Wie weiter mit der Ferkelkastration?

14.09.2018

© Sabine Rübensaat

Ab dem 1. Januar 2019 dürfen Ferkel nicht mehr betäubungslos kastriert werden. Das Einhalten dieses in § 21 Tierschutzgesetz festgelegten Termins stellt die Branche vor erhebliche Probleme. Der SLB plädiert daher zunächst für eine Verlängerung der Übergangsfrist von drei Jahren und anschließend für den sogenannten „vierten Weg“. 

 

Derzeit gibt es für die Ferkelkastration drei rechtlich mögliche Alternativen: die Ebermast, die Impfung mit Improvac (Immunokas­tration) und die Isoflurannarkose. Jede dieser Alternativen ist mit Problemen verbunden. So ist der Markt für Jungeber bereits mit den aktuell vorhandenen Mengen ausgelastet; zudem ist die Ebermast aus Sicht des Tierschutzes (Aufreiten, Penisbeißen) sehr bedenklich und betriebswirtschaftlich durch immer schlechter werdende Abrechnungsmasken abzulehnen. Abnehmer für Schweinefleisch im In- und Ausland lehnen zudem die immunologische Kastration konsequent ab.  Ende letzten Jahres beantragte zwar ein Pharmaunternehmen die Zulassung von Isofluran für die Kastration von Schweinen, die vollständige Freigabe könnte allerdings noch einige Monate dauern.

 

Der SLB positioniert sich neben Schlachtunternehmen und Metzgereien klar zur lokalen Betäubung als praktikablen, sogenannten „vierten“ Weg zur Umsetzung des Verbots der betäubungslosen Kastration. Dieser beinhaltet die eigenständig vom Landwirt durchgeführte örtliche Betäubung vor der Kastration. Trotz aller Bemühungen, eine Zulassung der zur Verfügung stehenden Tierarzneimittel Procain oder Lidocain zu erwirken, ist dies vor allem aufgrund gesetzlicher Hürden bis heute nicht gelungen. Da ein Zulassungsverfahren sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, forderten die Delegierten des Deutschen Bauerntages in Wiesbaden im Juni 2018 die Politik auf, eine Fristverschiebung für die Umsetzung des Verbotes der betäubungslosen Ferkelkastration durchzusetzen.  Der Agrarausschuss des Bundesrates beriet nun am 3. September dieses Jahres über die Anträge von vier Bundesländern zur Fristverlängerung, die jedoch allesamt keine Mehrheit fanden. Der nur knapp gescheiterte Antrag von Baden-Württemberg, das Verbot der betäubungslosen Ferkelkas­tration bis drei Monate nach Marktverfügbarkeit geeigneter Narkosemittel, längstens jedoch um maximal drei Jahre bis Ende 2021 auszusetzen, soll nun aller Voraussicht nach am 21. September im Bundesrat erneut zur Abstimmung gestellt werden. Der SLB setzt sich bei der sächsischen Staatsregierung dafür ein, dass diese dem Antrag erneut zustimmt. Die Fristverlängerung ist unumgänglich, wie der Vorsitzende des Fachausschusses Veredlung beim SLB, Frank Bennewitz, deutlich macht: „Es kann nicht sein, dass ab dem 1. Januar 2019 die Ferkelimporte beispielsweise aus Dänemark weiterhin steigen und es bei uns in Deutschland und damit auch in Sachsen zu Betriebsaufgaben kommt“, so Bennewitz. 

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