Blick nach vorn richten

04.11.2013

Matthias Klippel am Mikrofon.

Matthias Klippel von der Agrar eG Wöllmisse Schlöben formulierte ohne Umschweife und fern jeder Idealisierung seine Anforderungen an Fachschulabsolventen, die etwa als Abteilungsleiter arbeiten wollen.

© Frank Hartmann

Bei der Festveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen der Fachschule für Agrarwirtschaft in Stadtroda galt dem Blick nach vorne die Aufmerksamkeit, ohne die Geschichte auszublenden. Die begann hier schon vor über 90 Jahren, setzte sich zu DDR-Zeiten als Agraringenieurschule und seit 1993 als Fachschule fort. 1  400 Fachschüler konnten in den letzten 20 Jahren immatrikuliert werden. In diesem Herbst starteten zwei neue Klassen, eine in der Ganzjahres-, die andere in der Winterschulform. Daneben läuft ein Meisterkurs für Tierwirte. Nach langen Diskussionen erhält die Fachschule einen Neubau, dessen Einweihung und Bezug im Laufe des kommenden Jahres gefeiert werden soll. 

 

Fortführung der Mensa

Matthias Hohle, der vor dem Sommer aus dem Kultusministerium kommend die Leitung der Schule von Klaus Präger übernahm, freute sich nicht nur, dass nunmehr vier Fachlehrerreferendare den Weg nach Stadtroda gefunden haben. Mit dem Landrat des Saale-Holzland-Kreises, Andreas Heller, der im Übrigen wie auch Stadtrodas Bürgermeister Klaus Hempel an der Festveranstaltung teilnahm, fand man jetzt auch eine Lösung zur Fortführung der Mensa, die die TLL als Träger der Fachschule erst Ende Juli schloss.

 

Großen Bedarf an höher qualifiziertem Personal 

Als Festredner forderte Agrarstaatssekretär Roland Richwien die Thüringer Landwirtschaft auf, nicht nur in die Ausbildung des Berufsnachwuchses, sondern auch in die ständige Weiterbildung der Mitarbeiter zu investieren. Ohne auf Details einzugehen, erklärte Richwien, dass es ein neues Konzept zur Organisation der berufsbegleitenden Weiterbildung und Qualifizierung in der Landwirtschaft geben würde. Den großen Bedarf an höher qualifiziertem Personal für die Agrarbetriebe im Land verdeutlichte Richwien mit Daten zur Altersstruktur, wonach 40 % der Betriebsleiter 55 Jahre und älter seien, 18 % bereits ihren 60. Geburtstag feierten.

 

Welternährung, Klimawandel und Energiewende

Dr. Helmut Born, seit Kurzem DBV-Generalsekretär a. D., aber noch immer engagiert als Geschäftsführer des Verbandes der Fachschulabsolveten (vlf), brachte zunächst die weite Welt nach Stadtroda. Er berichtete brandaktuell von einem Treffen nordamerikanischer und europäischer Bauernverbände in Mexiko-City, die dies- und jenseits des Atlantiks gleichermaßen vier große Trends ausgemacht hätten: Welternährung, Klimawandel und Energiewende forderten die Land- und Forstwirtschaft in besonderer Weise; die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaftsbetriebe habe sich durchweg gebessert; außerlandwirtschaftliche Kapitalgeber drängen in die Landwirtschaftsbetriebe; keineswegs nur die Vertreter nichtstaatlicher Organisationen, sondern auch die Verbraucher wollen im Detail darüber mitreden, wie die Landwirte pflügen, säen oder Tiere halten sollen. 

 

Technischen Fortschritt verbesserten deutlich die Arbeitsbedingungen

Um diese Herausforderungen zu  meistern bzw. neue Antworten darauf zu finden, brauche es topausgebildete, motivierte Land- und Tierwirte, Fachschulen wie die in Stadtroda, die mit der rasanten Entwicklung mitgehen, Bund, Länder und Kommunen, die von der Sinnhaftigkeit der Finanzierung dieser Schulen überzeugt sind. Mit Sorge müsse festgestellt werden, so Born weiter, dass der Rückgang der Azubis in den grünen Berufen in Ostdeutschland gegenwärtig überdurchschnittlich ausfalle. „Das muss sich ändern.“ Born appellierte an die Betriebsleiter, damit aufzuhören, ihre wirtschaftliche Situation auch dann noch negativ darzustellen, wenn sie in Wahrheit sehr viel besser geworden ist. Viele Menschen wüssten nicht, dass sich aufgrund des technischen Fortschritts die Arbeitsbedingungen deutlich verbesserten, körperlich schwere Arbeit sich klar verringert habe. Im Wettbewerb um Lehrlinge werde mit der Ausbildungsvergütung ein Signal gesetzt. Hier müsse sich etwas tun, verbunden mit der klaren Aussage, „dass die Tätigkeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb eben nicht sieben Tage lang einen Zwölf-Stunden-Job bedeutet“. Born äußerte seine Sorge, dass sich die Bundesländer aus der Fachlehrerausbildung zurückziehen würden. Nicht zuletzt im vlf mache man sich für die Gewinnung und Weiterbildung von motivierten Fachschullehrern stark. FH

Welche Anforderungen Vorstandschef Matthias Klippel von der Agrar eG Wöllmisse an Fachschulabsolventen stellt, lesen Sie im kommenden Heft.

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