Stallpflicht für Freiland-Geflügel angeordnet

16.11.2016

© Karsten Bär

Ab sofort im Stall: Die Freilandsaison ist für Gänse und anderes Geflügel in Sachsen vorzeitig beendet.

Die Landesdirektion Sachsen hat am Montag dieser Woche in Abstimmung mit dem Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz für den gesamten Freistaat die Aufstallung des Geflügels angeordnet.

 

Damit reagierte man auf den amtlich festgestellten Ausbruch der Geflügelpest bei einem Wildvogel in Sachsen und auf die Risikobewertung durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Am Sonnabend vergangener Woche hatte das FLI das Virus HPAI H5N8 bei einer im Landkreis Leipzig am Cospudener See  aufgefundenen Reiherente nachgewiesen. „Eine landesweite Stallpflicht in Sachsen ist angemessen“, begründete Ministerin Barbara Klepsch den angeordneten Schritt. „Wir wollen damit der Einschleppung oder Verschleppung der Geflügelpest in die heimischen Haus- und Nutzgeflügelbestände vorsorglich und konsequent entgegenwirken.“


Bereits in der vergangenen Woche hatten der Landkreis Nordsachsen und die Stadt Dresden eine Allgemeinverfügung zur Aufstallung von Geflügel, das in naher Distanz zu Gewässern gehalten wird, ausgesprochen, nachdem das Sozialministerium die zuständigen Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter aufgefordert hatte, darüber auf Basis eigener Risikoeinschätzung zu entscheiden. Nach dem Fund der verendeten Wildente bei Leipzig und dem Nachweis des Virus waren am Wochenende zunächst ein Sperrbezirk im Umkreis von drei Kilometern um den Fundort und ein Beobachtungsbezirk im Umkreis von sieben Kilometern eingerichtet worden.  


Der Geschäftsführer des Sächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes, Dr. Günther Drobisch, hat gegenüber der BauernZeitung die Anordnung zur Aufstallung von Geflügel als Maßnahme zum Schutz der Bestände begrüßt, gleichzeitig aber auch auf die Probleme hingewiesen, die sich für zahlreiche Halter von Gänsen und Flugenten ergäben. Häufig verfügten die Halter, die in der Regel für die Direktvermarktung produzieren, nicht über geeignete Ställe. „Ratschläge, das Geflügel doch schon jetzt zu schlachten, sind auch nicht zielführend“, so Drobisch. Denn das Vermarktungskonzept der Halter ziele auf nah am Verbrauchszeitpunkt – in der Regel Weihnachten – frisch geschlachtetes Geflügel ab. Prinzipiell könnten zwar Ausnahmegenehmigungen beantragt werden, jedoch sei fraglich, ob diese angesichts des als besonders virulent bezeichneten Virus auch erteilt würden. Vorerst unproblematisch ist die Stallpflicht für Legehennenhalter, die Freilandeier produzieren. Bei amtlicher Anordnung einer Stallpflicht können die erzeugten Eier noch zwölf Wochen lang weiter als Freilandeier vermarktet werden.


Für wichtig hält der Geschäftsführer des Geflügelwirtschaftsverbandes in der derzeitigen Situation auch das Verhalten der Klein- bzw. Hobbyhalter. Würden sich diese nicht an die Vorgaben zum Schutz vor Einschleppung der Geflügelpest halten und komme es zum Ausbruch, könnten bei entsprechender Nähe auch wirtschaftlich betriebene Geflügelhaltungen durch die Einrichtung von Sperr- und Beobachtungsbezirken betroffen sein, in denen die Verbringung von Geflügel, Eiern und Geflügelfleisch untersagt ist. Für hervorhebenswert hält Drobisch den Hinweis, dass die Geflügelpest für den Menschen nicht gefährlich ist. Darauf weist auch das Sozialministerium auf seiner Internetseite hin.  


Die Erfahrung zeigt, dass geschlossene Stallanlagen keinen absoluten Schutz vor Einschleppung der Krankheit bieten. Darauf verweist Roland Küblböck vom Geflügelgesundheitsdienst der  Sächsischen Tierseuchenkasse. „Durch eine unzureichende Abschirmung und mangelnde Seuchenprävention können die Erreger auch in die Anlagen eingeschleppt werden“, so der Tierarzt. Um die Risiken zu minimieren, sollten alle Hygienemaßnahmen zur Abschirmung und Seuchenprävention überprüft und gegebenenfalls optimiert werden. Dazu zählt es unter anderem, auf Ordnung und Sauberkeit im Stallumfeld und im Stallvorraum zu achten, eine ordentliche Desinfektion vor Betreten des Stalls durchzuführen, nur stalleigene Schutzkleidung und Schuhe zu nutzen sowie auf Futtermittel- und Tränkenhygiene zu achten.



Ausführliche Informationen über Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsrisikos: www.tsk-sachsen.de/

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