

Auf Plakaten wendeten sich die Teilnehmer gegen „Massentierhaltung“, Tiertransporte oder das Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP). Redner forderten eine Agrarpolitik, die eine bäuerliche Landwirtschaft fördert. In einer Erklärung forderte der Vorsitzende der AbL in Mitteldeutschland, der Tonndorfer Berufsimker Michael Grolm, „einen besseren Zugang zu Land für junge Bäuerinnen und Bauern und eine Förderung des ökologischen Landbaus sowie des Lebensmittelhandwerks“. Der Landesregierung hielt er vor, „Investitionen in industrielle Massentierhaltung und Land-Spekulation“ den Boden zu bereiten. „Wer in Thüringen zukünftig noch mehr Schweine- und Hühnerfleisch für den Weltmarkt produzieren will, hat nichts aus den aktuellen russischen Sanktionen gegen europäische Lebensmittel gelernt“, meinte Jochen Fritz, Sprecher der Kampagne „Meine Landwirtschaft“.

Dass man mit der Demo auch Verbraucher erreichen wollte, daran erinnerte Biolandwirt Reiko Wöllert, der bei Haina 20 ha Land bewirtschaftet: „Wer Milch für 70 Cent im Laden kauft, darf sich keine Illusionen über die Art der Landwirtschaft machen, die zu diesem Preis produzieren kann. Umdenken müssen also sowohl die Agrarindustrie als auch die KonsumentInnen“.

Agrarminister Jürgen Reinholz hatte im Vorfeld der Kundgebung dem MDR-Hörfunk gesagt: „Wenn die Leute plötzlich für ein Biohähnchen 22 Euro bezahlen sollen, dann ist Schluss mit dem Interesse daran. Die Leute wollen alles billig einkaufen, aber protestieren gegen die Tierhaltung.“ Das passe irgendwie alles nicht zusammen. Es komme nicht darauf an, wie viele Tiere in einem Stall stünden, sondern wie sie dort stehen. Langsam könne er die Diskussion darüber „auch nicht mehr ab“, so Reinholz. Anlässlich der Agrarministerkonferenz (AMK) in Potsdam, die sich unter anderem mit Fragen der Tierhaltung beschäftigt hatte, sagte Reinholz, dass es gelingen müsse, „gemeinsam mit den Landwirten einerseits Tierwohl und Tierschutz zu verbessern und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit der Tierhaltung in Deutschland zu erhalten“.

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