Biogas: Substrat ist der Schlüssel

17.01.2014

Biomethan-Einspeiseanlage

© Stefanie Gille

Die Biomethan-Einspeiseanlage in Menteroda gehört mit einer geplanten Leistung von 700 Nm3 Biomethan/h zu den großen ihrer Art in Thüringen.

Im Dezember nahm eine neue Biogasanlage in Menteroda ihren Betrieb auf. Für Mitte des laufenden Jahres hat der Betreiber, die Biomethan Menteroda GmbH, eine Tochter der Bilfinger Project Investments Europe GmbH, den Start des eigentliches Zweckes der Anlage, nämlich die Einspeisung von Biogas ins Netz, angekündigt. Die Gemeinde im nördlichen Unstrut-Hainich-Kreis hat die Ansiedlung der Anlage in ihrem bereits erschlossenen Gewerbegebiet von Beginn an unterstützt. Dies habe, neben der relativ geringen Tierhaltungsdichte in der Region, den Ausschlag für das 16 Mio. € schwere Investment gegeben, sagt Joachim Hundt, Geschäftsführer der Biomethan GmbH. Der Bau ging zügig voran.

Erst im Januar 2013 hatte das Landratsamt die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz erteilt. Der Projektentwickler und Hersteller, die Schmack Biogas GmbH, wird für die Bilfinger-Tochter die Betriebsführung sowie das Rohstoffmanagement der Anlage übernehmen.

Letzteres erachtet der Berufsstand im Falle außerlandwirtschaftlicher Investoren als nicht unproblematisch. Gemeinsam mit der TLL wird regelmäßig
darauf verwiesen, dass von den rund 240 Thüringer Biogasanlagen (Stand Ende 2013) gut 90 % direkt an landwirtschaftliche Betriebe gebunden sind. Der Wirtschaftsdüngeranteil am Substratmix beträgt hierzulande laut TLL 75 %. So nutzen die Agrarbetriebe 65 % der gesamten Rinder- und 38 % der Schweinegülle für die Biogasanlagen. Ende 2012 wurden lediglich gut 40 000 ha für den Substratanbau beansprucht, knapp die Hälfte davon für Mais. Angesichts dessen könne weder von einer „Vermaisung“ in Thüringen gesprochen werden noch ließe sich nachweisen, dass der Substrat-anbau die Pachtpreise beeinflusse, heißt es in einer TLL-Studie aus dem vorigen Jahr.

In Menteroda rechnet man mit einer Substratmenge von gut 60  000 t. Laut dem Betreiber sollen die vier Hochleistungsfermenter (à 600 m3 zzgl. zwei Nachfermenter à 4 000 m3) mit einem Substratmix aus Gras (10 %), Ganzpflanzensilage (15 %), Mais (40 %) und Zuckerrüben (20 %) bestückt werden. Ab Mitte 2014 kämen Reststoffe wie Festmist (15 %) dazu. Im Vertragsanbau befänden sich zudem fast 200 ha Szarvasi-Gras. Das mehrjährige Riesenweizengras könnte in dieser Saison erstmals geerntet werden, heißt es. Im Falle der Zuckerrüben seien Kontakte mit der Südzucker AG geknüpft worden.

22 Landwirtschaftsbetriebe  unterschrieben bisher Verträge  zur Energiepflanzenlieferung. Ihnen bietet der Betreiber fünfjährige Verträge an. Die Suche nach weiteren Agrarbetrieben ist noch nicht abgeschlossen. Der momentane Einzugsbereich liegt laut Joachim Hundt in Ausnahmenfällen bei bis zu 50, im Durchschnitt bei 25 km. „Die Substrate werden in der Regel am Anlagenstandort siliert und gelagert. Lediglich bei Grünland silieren einige Betriebe selbst und liefern die Silage an“, sagt der Biomethan-Geschäftsführer. Die festen und flüssigen Gärreste, rund 50 000 Tonnen pro Jahr, gingen komplett an die Lieferanten als Dünger zurück.

Die hochmoderne Anlage soll bei Vollast jährlich 63 Mio. kWh Biomethan und 4 Mio. kWh Strom (drei Zündstrahl-BHKW mit je 265 kW) einspeisen. Die Wärme der Anlage wird zum Beheizen der Fermenter genutzt.

Vier Anlagen zur Biomethaneinspeisung sind laut Biobeth im Freistaat derzeit in Betrieb, drei befinden sich im Bau bzw. wie in Menteroda kurz vor dem Betriebsstart. In Nordhausen laufen die Planungen für eine weitere Anlage.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr