Afrikanische Schweinepest: Einschlepprisiko

19.12.2017

© Sabine Rübensaat

Derzeit breitet sich die Afrikanische Schweinpest (ASP) immer weiter Richtung Mitteleuropa aus. Für viele scheint die Gefahr weit weg, da die Seuche in Polen, Tschechien und weiter östlich zu finden ist. Das Gefühl, dass man hierzulande sicher ist, trügt jedoch. Das Risiko, dass die ASP nach Deutschland und Thüringen eingeschleppt wird, ist als sehr hoch zu bewerten.


Wie Thüringen auf einen Seuchenzug vorbereitet ist und wie Präventionsmaßnahmen und Bekämpfung der ASP geregelt sind, war in Stadtroda Thema eines Dialogsymposiums. Vor mehr als 200 Gästen diskutierten Vertreter der obersten Veterinärbehörde, der obersten Jagdbehörde, der Jägerschaft, des Thüringer Bauernverbandes und der Grundeigentümer den Stand der Prävention und die Bekämpfungsstrategie für den Freistaat.

 

Verheerende Ausmaße im Seuchenfall


Während die ASP für den Menschen selbst ungefährlich und der Verzehr von Schweinefleisch bedenkenlos ist, liegt die Sterblichkeitsrate bei Schweinen bei 100 %. Es gibt derzeit keine Impfung gegen die hoch ansteckende Tierseuche. Hauptübertragungswege sind die Wildschweinpopulation und unachtsam weggeworfene infizierte Fleischprodukte.


Im Falle eines Ausbruchs müssen umfassende Seuchenbekämpfungsmaßnahmen eingeleitet werden. Wie das konkret aussehen wird, erläuterte Dr. Michael Elschner, Referatsleiter für Tierseuchenbekämpfung im Sozialministerium, am Beispiel eines mit ASP infizierten Wildschweins. Dies fußt auf dem von der ASP-Sachverständigengruppe am 23. November beschlossenen Tilgungsplan, der folgende Details vorsieht: Um den Fundort wird eine Hochrisikozone mit einem Radius von vier Kilometern eingerichtet. Basierend auf den Erfahrungen in Tschechien, soll dieser Bereich mit einem Elektrozaun und Vergrämungsmitteln eingezäunt werden, um eine Verschleppung des Virus durch Wildschweine zu verhindern. Für die Hochrisikozone gilt ein 21-tägiges Jagdverbot auf alle Wildarten und ein 28-tägiges Betretungsverbot. Zudem führen Forst, Jäger und Hilfskräfte von Bundeswehr und Polizei eine intensive Fallwildsuche durch. Das gefundene Fallwild wird dann von sogenannten Fallwild-Bergetrupps verbracht. Alle Beteiligten der Fallwildsuche müssen intensiv geschult werden.


Um den Vier-Kilometer-Radius der Hochrisikozone wird eine Randzone von acht Kilometern eingerichtet. Auch hier gilt für 21 Tage ein Jagdverbot und ein Betretungsverbot von 28 Tagen. Danach wird in diesem Gebiet eine intensive Bejagung auf Schwarzwild durchgeführt, ohne Einschränkungen hinsichtlich Alter, Geschlecht oder Stellung in der Rotte. Mit speziellen Sauen-Fangeinrichtungen sollen die Wildschweine entnommen werden. Die nach Hochrisiko- und Randzone dritte Zone ist die Pufferzone mit einem Radius von 24 km. In der Pufferzone soll durch eine Reduzierung der Wildschweinpopulation um 70 bis 90 % der Verbreitung der Seuche entgegengewirkt werden. Für dieses ehrgeizige Ziel sind revierübergreifende Gesellschaftsjagden, Sauenfänge und Ansitzjagden notwendig. Prämien je erlegtes Wildschwein dienen als Anreiz für Jäger, sich zu beteiligen. In Summe heißt dies, dass auf über 2  000 km² eine Seuchenbekämpfung in unterschiedlicher Intensität stattfinden würde. Die Jäger werden ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung der ASP sein, sagte Roland Kaiser von der der obersten Jagdbehörde im Agrarministerium.


Die Experten machten deutlich, dass bereits vor einem Ausbruch wirksame Schritte einzuleiten sind. So muss das Risiko des Einschleppens durch den Menschen reduziert und die Übertragung der Seuche durch Wildschweine verhindert werden. Vor allem die gezielte Bejagung des Schwarzwildes in Thüringen ist ein effektiver Weg, um diesen Übertragungsweg des Virus zu reduzieren. Die extrem hohen Schwarzwildbestände müssen aus Sicht des TBV auf ein Maß zurückgefahren werden, das ein Einschleppen in die Haustierbestände ausschließt. Denn sollte sich die Büchse der Pandora öffnen, wäre die Schweinehaltung in Deutschland in ihrer Existenz bedroht. Eine zentrale Frage war daher in Stadtroda, wie der Schweinebestand in Thüringen mit seinen 740 000 Tieren zu schützen ist. Kaiser kündige an, dass es in Thüringen keine Jagdruhe in schwarzwildreichen Gebieten geben wird. Offen blieben aber die Möglichkeiten der Bekämpfung, wie die Jagd mit Schalldämpfer, Nachtzielgeräten oder Auftragsjagden. Die Vertreter der Ministerien taten sich schwer, hier konkrete Aussagen zu treffen. Auch die finanzielle Ausgestaltung hinsichtlich Prävention und Bekämpfung ist derzeit offen.


Sehr deutlich wurde in Stadtroda, dass ein Ausbruch der ASP verheerende Ausmaße annehmen wird. Die Einschränkungen und langfristigen Folgen für die Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft, den Handel und die Grundeigentümer werden verheerend sein und summierten sich allein in Thüringen auf mehrere Millionen Euro jährliche Folgekosten. Daher waren sich alle Anwesenden einig, dass jetzt geeignete Präven­tionsmaßnahmen einzuleiten sind, um die Gefahr zu minimieren.

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