Umgang mit dem Wolf: Anhörung im Landtag

23.05.2018

© Sabine Rübensaat

Die Ausbreitung des Wolfes in Sachsen hält seit Jahren an. Ist der strenge Schutz noch berechtigt? Darüber gibt es im Landtag geteilte Ansichten.

Nach einer öffentlichen Sachverständigenanhörung des Landtagsausschusses für Umwelt und Landwirtschaft in der Woche vor Pfingsten fühlen sich sowohl CDU als auch Bündnis90/Die Grünen in ihrer Haltung gegenüber dem Wolf bestätigt. „Mit Blick auf die bereits vorhandene Zahl an Wölfen und der zu erwartenden weiteren Ausbreitung steht für uns fest: Der uneingeschränkte Schutz des Wolfes ist in der jetzigen Form nicht mehr gerechtfertigt“, sagte der agrarpolitische Sprecher der CDU, Andreas Heinz. „Das haben uns Sachverständige in der Anhörung deutlich bestätigt.“ Seitens der Grünen betonte deren landwirtschafts- und umweltpolitischer Sprecher Wolfram Günther indes, dass es Wolfsabschüsse nur dann geben dürfe, wenn selbst der „erweiterte Herdenschutz“ erfolglos geblieben sei. Geregelt werden könne dies in einer sächsischen Wolfsverordnung, die von der Grünen-Fraktion in einem Antrag gefordert wird.

 

Gesamtpopulation betrachten


Ein gemeinsamer Antrag der Koalitionspartner CDU und SPD zielt unter anderem auf eine Überprüfung des bisher sehr hohen Schutzstatus’ des Wolfes. In dem Antrag heißt es unter anderem, dass nach der erfolgten Ausbreitung des streng geschützten Beutegreifers für „das Nebeneinander von Mensch und Tier möglicherweise neue Regeln“ gefunden werden müssten. Gefordert werden ein deutschlandweit abgestimmtes Wolfsmanagement und ein staatenübergreifender Austausch über die Populationsentwicklungen, ebenso wie seitens des Bundes und der EU eine bessere Förderung sowie Erleichterungen von Herdenschutzmaßnahmen für die Weidetierhaltung. Bei der derzeitigen Überarbeitung des sächsischen Wolfsmanagements müssten zentrale Erkenntnisse genutzt werden. „Insbesondere sollten dort weiterhin alle Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren unterstützt und eine unkomplizierte Entnahmeregelung bei Pro­blemwölfen umgesetzt werden“, erklärte Heinz. Die  Wissenschaft müsse nun  nachweisen, dass der Wolf mittlerweile in einem ausreichend großen natürlichen Lebensraum lebensfähig ist und langfristig weiterhin sein wird. „Infolge dessen setzen wir uns dafür ein, dass auf EU-Ebene der Wolf aus den einschlägigen Gesetzesregelungen herausgenommen wird und damit die Aufhebung des strengen Schutzes erfolgen kann“, so der CDU-Agrarpolitiker.

 

Abschuss allein bringt keinen Schutz


Auf teils weit auseinandergehende Meinungen verwies nach der Anhörung der Grünen-Politiker Wolfram Günther. Einigkeit bestehe jedoch im Hinblick auf den besonderen Schutz, den die Weidetierhaltung erfahren müsse. „Der Schutz von Weidetieren ist völlig unabhängig von der Anzahl der Wölfe nötig, deshalb bietet der Abschuss einzelner Tiere keine vernünftige Alternative, die Weidetierhaltung zu unterstützen“, so Günther. Lediglich für Ausnahmefälle und wenn andere Maßnahmen erfolglos bleiben, soll nach dem Willen der Grünen der Abschuss als letztes Mittel möglich sein. Hierfür müsse über eine Wolfsverordnung eine verbindliche Grundlage geschaffen werden, die auch Rechtssicherheit schaffe. Auch im Antrag der Grünen wird die Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien gefordert, um die Populationsentwicklung einschätzen zu können.

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