Vereinigte Hagel

13.12.2016

© Vereinigte Hagel

Sachverständige bei der Aufnahme von Unwetterschäden. 2016 gab es für die Fachmänner und Fachfrauen insgesamt weniger zu tun als in anderen Jahren.

Über den Spitzenplatz kann man in diesem Jahr – anders als im vergangenen – froh sein. „Sie sehen einen strahlenden Bezirksdirektor vor sich“, sagte Thomas Gehrke bei der Bezirksversammlung Leipzig der Vereinigten Hagel dieser Tage in Beiersdorf bei Grimma. Ragte die Bezirksdirektion Berlin im vergangenen Jahr mit einer hohen Schadenquote von 157 % heraus, tue man dies für 2016 mit einer niedrigen Quote von nur 37 %. Die schwersten Schadenszenarien, so der Berliner Bezirksdirektor, hätten sich in diesem Jahr vor allem mit Starkregenfällen in den westlichen Teilen Deutschlands ereignet. Der Osten blieb hingegen oft verschont.


Das trifft ähnlich auf Sachsen zu, wo 2016 eine Entschädigungsleistung von rund 2,68 Mio. € an versicherte Landwirte gezahlt wurde.  Die Schadenquote liegt damit bei rund 44 %. Im Vorjahr waren es 123 %, als knapp 7,4 Mio. € Entschädigung gezahlt wurden.


Trotz insgesamt weniger Schäden gab es 2016 einen klaren regionalen Schwerpunkt: Mehr als die Hälfte der Summe floss in den Landkreis Bautzen. Hier wurden 96 Schäden auf 11 290 ha registriert und rund 1,49 Mio. € Entschädigungsleistungen gezahlt. Die diesjährige Schadenquote im Landkreis Bautzen beträgt 227 %, nachdem man im Vorjahr mit 33 % vergleichsweise glimpflich davongekommen war. Ein Großteil der witterungsbedingten Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen im Landkreis Bautzen wurde dabei an einem einzigen Tag verursacht: Nach einem Hagel am 23. Mai wurden 87 Schäden auf rund 10 500 ha an den Versicherer gemeldet.


Mit rund 414 000 und 385 000 € Entschädigungsleistung stehen die Landkreise Mittelsachsen und Görlitz nach Bautzen auf Platz zwei und drei der diesjährigen Rangliste, die anderen Landkreise folgen mit deutlichem Abstand. Im Vergleich zum Vorjahr zählt vor allem der Landkreis Nordsachsen zu den Profiteuren des 2016er-Wetters: Mussten 2015 noch über 3,2 Mio. € an Entschädigung ausgereicht werden, war es in diesem mit knapp 37 000 € fast nur noch ein Hundertstel davon. Zumindest was versicherte Flächen anbelangt, blieben der Landkreis Zwickau und die Städte Leipzig und Dresden schadenfrei.


Unter den einzelnen landwirtschaftlichen Kulturen waren hinsichtlich der Schadenquoten Stein- und Beerenobst sowie Getreide- und Hülsenfrüchte am stärksten betroffen. Raps- und Ölfrüchte hingegen – im Vorjahr noch stark betroffen – erreichten dieses Mal nur eine Schadenquote von rund 27 %. Es habe, so Gehrke, keine Hagelereignisse in die Raps- und Getreideernte hineingegeben.


Nach zwei Überschadensjahren sei man in der Bezirksdirektion froh, in diesem Jahr mit weniger Unwetterereignissen zu tun gehabt zu haben. So gleiche sich das Risiko zwischen den Regionen aus. Nach wie vor wartet man jedoch darauf, dass es auch in Deutschland zu einer Mehrgefahrenversicherung mit staatlicher Beteiligung kommt. Drei Viertel aller EU-Mitgliedstaaten, so der Bezirksdirektor, würden eine landwirtschaftliche Mehrgefahrenversicherung aus EU- und/oder eigenstaatlichen Mitteln unterstützen. Derzeit werde begonnen, die Pflöcke für die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 einzuschlagen. Daher wäre es an der Zeit darauf zu drängen, dass im Budget Mittel für die Risikoprävention eingestellt würden.


Während die klassische Hagelversicherung nach wie vor am häufigsten genutzt wird und die seit 2008 angebotene Versicherung gegen Hagel, Sturm und Stark­regen weiter wächst, spielt die Versicherung gegen Trockenschäden wegen der hier fälligen Versicherungssteuer von 19 % bislang keine große Rolle. Auch hier hofft Gehrke auf Anpassungen der gesetzlichen Regelungen.

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