5. Thüringer Direktvermarkterforum

12.03.2015

© Sabine Rübensaat

Direktvermarktung: Gemüsekisten auf dem Wochenmarkt

Eine Studie zur Situation der Direktvermarkter in Thüringen bot den Anlass für das in der vorigen Woche abgehaltene 5. Thüringer Direktvermarkterforum. Die aktuelle Untersuchung baut auf die Vorgängerstudie auf, in die im Jahr 2008/2009 erhobene allgemeine Daten von 128 Direktvermarktern einflossen. 51 Betriebe davon untersuchte man seinerzeit vertiefend. Der Großteil dieser Direktvermarkter wurde 2011/2012 erneut in ausführlichen Interviews befragt. Insgesamt 50 Betriebe, davon fünf ökologisch wirtschaftende, fanden Eingang in die Studie.

Von den 600 in der Direktvermarktung tätigen Arbeitskräften der untersuchten Betriebe wiesen 66 % eine Fachausbildung auf, knapp ein Viertel verfügte über eine artfremde Qualifikation. Daraus schlussfolgerte Uta Meier (TLL) bei der Ergebnispräsentation, dass es einen hohen Fachkräfteanteil in dem Segment gibt, gleichzeitig aber Qualifizierungsbedarf bestehe.

Heute noch genügend Arbeitskräfte

Zwar gaben 85  % der befragten Direktvermarkter an, derzeit keine Probleme mit Arbeitskräften zu haben. Allerdings wird die Nachfrage nach geeignetem Nachwuchs in Zukunft auch hier drängender. Die Qualifizierung ausländischer Arbeitskräfte oder auch die Erweiterung der Land- bzw. Tierwirtausbildung um ein Modul „Direktvermarktung“ könnte neben dem Rühren der Werbetrommel zukünftigen Engpässen entgegenwirken.

Wie allgemein in der Landwirtschaft, hemme der Mindestlohn eine differenzierte Bezahlung je nach Qualifizierungsgrad. Das beeinträchtigt wiederum die Attraktivität der Arbeitsplätze. Dabei fordert ein breites Produktangebot (siehe Kasten) auch gut und speziell qualifizierte Mitarbeiter.

Für die gute Qualität der Produkte und ein großes Vertrauen spricht die hohe Zahl von Stammkunden, die die Direktvermarkter in den letzten Jahren gewinnen konnten, trotz der  äußerst komplexen Absatzwege. So verfügen beispielsweise 80 % der Direktvermarkter über einen Hofladen, knapp 40  % sogar über ein Filialsystem. Nicht ganz die Hälfte ist mit Verkaufswagen auf Tour. Märkte spielen eine nicht ganz so große Rolle. Lediglich 20  % sind dort präsent. 27 % beliefern die eigene Gastronomie mit Produkten aus der Direktvermarktung. Etwa jeder sechste Direktvermarkter betreibt heute einen Online-Shop. Über 70 % haben Lieferbeziehungen zur regionalen Gastronomie und 54  % zum lokalen Einzelhandel. Und ein Drittel beliefert andere Direktvermarkter, die so ihr Sortiment verbreitern.

Mobil legt zu – Filialen schwer zu halten

Aus den Befragungen wird der Schluss gezogen, dass mobile Verkaufswagen als Absatzwege eher noch zunehmen, während Filialsysteme auf Dauer schwer zu halten sein werden. Letzteres gründet u. a. auf dem Preisdruck, den Discounter und Fleischereien ausüben. Als ausbaufähige Absatzzweige sind die regionale Gastronomie (mit Tourismus) sowie die gehobene Gastronomie identifiziert worden.

Beim Thema Werbung und Marketing offenbarte die Befragung viele Probleme bzw. Defizite, etwa hohe Kosten und eine geringe Werbewirkung. Hier schlussfolgert die Studie, dass ein großer Bedarf an Marketingberatung sowie an der Bündelung bzw. Vernetzung von Werbemaßnahmen besteht. Nicht unproblematisch ist das Thema Qualitätssicherung und Zertifizierung. Während dies beim direkten Absatz im Hofladen oder Verkaufswagen keine Rolle spiele, setzen Einzel- und Großhandel die aufwendige und vielgestaltete Zertifizierung voraus.

Der Vorsitzende des Direktvermarktervereins, Frank Sallach, forderte auf der Tagung die Teilhabe der Direktvermarkter an Förderprogrammen. Darin schloss er Investitionen, die Aus- und Weiterbildung, die Beratung und das Marketing ein. Seiner Meinung nach böte die Direktvermarktung noch Potenzial für mehr Beschäftigung, im Gegensatz zur Urproduktion, wo die Rationalisierung weiter voranschreite. Bei der vom Ministerium angekündigten Überarbeitung der Kriterien für das Qualitätszeichen „Geprüfte Qualität – Thüringen“ müssten die Anliegen der Direktvermarkter Berücksichtigung finden.

Defizite bei den lokalen Schlachtkapazitäten

Laut Peter Ritschel, Abteilungsleiter im Agrarministerium, steht die Direktvermarktung im Fokus der Landespolitik. Er kündigte für den Mai Ergebnisse einer Untersuchung an, die den Bedarf an Schlachtkapazitäten zum Gegenstand hat. Der Koalitionsvertrag der Regierungsparteien verspricht, das Problem fehlender lokaler Schlachtstätten im Interesse der Direktvermarktung anzugehen.

Ein Bericht vom Workshop „Großküche und Gastronomie“ im Rahmen des 5. Direktvermarkterforums folgt in einer der nächsten Ausgaben.

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