„Warum Kartoffeln?“

30.05.2014

© Karsten Bär

An interessierten Besuchern mangelte es in Freiberg-Zug nicht. Fachschüler hatten verschiedene Themen aufbereitet. Im Bild: Ein voll funktionsfähiges Modell, das die Biogaserzeugung demonstriert.

Eine Frage hört Ramón Scharmann beim „Tag der offenen Tür“ häufig: „Warum keine Kartoffeln?“ Der junge Landwirt, der sich seit dem vergangenen Jahr am Fachschulzentrum Freiberg-Zug zum Techniker für Landbau fortbildet, schüttelt den Kopf: „Warum immer nur Kartoffeln?“, lacht er, bevor er zum Erklären ansetzt.

Zugegeben, der wenige Quadratmeter große Ackerabschnitt auf dem Gelände des Fachschulzentrums lässt im ersten Moment tatsächlich an Kartoffeln denken. Schließlich sind auf ihm Dämme gezogen, die die meisten nur aus dem Anbau dieser Kultur kennen. Allerdings wachsen auf den Dämmen Salat, Mais und Getreide – zumindest einige wenige Pflanzen davon, die Ramón zu Demonstrationszwecken hier eingepflanzt hat. „Das Dammkulturverfahren wird in einigen Regionen der Welt, die sehr trocken sind und unregelmäßige Niederschläge haben, traditionell angewandt“, erklärt Fachschullehrer Johann Haupt, während Ramón die Fragen von einigen Besuchern beantwortet. „In Deutschland wird es seit etwa 15 Jahren auch außerhalb der Kartoffelanbaus praktiziert.“ Auch Haupt, der im Nebenerwerb einen kleinen Ökobetrieb bewirtschaftet, tut das. Das Verfahren erlaubt es ihm, selbst auf den um Freiberg herrschenden Höhenlagen erfolgreich Gemüse anzubauen. Von seinen Erfahrungen hat sein Schüler Ramón Scharmann im Unterricht gehört – und sich für das Dammkulturverfahren begeistert. Auf eigenen Antrieb informierte er sich tiefer gehend darüber. Für ihn war klar: Zum „Tag der offenen Tür“ wollte er dieses Thema an einem Infostand präsentieren.

Verständnis wecken

„Dammkultur hat viele Vorteile“, ist der engagierte Fachschüler überzeugt. Überwiegend im Ökolandbau angewandt, findet sie inzwischen auch in der konventionellen Landwirtschaft Anhänger. Durch die Dämme erhält der Acker mehr Oberfläche, was wiederum die Erwärmung des Bodens und den Gasaustausch begünstigt, mehr Bodenleben erlaubt und die Verfügbarkeit von Nährstoffen verbessert. „Bei vielen fehlt das Bewusstsein und das Verständnis, wie wichtig das Bodenleben ist“, sagt der junge Mann, der daran etwas ändern möchte. „Manche reduzieren ihr Interesse auf die Technik, aber Landwirtschaft ist eben mehr als Traktorfahren.“  

Einige Schritte neben Ramóns Ackerdämmen haben Fachschüler der Technikerklassen TLW11 und TL12 einen Versuch aufgebaut, der den Sinn des Anbaus von Zwischenfrüchten demonstrieren soll. Töpfe, in denen sich unbedeckter Ackerboden, Erde mit Mulchauflage und mit Pflanzen bewachsener Boden befinden, werden hier gewässert. Das unten aus den Töpfen abfließende Wasser lässt erkennen, was den Unterschied ausmacht. Klares Wasser zeigt, wie sehr bewachsener Boden vor Erosion geschützt ist, während aus unbedecktem Boden viel Substrat ausgewaschen wird und sich durch starke Trübung des Wassers bemerkbar macht. Ein Aha-Erlebnis für manchen Kleingärtner, der sich an dem Stand der angehenden Techniker für Landbau einfindet. „Wir haben das Ausstellungsmaterial vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie erhalten“, erklärt Fachschülerin Anja Bähr. „Die Plakate haben wir nach dem Unterricht selbst entwickelt und gestaltet.“ Und zwar freiwillig, denn schon am Montag nach dem „Tag der offenen Tür“ steht für sie und ihre Mitstreiter eine Prüfung auf dem Programm. „Die letzten Tage waren sehr lernintensiv“, erzählt die junge Frau, die nach Abschluss ihrer Fortbildung bei der Agrargenossenschaft Vorspreewald Turnow den Pflanzenbau leiten wird. Dennoch haben sie und andere aus den vor dem Abschluss stehenden Technikerklassen es sich nicht nehmen lassen, noch einmal an der Präsentation ihrer Schule mitzuwirken. Nicht zuletzt, zwinkert Anja, weil dafür auch noch die Chance auf eine gute Note winkt.

Pflanzenbau, Tierhaltung, umweltgerechte Landwirtschaft und hauswirtschaftliches Können – die Palette der Informationsangebote beim „Tag der offenen Tür“ im Fachschulzentrum Freiberg-Zug ist breit gefächert. Überall finden Besucher an diesem Tag im und um das Schulgebäude viel Informatives und Wissenswertes, das die Tiefe der hier angebotenen Fortbildungen demonstriert und natürlich auch junge Landwirte animieren soll, ihren Bildungsweg in Freiberg-Zug fortzusetzen.

Viel positive Resonanz

Die Besucherresonanz spricht für sich. Ein „rundum positives Fazit“ zieht dann auch Schulleiter Gerd Alscher am Ende des Tages. „Alles hat hervorragend funktioniert, wir hatten viele Besucher und viele gute Rückmeldungen“, freut er sich und verweist auch auf die gute Zusammenarbeit mit der Masterrind GmbH, dem Landeskontrollverband und dem Jungzüchterklub Sachsen, die im Rahmen des „Tages der offenen Tür“ den sachsenoffenen Jungzüchterwettbewerb veranstalteten.

Gut 130 Fachschüler werden derzeit an Alschers Schule fortgebildet, die meisten zum Techniker für Landbau und zum Techniker für Umwelt/Landschaft. 14 junge Leute bilden sich zum hauswirtschaftlichen Betriebsleiter fort. Für diesen Bildungsgang habe das Fachschulzentrum kürzlich die Zertifizierung zur anerkannten Maßnahme der beruflichen Weiterbildung nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung erhalten. Damit könnten sich künftig Bewerber mit einem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit diese Weiterqualifizierung fördern lassen. Neue Lehrgänge für alle angebotenen Abschlüsse beginnen am 1. September, aktuell läuft das Bewerbungsverfahren noch. Die Schule strebt an, im neuen Schuljahr auch wieder eine Fortbildung zum „Betriebswirt für Agrarwirtschaft“ anzubieten.

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