Vergleich der Besten

30.04.2015

© Karsten Bär

Zum guten Abschneiden beglückwünschten Landjugend-Vorsitzender Christian Hager und SLB-Präsident Wolfgang Vogel die Wettbewerbsbesten Kevin Altermann, Elias Templin, David Kleindienst, Nick Dressel, Tobias Schossow, Anna Pabel, Martin Hirche, Patrick Eickhoff, Felix Tillig, Benjamin Stöcker, Anja Loch und Sabine Eidam (v. l.). Auch LfULG-Präsident Norbert Eichkorn (r.) gratulierte.

Gewöhnlich wird der mit Sitzbänken ausgestattete Anhänger für Flurfahrten oder andere gesellige Anlässe über Land gezogen. Heute ist er das Pausenquartier für die Wettbewerbsrichter an der Station Feldbonitur. Christian Hager, als Vorsitzender der Sächsischen Landjugend einer der Mitveranstalter des Berufswettbewerbes, stellt frischen Kaffee, belegte Brötchen und Kekse auf den Tisch in der Mitte. „Ehrenamt muss schließlich auch Spaß machen“, sagt er noch – und ist schon wieder unterwegs zur nächsten Station.  Die Sonne strahlt über den Raps und den Winterweizen beidseits der Betriebsstraße vom LVG Köllitsch in den Nachbarort Packisch. Immer wieder zerren Böen
an den Planen des Hängers. „Das Wetter sieht ja gut aus“, meint Erhard Lamm. „Aber der Wind …“

 

Seit Jahren mit dabei


Beim Landesentscheid ist Erhard Lamm ein echter Veteran. Seit es den Berufswettbewerb  gibt, sei er jedes Mal dabei. Obgleich schon Rentner, engagiert sich der ehemalige Fachleiter Landwirtschaft am Beruflichen Schulzentrum Freiberg weiterhin für den Berufsnachwuchs, im Berufsbildungsausschuss des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und eben beim Berufswettbewerb als Richter. Die Frage, wie sich die Leistungen der Auszubildenden über die Jahre entwickelt haben, mag er so nicht beantworten. „Wir haben hier die Sieger aus den Regionalwettbewerben, die haben die erste Etappe doch schon geschafft“, meint er. „Das sind alles Leute mit guten Voraussetzungen.“
In 14 regionalen Entscheiden haben sich die 28 jungen Frauen und Männer – acht Tierwirt- und  zehn Landwirtauszubildende sowie zehn Fachschüler in fünf Teams – für den Landesausscheid im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch qualifiziert. In Theorie und Praxis müssen sie erneut ihr Können unter Beweis stellen und von insgesamt 34 Wettbewerbsrichtern bewerten lassen. Zu den Jurymitgliedern zählen Fachlehrer wie Erhard Lamm, ebenso wie Vertreter der Regionalbauernverbände und Mitarbeiter des LVG Köllitsch. „Viele von ihnen unterstützen den Berufswettbewerb schon seit Jahren“, sagt Matthias Barthel, dessen Projektmanagementagentur be2pro von der Bildungsgesellschaft des SLB mit der Ausführung des Wettbewerbs beauftragt ist. Doch auch junge Leute rückten immer wieder in diese Aufgabe nach, erklärt er.

 

Bonitur im Raps. Erhard Lamm (l.) unterstützt seit Anbeginn den Berufswettbewerb der Landjugend als Wettbewerbsrichter.

 

 

 

 

 

 

Zu den Jungen gehört Heidi Schneider, die stellvertretende Vorsitzende der Sächsischen Landjugend. Die junge Frau hat vor vier Jahren selbst erfolgreich am Berufswettbewerb teilgenommen, wurde als Tierwirt­auszubildende Landes- und wenig später Bundessiegerin. Nun bewertet sie selbst als Richterin die Leitungen der Teilnehmer. Sie betreut gemeinsam mit Martin Häberer, dem früheren Vorsitzenden der Landjugend und vor zehn Jahren ebenfalls erfolgreicher Teilnehmer am Wettbewerb, die Station Tierbeurteilung in der Lehrwerkstatt Tierhaltung. „Die Aufgabe ist sehr praxisnah gestaltet“, sagt sie, während ein Landwirt-Azubi die aufgestellten Milchkühe begutachtet und sich Notizen macht. „Die Teilnehmer sollen entscheiden, welches Tier sie kaufen würden, und dies begründen.“ Die Mitarbeit am Berufswettbewerb mache ihr Spaß, auch beruflich würde sie künftig gern mit jungen Leuten im Ausbildungsbereich zu tun haben. Ob das klappt, steht noch nicht fest, derzeit studiert Heidi Agrarmanagement an der Berufsakademie Sachsen.

 

Test für die Prüfung


Die Frage, wie es beruflich weitergeht, stellt sich demnächst auch für Anja Loch und Christian Glück. Die beiden haben ihre Aufgaben bereits hinter sich, sitzen nun vor dem Köllitscher Speicher in der Sonne und warten auf die Auswertung. Beide kommen vom Beruflichen Schulzentrum Löbau und sind im dritten Lehrjahr. Will heißen: Die Abschlussprüfungen stehen bevor. Der Wettbewerb sei eine gute Vorbereitung darauf, meinen sie. „Man weiß, wo man steht und wo man noch etwas tun muss“,  sagt Anja, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt, dass sie später als beste Tierwirtin im Landesberufswettbewerb ausgezeichnet werden soll.  Insgesamt habe sie ein gutes Gefühl, nur im Melkstand sei sie ein wenig ins Schwitzen gekommen. „Wir haben im Betrieb ein Melkkarussell, hier gibt es einen Fischgrätenmelkstand – da fehlt mir die Routine“, erklärt die junge Frau, die bei der Agrarbetriebsgesellschaft Großdrebnitz lernt. Christian Glück, Landwirt-Azubi bei der Agrargenossenschaft Seifhennersdorf, ist ebenfalls recht zufrieden, auch wenn, wie er sagt, an einer Station die Richter etwas „grillig“ gewesen seien. Im Juni wird es für Anja und Christian bei den Facharbeiterprüfungen noch mal ernst, dann steht der nächste Schritt in der beruflichen Entwicklung an. Was genau sie vorhaben, möchten die beiden noch nicht sagen. Chancen gebe es jedenfalls viele.

 

Gut begründen können mussten die Teilnehmer bei der Tierbeurteilung, welche Mutterkuh sie kaufen würden.

 

 

 

 

 

 

Das sieht auch Norbert Eichkorn so. Der Präsident des LfULG hat sich zur Siegerehrung am Ende des Landesentscheides eingefunden. „Qualifizierte Leute werden in der Landwirtschaft zunehmend gebraucht“, sagt er. Den jungen Leuten stünden viele Türen offen. Dies gelte insbesondere für die Teilnehmer des Berufswettbewerbs, der vom sächsischen Agrarministerium gefördert und vom Landesamt unterstützt wird, denn diese hätten sich bereits in den Regionalentscheiden als die Besten erwiesen. Seine Anerkennung bringt
auch Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel zum Ausdruck. Die Landwirtschaft benötige gut ausgebildete junge Fachkräfte, betont er. Doch auch der Berufsstand brauche engagierten Nachwuchs. „Ohne Bauernverband würde eine kritische Stimme fehlen, die Einfluss auf die Entscheidungen der Politik nehmen kann“, verdeutlicht Vogel.


Die Stimmung ist entspannt, als die Sieger des Wettbewerbes ausgezeichnet werden und Präsente entgegennehmen, die die Landjugend von Unternehmen der Agrarbranche für den Berufswettbewerb sammeln konnte. Applaus für die Besten, noch einmal stellen sich die Sieger fürs Abschlussfoto zusammen, bevor es zurück nach Hause geht. Für die Erstplatzierten in den Kategorien Landwirtschaft I (Auszubildende) und II (Fachschüler) und die besten zwei der Kategorie Tierwirt steht allerdings bald wieder ein Aufenthalt in Köllitsch an. Für ihre Teilnahme am Bundeswettbewerb im Juni in Rendsburg (Schleswig-Holstein) werden sie am 18. und 19. Mai im Lehr- und Versuchsgut noch einmal vorbereitet und geschult.

 

Die Sieger im Landesausscheid

Landwirtschaft I (Auszubildende 2. und 3. Lehrjahr)
1. Kevin Altermann, Saatzucht von Kameke Lommatzsch GbR
2. Elias Templin, Schicketanz GbR, Fremdiswalde
3. David Kleindienst, Landwirtschaftsbetrieb Tony Rabe, Niederfrohna

Tierwirt I (Auszubildende 2. und 3. Lehrjahr)
1. Anja Loch, Agrarbetriebsgesellschaft Großdrebnitz
2 Sabine Eidam, Agrarproduktion „Am Bärenstein“ Struppen
3. Benjamin Stöcker, Milchcenter Prausitz

Landwirtschaft II (Fachschüler)
1. Patrick Eickhoff und Felix Tillig, Fachschulzentrum Freiberg-Zug
2. Martin Hirche und Anna Pabel, Fachschule Löbau
3. Nick Dressel und Tobias Schossow, Fachschule Plauen

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