Beizmittelverbot: Rückschritt für Umwelt und Ackerbau

07.10.2014

© Sabine Rübensaat

Die Fraßschäden des Schädlings sind auf den Feldern sichtbar und die Landwirte müssen reagieren.

Für die Rapsaussaat dieses Jahres galt erstmals eine Einschränkung, vor der Landwirte und ihre Verbände lange Zeit gewarnt hatten: Beizmittel aus der Wirkstoffgruppe der Neonikotinoide (Neoniks) dürfen seit Ende vorigen Jahres nicht mehr bei der Rapssaat zur Anwendung kommen. Die EU hat die Anwendung der insektiziden Neoniks bis Ende 2015 arg eingeschränkt bzw. wie beim Raps ganz verboten. Bis dahin sollen neue Erkenntnisse gesammelt werden, ob und in welchem Ausmaß eine Gefahr für Nichtzielorganismen, darunter Bienen, tatsächlich von den Neoniks ausgeht. Im Raps wirkt die insektizide Beize insbesondere gegen den Rapserdfloh und die Kleine Kohlfliege. Gegen Letztere steht kein alternatives Pflanzenschutzmittel zur Verfügung.

Nunmehr sehen viele Landwirte ihre Kritik bestätigt. Zwar arbeitete zur Aussaat die Witterung gegen den Rapserdfloh, sagt etwa Uwe Langenhan, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsgetreide und Ölsaaten Thüringen.  Dennoch mache sich der Schädling in den Beständen mit unterschiedlicher Intensität breit, eine Einschätzung, die auch die TLL teilt (siehe Seite 12).  An die hat sich etwa schon Uwe Läufer von der LEAG Leubingen bei Kölleda gewandt, weil man auf den gut 600 ha Raps „richtige Probleme“ mit dem Rapserdfloh hat. Zweimal habe man jetzt schon die Flächen behandeln müssen, ohne zu wissen, ob das ausreicht. Wie in den meisten Landwirtschaftsbetrieben – wenn sie denn auf ihre Flächen konnten – begann man mit der Aussaat in diesem Jahr um den 20. August. Läufer kann kein Verständnis für das Verbot der Beizmittel aufbringen und sieht den Rapsanbau ernsthaft in Gefahr.

Wie in Leubingen konnte man  bei der nordwestlich gelegenen RWF GmbH in Wolferschwenda bislang auf Pflanzenschutzmaßnahmen gegen den Schädling weitestgehend verzichten. Seit diesem Jahr ist das nun anders. Die Fraßstellen seien sichtbar; auf den 250 ha Raps führte man bisher eine Behandlung durch, in der Hoffnung, dass die ausreicht.

Auch bei der Agrar eG Bösleben ist der Schädling da und hat seine Spuren hinterlassen. Und das vor allem an den wärmeren Standorten. Auf so einen Befall müsse man reagieren, stellt Vorstandschef Ralf Gumpert klar. Die jetzt durchgeführte erste Spritzung sei allerdings nicht der richtige Weg, weil mit dem Beizmittel und der modernen Drilltechnik ein für Umwelt und Landwirt besseres Pflanzenschutzsystem zur Verfügung stehen würde. Ob noch eine zweite Anwendung auf den knapp 1  000 ha Raps folgt, hänge maßgeblich vom Witterungsverlauf ab, so der Böslebener Betriebsleiter.

Als einen klaren Schritt zurück bezeichnet René Kolbe von der Ostthüringer Pahren Agrar GmbH das Beizmittelverbot. Auch auf den Pahrener Rapsfeldern findet sich der Schädling in den Gelbschalen. Noch sei die Ausbreitung nicht ganz so massiv vorangeschritten; auf einem Drittel der Rapsfläche war die Schadschwelle zur Bekämpfung aber längst erreicht.

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