Trotz Umweg zum Erfolg

06.07.2015

© Karsten Bär

Martin Rößler will sich ab diesem Jahr zum Meister fortbilden.

Kürzlich hat Martin Rößler in Großenhain sein Abschlusszeugnis als Staatlich geprüfter Wirtschafter für Landwirtschaft entgegennehmen können. An sich ist das ein recht normaler Vorgang, im speziellen Fall stellt er allerdings schon etwas Besonderes dar. Denn der junge Mann,  der mit einer Abschlussnote von 1,88 in seiner Fortbildung zum Wirtschafter sogar noch etwas besser abschnitt als der Klassendurchschnitt, hat seinen beruflichen Weg von einer anderen Position aus begonnen als viele seiner Mitschüler:  mit einer Ausbildung zum Landwirtschaftswerker.

Was die Ursache dafür war, kann Martin Rößler so genau nicht mehr sagen. Fest steht: „In der Schule waren meine Leistungen nicht berauschend“, räumt er ein. Viele Perspektiven boten sich dem damals 16-Jährigen nicht, als er 2001 ohne Schulabschluss eine Lehre zum Landwirtschaftswerker begann. Doch mit dieser Ausbildung, die er in Sebnitz bei einem landwirtschaftlichen Einzelunternehmen aufnahm, änderte sich manches.  „Auf einmal war das Lernen ein anderes“, blickt er zurück. „Man wusste, wofür man lernt, und auch das Interesse war größer.“ Landwirtschaft habe ihn schließlich schon immer interessiert.

Ein großer Sprung

Martin zeigte gute Leistungen in der Lehre, holte parallel seinen Hauptschulabschluss nach und entschied zum Ende der dreijährigen Ausbildung, ein viertes Lehrjahr dranzuhängen, das ihm den Abschluss als Landwirt-Facharbeiter ermöglichte. Seine Berufsschullehrer hatten diesen Schritt unterstützt. „Der Sprung war schon groß“, erinnert sich Martin Rößler, der auf dem Weg zum Facharbeiterabschluss zunächst einen Leistungsabfall hinnehmen musste. „Aber ich habe mich durchgebissen und am Ende mit 2,3 abgeschlossen.“

Acht Jahre war der junge Mann anschließend als Landwirt tätig. Dass es in den Wintermonaten meist nur wenig zu tun gab, nahm er zum Anlass, über eine Fortbildung zum Wirtschafter an der Fachschule für Landwirtschaft in Großenhain nachzudenken. „Aus eigenem Antrieb“, erklärt er. Am schwierigsten sei es gewesen, vom Arbeits- auf den Schulrhythmus zurückzufinden. „Aber wenn das Interesse da ist und wenn man lernen will, dann tut man das auch gern.“ Am meisten Spaß hätten ihm die Lehrinhalte zur Pflanzenproduktion gemacht, aber auch die zur Ausbildung von Berufsnachwuchs.  Nicht unbedingt sein Lieblingsfach: Betriebswirtschaft. „Wie für viele andere auch nicht“, schmunzelt Martin Rößler. „Trotzdem war es wichtig und gut, auch mal aus dem Blickwinkel des Unternehmers auf die Arbeit zu schauen, was man als Mitarbeiter in der Regel seltener macht“, sagt er.

Seit inzwischen drei Monaten ist der inzwischen zum Wirtschafter fortgebildete Landwirt aus Schullwitz bei Dresden beim Landwirtschaftlichen Unternehmen „An der Dresdner Heide“ GmbH & Co. KG in ­Großerkmannsdorf beschäftigt. Hier fühle er sich „gut aufgehoben“, sagt er. Was wohl auch auf Gegenseitigkeit beruht. „Ich denke, dass er ein guter Fachmann ist und – nach allem, was wir bisher sehen konnten – allen Erwartungen entspricht“, meint Geschäftsführer Steffen Gröber. Für ihn zeige Martin Rößlers beruflicher Weg, „dass man sich Bewerbungen immer ohne Vorbehalte anschauen muss.“ Ob jemand von der Förderschule komme oder vom Gymnasium, sei am Ende egal. „Die Einstellung zum Beruf ist die entscheidende Frage“, ist der Betriebsleiter überzeugt.

Bislang hat der Gemischtbetrieb mit 55 Mitarbeitern, der unter anderem 980 Milchkühe hält und 1 450 ha landwirtschaftlicher Fläche bewirtschaftet, keine größeren Schwierigkeiten, Berufsnachwuchs heranzuziehen. „Vor allem in der Pflanzenproduktion ist das wenig problematisch“, berichtet Steffen Gröber. „Aber man muss eben auch Leute finden, die passen.“ Derzeit bilde man im Bereich Pflanzenproduktion einen Lehrling aus. In der Tierproduktion sind es – nach mehreren Jahren, in denen mangels geeigneter Bewerber weniger ausgebildet wurde – aktuell vier. Über die Ausbildereignung verfügen im Betrieb drei Personen. Zu ihnen zählt nicht nur Martin Rößler, der diese Qualifikation im Rahmen des Wirtschafterlehrgangs erwarb. Auch der Chef selbst hat hierfür kürzlich – und das mit 60 Jahren – noch einmal die Schulbank gedrückt.

Gelernt wird weiterhin

Genug gelernt hat auch Martin Rößler noch nicht. Im Herbst soll es weitergehen, in Großenhain beginnt für ihn der Vorbereitungskurs auf die Prüfung zum Meister für Landwirtschaft. Auch zu diesem Schritt hat er sich aus eigenem Antrieb entschlossen. Sein Chef Steffen Gröber begrüßt dies. „Die Qualifizierung wird sich auszahlen“, glaubt er.

Derzeit ist Martin Rößler als Mitarbeiter in der Pflanzenproduktion tätig und hauptsächlich mit der Futtergewinnung vom Grünland und der Ausbringung von Gärresten beschäftigt. Der neue Gülleausbringer, der dieser Tage auf den Betrieb kommt, wird in seine Obhut übergehen. Welche Tätigkeiten und Verantwortungen ihm darüber hinaus übertragen werden, soll sich in nächster Zeit zeigen. Das fachliche Rüstzeug jedenfalls bringt er für viele Aufgaben mit.

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