Tierschutzbericht vorgestellt

18.01.2018

© Karsten Bär

Blick in den Legehennenstall: Jürgen Weber (r.) zeigte Ministerin Klepsch nach der Präsentation des Berichtes seinen Betrieb.

Einen „Paradigmenwechsel“ in der Nutztierhaltung hat Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) konstatiert. „Die Haltungsbedingungen müssen an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden, nicht umgekehrt“, sagte sie bei der Vorstellung des die Jahre 2014 bis 2017 umfassenden  Sächsischen Tierschutzberichtes 2017 auf dem Schönberger Geflügelhof Weber. „Viele sächsische Betriebe setzen dies bereits um und arbeiten kontinuierlich an Verbesserung.“ Dass dies nicht umsonst erfolgen könne, müsse jedoch klar sein. Letztlich, so Klepsch, entscheide auch der Verbraucher an der Ladentheke über den Stellenwert des Tierschutzes.

 

Lösungen im Dialog finden

 

Zu den Tierschutzzielen zählte die Ministerin unter anderem den Verzicht auf das Kürzen der Schnabelspitzen bei Legenhennen, des Kupierens der Schwänze bei Schweinen und des Entfernens des Horns bei Rindern. Bei den Legehennen sei dieses Ziel mit der freiwilligen Vereinbarung der  Geflügelwirtschaft seit einiger Zeit erreicht. Bei den Schweinen arbeite man an Lösungen, habe unter anderem mit der Sächsischen Tierseuchenkasse ein Programm aufgelegt, bei dem eine betriebsindividuelle Risikoanalyse durchgeführt wird und dem Tierhalter praktikable Lösungsvorschläge unterbreitet werden. Man setze auf den Dialog mit den Haltern und auf Freiwilligkeit, um die Bedingungen für die Tiere zu verbessern.

 

Die Einhaltung des Tierschutzes wird durch eine aus Sicht des fachlich zuständigen Sozialministeriums hohe Kontrollfrequenz sichergestellt. Von den im Jahr 2016 als kontrollpflichtig geltenden 31.135 Tierhaltern seien 2902 überprüft worden. Davon wurde 2716 nicht beanstandet, woraus sich eine Verstoßquote von 6,4 % ergibt. Aufgrund der Strukturen und Bestandsgrößen in der sächsischen Landwirtschaft werde mit dieser Kontrollquote ein Großteil der zu Erwerbszwecken gehaltene Tiere überwacht.

 

Kritik von den Grünen

 

Demgegenüber kritisiert die grüne Opposition im Landtag die Kontrolltätigkeit staatlicher Stellen in Sachsen. „Viele Missstände bleiben im Dunkeln, weil Kontrollkapazitäten fehlen. Polizei und Veterinärämter müssen mehr Ressourcen für ausreichende und unangekündigte Tierschutzkontrollen erhalten − egal ob auf der auf der Straße oder im Stall", reagierte der Fraktionschef der Grünen, Volkmar Zschocke, in einer Pressemitteilung auf die Vorstellung des Tierschutzberichtes.  Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffe eine Lücke. „Bisher sind noch viel zu wenige Betriebe bereit, sich für wesentliche Verbesserungen beim Tierschutz zu engagieren“, sagte Zschocke. Auch das Landwirtschaftsministerium sei gefragt, hier mehr zu tun.

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