Tierhaltungswettbewerb

16.08.2018

© Karsten Bär

Hahn und Hennen fühlen sich im Auslauf der Wildenhainer Legehennenanlage sichtlich wohl. Sina Weißbach (vorn 2.v.l.), Leiterin des Produk­tionsbereiches, stellte Minister Schmidt und SLB-Präsident Vogel nach der Auszeichnung den Stall vor. Der SLB hat im Auftrag des Landesamtes den vom Ministerium ausgelobten Wettbewerb organisiert.

Erst kürzlich hatte es Matthias Böbel zu einiger medialer ­Bekanntheit gebracht. Weil auf den verdorrten Weiden rund um Wildenhain, einem Ortsteil von Mockrehna in Nordsachsen, kein Futter mehr wächst, ließ er 100 Mutterkühe nach Thüringen bringen, wo  sie zeitweise weiden sollen. Funk und Presse griffen die Meldung eilig auf, um die Dramatik des Dürresommers 2018 anschaulich zu illustrieren.

 

Gute Beispiele zeigen

 

Grund zu berichten gab es Anfang August erneut. Doch dieses Mal war der Anlass weitaus erfreulicher:  Im Landeswettbewerb „Tiergerechte und umweltverträgliche Haltung in Sachsen 2017/2018“ war die Erzeugergemeinschaft Agrarprodukte eG Wildenhain von der Fachjury zum Siegerbetrieb in der Kategorie „Ökologische Legehennenhaltung“ gekürt worden. Aus den Händen von Agrarminister Thomas Schmidt konnten Vorstandsvorsitzender Matthias Böbel, seine Stellvertreterin Mandy Meißner und die Leiterin der Geflügelproduktion im Betrieb, Sina Weißbach, die Auszeichnung und die Stalltafel entgegennehmen. „Mit unserem Wettbewerb wollen wir besondere Beispiele für gute Haltung hervorheben“, sagte Minister Schmidt. Gute Haltungsbedingungen  seien keine Frage der Bestandsgröße. „Man muss das Einzeltier betrachten und bewerten, wie es ihm geht.“ 

 

So recht wisse er gar nicht, wie der Betrieb zur Ehrung gekommen sei, kokettierte Matthias Böbel ein wenig mit dem Erfolg. Was für ihn die Merkmale sind, an denen sich gute Haltung erkennen lässt, weiß er indes genau: hohe Legeleistungen und geringe Tierverluste. Und hier kann der Betrieb mit beachtlichen Werten aufwarten. Eine Legeleistung von 325 Eiern und Verluste von 743 Hennen (davon 240 durch den Fuchs) bei  10.800 Tieren sprechen für sich. Ende 2016 waren die ersten Hennen in die vier neu geschaffenen Ställe ein- und im Februar dieses Jahres nach 81 Wochen ausgestallt worden. Derzeit sind die Ställe zum zweiten Mal belegt. Man sei sehr zufrieden und trage sich mit dem Gedanken, zwei weitere Ställe mit weiteren je 3.000 Plätzen zu bauen, so der Vorstandsvorsitzende. Auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt ist der Betrieb seit 1. Januar 2017. 

 

Gründe für die Auszeichnung im Wettbewerb sind neben den guten Zahlen auch das geräumige Platzangebot – in der Anlage könnten laut europäischen Biovorgaben statt 10.800 bis zu 16.000 Tiere stehen – und  gute Lichtverhältnisse im Inneren des Stalls, der durch Umbau einer ehemaligen Junghennenaufzuchtanlage entstand. Zudem ist das Management der Auslaufflächen anspruchsvoll. Dem natürlichen Verhalten der Tiere kommt es entgegen, dass im Bestand auch 120 Hähne geführt werden. Auch damit übertrifft der Betrieb die Öko-Grundanforderungen. 

 

Betrieb umgestellt

 

Für Bio habe man sich entschieden, um die Marktchancen nutzen zu können, erzählt Matthias Böbel. Zunächst wurden nur die vier neuen Ställe unter dem Dach der Erzeugergemeinschaft Agrarprodukte eG umgestellt. Dem Betrieb mit zwölf Mitarbeitern sind 51 ha Acker- und 5 ha Grünland zugeordnet. Während im Tochterunternehmen Deuben Wildenhainer Geflügelhöfe GmbH weiterhin konventionell Legehennen gehalten werden, ist das Tochterunternehmen Wildenhainer Agrar GmbH mit knapp 1.000 ha Land und Mutterkuhhaltung in diesem Jahr nun ebenfalls auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt worden. „Nach einer schweren Entscheidung“, wie Böbel verdeutlicht. 

 

Mit der Mutterkuhhaltung als Kern der Wildenhainer Agrar GmbH hoffe man, von der Nähe zu Leipzig profitieren und dort Abnehmer für Biorindfleisch finden zu können. Auch deshalb hatte man sich dazu entschieden, die Rinder nicht abzuschaffen, sondern vorläufig anderswo unterzubringen. Ziel sei es zudem, die ökologische Bewirtschaftung ganzheitlich zu verfolgen und beispielsweise auch das Futter für die Hennen selbst zu erzeugen. Derzeit wird es noch zugekauft – zu mittlerweile bereits um 10 % gestiegenen Preisen. Der dürrebedingte Futtermangel macht sich auch hier bemerkbar. 

 

Vor allem aber zeigen sich im eigenen Betrieb die Folgen einer langanhaltenden Phase ohne nennenswerte Niederschläge. „Wir sind nun mal die trockenste Ecke Sachsens“, meint der Vorstandvorsitzende. Geerntet wurde in diesem Jahr wenig. Der Ertrag fast aller Kulturen habe unter 30 dt/ha gelegen. Dass man den Mangel an Futteraufwuchs durch die „Evakuierung“ der Rinder umgangen habe, löse das Problem nicht. Denn weil das Winterfutter fehlen wird, spitze sich die Lage weiter zu. Hinzu komme, dass Betreiber von Biogasanlagen das wenige am Markt angebotene Futter zu hohen Preisen wegkaufen. Trotz Freude über die Auszeichnung im Tierhaltungswettbewerb – so schnell verschwinden in Wildenhain die Sorgenfalten nicht aus den Gesichtern.

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